Fünf Elfmeter-Paraden im DFB-Pokal Batz!

Was für eine Vorstellung: Saarbrücken steht als erster Viertligist überhaupt im DFB-Pokalhalbfinale. Matchwinner war Keeper Daniel Batz, der fünf Elfmeter parierte.
Saarbrücken-Keeper Daniel Batz (M.): "Es ist absolut surreal, das war unfassbar"

Saarbrücken-Keeper Daniel Batz (M.): "Es ist absolut surreal, das war unfassbar"

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Alex Grimm/ Bongarts/Getty Images

Eigentlich hätte Fortuna-Keeper Florian Kastenmeier der große Held des Pokalviertelfinals zwischen Saarbrücken und Düsseldorf werden müssen. Wenn ein Torwart einen Treffer selbst vorbereitet und dann noch im Elfmeterschießen zwei Versuche hält, dann ist das normalerweise der Fall. Es sei denn, der andere Keeper hält noch mehr Elfmeter.

Fünf zum Beispiel.

Fünf Paraden bei Versuchen des Gegners vom Punkt: Saarbrückens Keeper Daniel Batz sorgte für eine der spektakulärsten Torwartleistungen der Pokalgeschichte. Einen Strafstoß parierte er im Spiel, vier Versuche hielt er im Elfmeterschießen, den letzten von Zanka lenkte er an den Pfosten.

Damit war die Pokalüberraschung perfekt. Viertligist Saarbrücken hatte Bundesligist Düsseldorf im Viertelfinale 7:6 im Elfmeterschießen besiegt. "Es ist absolut surreal, das war unfassbar. Wenn mein Finger nicht so wehtun würde, dann würde ich sagen, dass ich in einer Traumwelt lebe", sagte Batz bei Sky: "Es ist ein großer Moment für das ganze Saarland. Da gehen einem die Superlative aus."

Das Batz-Spektakel in fünf Akten:

  • Den ersten Elfmeter von Rouwen Hennings lenkte er an den von ihm aus gesehen rechten Pfosten (82. Minute) - und wurde dafür von seinen Kollegen wild gefeiert.

  • Im Elfmeterschießen parierte er dann zunächst einen schwach in die Mitte geschossenen Versuch von Kenan Karaman und ballte die Faust.

  • Dann lenkte er den Schuss von Kevin Stöger an den linken Pfosten.

  • Es folgte erneut ein schwacher Schuss in die Mitte von Matthias Zimmermann - kein Problem für Batz.

  • Und dann kam Mathias Jattah-Njie Jörgensen, genannt Zanka. Der hatte die Fortuna in der 90. Minute mit seinem Ausgleich erst in die Verlängerung gerettet. Er schoss - und Batz bugsierte den Ball, zum dritten Mal an diesem Abend, gegen den Pfosten.

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Auch der Gegner musste die Leistung des Keepers anerkennen, Düsseldorf-Trainer Uwe Rösler sagte nach der Partie: "Saarbrücken hat einen super Pokalfight geliefert. Wir hatten genügend Matchbälle, haben sie aber nicht genutzt. An solchen Abenden muss man seine Chancen nutzen."

Schon ein Bundesligaspiel absolviert

Batz ist kein junger Torhüter mehr, mit 29 Jahren hat er schon eine Menge Erfahrung gesammelt. Der 1,90 Meter große Keeper stand sogar schon in der Ersten Bundesliga im Tor. Für den SC Freiburg spielte er am 34. Spieltag der Saison 2011/2012 gegen Borussia Dortmund, musste da allerdings viermal hinter sich greifen . Ansonsten fungierte er als Ersatzmann für Oliver Baumann.

Foto: KAI PFAFFENBACH/ REUTERS

Nun erlebte Batz den wohl denkwürdigsten Abend seiner Fußballerkarriere - und sorgte für eine Pokalpremiere: Noch nie war ein Viertligist ins Halbfinale gekommen. Erst zwei andere Teams aus dieser Spielklasse hatten im Viertelfinale gestanden. 2001 verlor der 1. FC Magdeburg 0:1 gegen Schalke 04, elf Jahre später unterlag Holstein Kiel Borussia Dortmund 0:4.

5,4 Millionen Euro an Prämien hat der 1. FC Saarbrücken nun sicher, für den es nach 1957, 1958 und 1985, damals allerdings noch in höheren Spielklassen unterwegs, das vierte Halbfinale ist. "Ganz klar, jetzt wollen wir auch nach Berlin", sagte der Torschütze des 1:0 für die Gastgeber, Tobias Jänicke.

Vor der Partie war der "Geist von Völklingen" beschworen worden. Saarbrücken nutzt ein Ausweichstadion, da die eigene Heimstätte bereits seit vier Jahren umgebaut wird. In Völklingen bezwang Saarbrücken in dieser Pokalsaison bereits den Erstligisten Köln und die Zweitligisten Regensburg und Karlsruhe. Gegen den KSC war Batz schon einmal der Elfmeterheld gewesen, als er den entscheidenden Versuch parierte.

Keine klassische Regionalligamannschaft

Saarbrücken hat in Präsident Hartmut Ostermann, der dank Luxushotels und Seniorenresidenzen zu Reichtum gekommen ist, einen potenten Geldgeber. "Wir haben keine klassische Regionalligamannschaft. Es sind Spieler in der Mannschaft, die in höheren Ligen gespielt haben", hatte Sportdirektor Marcus Mann im Vorfeld der Partie gesagt.

Kein Wunder also, dass das eigentliche Saisonziel der Aufstieg in die dritte Liga ist. Derzeit sieht es gut aus: Der Klub steht auf Platz eins der Regionalliga Südwest, mit sechs Punkten Vorsprung auf den ersten Verfolger Elversberg.

Den Pokalerfolg nimmt man natürlich gern mit. Allerdings könnte es sein, dass sich am Mittwoch niemand mehr an diesen denkwürdigen Abend erinnern kann. Zumindest, wenn allzu viele Fans und Spieler auf Trainer Lukas Kwasniok gehört haben: "Wir werden jetzt so viel trinken, dass wir nicht wissen werden, wie der Tag morgen heißt."

Mit Material von dpa und SID
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