WM-Affäre Finanzminister fordert Überprüfung des DFB-Steuervorteils

"Das große Geschäft ist sicher nicht gemeinnützig": Nordrhein-Westfalens Finanzminister Walter-Borjans fordert, die Gemeinnützigkeit des DFB zu überprüfen. Mit dem Status spart der Verband jährlich mehrere Millionen Euro.
Walter-Borjans: "Nicht länger quasi steuerrechtsfreie Räume"

Walter-Borjans: "Nicht länger quasi steuerrechtsfreie Räume"

Foto: Jan-Philipp Strobel/ dpa

Die Affäre um die WM-Vergabe 2006 befeuert die Zweifel an der Gemeinnützigkeit des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Deutliche Kritik an dem Steuervorteil von Profisportverbänden äußerte nun der Finanzminister von Nordrhein-Westfalen, Norbert Walter-Borjans. Er sagte dem "Kicker", die Verbände dürften "nicht länger quasi steuerrechtsfreie Räume sein".

Der SPD-Politiker forderte: "Wenn wir dem Sport einen Dienst erweisen wollen, müssen wir akribisch trennen zwischen Mega-Business einerseits und der hohen gesellschaftlichen Bedeutung des Breitensports. Letzteres ist gewiss gemeinnützig, das große Geschäft ganz sicher nicht."

"Mich wundert, wie überrascht viele sind"

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt im Zuge der dubiosen 6,7-Millionen-Euro-Zahlung des DFB an den Weltverband Fifa wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall. Die zuständige Oberfinanzdirektion wollte sich nicht konkret dazu äußern, ob die Gemeinnützigkeit des weltweit größten Sportfachverbands (knapp 6,9 Millionen Mitglieder) gefährdet ist. Ein Sprecher erklärte dem "Kicker" aber ganz allgemein, "dass Ermittlungsergebnisse von den Finanzämtern stets zum Anlass genommen werden, einen Fall erneut rechtlich zu beurteilen".

Nach Schätzungen des "Kicker" spart der DFB jährlich bis zu 20 Millionen Euro durch seinen Status der Gemeinnützigkeit. "Mich wundert am meisten, wie überrascht viele sind, dass Profifußball ein Mega-Geschäft ist, das sich aller Möglichkeiten internationaler Finanzakrobatik bedient", sagte Walter-Borjans.

cte/dpa
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