DFB-Pokal Schuss, Treffer, Bussi

Ribéry herzte Müller, Guardiola schäkerte mit Rafinha. Der 4:1-Pokalsieg gegen Hannover setzte bei den Bayern jede Menge Zärtlichkeit frei. Dabei zeigte auch diese Partie: Die angestrebte Perfektion hat sich noch nicht eingestellt.
Von Sebastian Winter
DFB-Pokal: Schuss, Treffer, Bussi

DFB-Pokal: Schuss, Treffer, Bussi

Foto: Inga Kjer/ dpa

Die Blaskapellen zogen nach dem Schlusspfiff noch am Spielerausgang der Münchner Arena vorbei. Sie stimmten den bayerischen Defiliermarsch an, wie schon vor der Partie des FC Bayern gegen Hannover 96. Mit dieser Begleitmusik in den Ohren mussten die Niedersachsen in ihren Bus steigen, als hätte ihnen der Gegner auf dem Rasen nicht schon genug Schmerzen zugefügt.

Der 4:1-Sieg des Titelverteidigers in der zweiten DFB-Pokalrunde war eigentlich deutlich genug, es war der nächste Fingerzeig, dass die Bayern-Maschine nun immer besser in Schwung kommt, dass die Rädchen im so variantenreichen Guardiola-System mehr und mehr ineinandergreifen.

25:3 Tore, acht Siege, ein Unentschieden, keine Niederlage: Das ist die bisherige wettbewerbsübergreifende Bilanz der Münchner in Meisterschaft, Pokal und Champions League in dieser Saison. Selbst Hannovers Präsident Martin Kind sah sich dazu genötigt, in aller Demut seinen Respekt zu bekunden vor dieser Mannschaft: "Man muss anerkennen, dass die Bayern das Maß aller Dinge sind. Die Ausgeglichenheit ihres Kaders ist noch ausgeprägter als in der vergangenen Saison. Und sie können immer noch einen drauflegen."

Vor dem Anpfiff alberten Franck Ribéry, Arjen Robben und Mario Mandzukic beim Aufwärmen mit dem Ball herum, als hätten sie schon drei Maß auf dem Oktoberfest getrunken. Die drei Stammspieler durften beim Anpfiff ja auch ausnahmsweise auf der Ersatzbank Platz nehmen, denn Trainer Pep Guardiola hatte wieder kräftig rotiert. Er scheint dies den Spielern in einer Art und Weise klarzumachen, dass sie es akzeptieren, zumal der Spanier momentan auch den Erfolg als wichtiges Argument in der Hinterhand hat. "Wir wissen, dass wir nicht mit elf Spielern durch die Saison kommen. Deswegen haben wir den Kader noch einmal verstärkt, wir haben jetzt einen breiteren Kader", sagte Bayern-Kapitän Philipp Lahm später.

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Lahm fand, dass die Partie keineswegs perfekt war, "es gibt kein perfektes Spiel, sondern immer noch etwas zu kritisieren", die letzte Viertelstunde der ersten Halbzeit hatten ihm und anderen Bayern-Spielern nicht gefallen. Die Bayern hatten da durch ein umstrittenes Oberarm-Tor von Thomas Müller und einen wuchtigen Kopfball von Claudio Pizarro mit 2:0 geführt, doch dann häuften sich die Fehler beim Titelverteidiger.

Und plötzlich stand es nach Ya Konans Tor nur noch 2:1. "Wir hatten nur kurz vor der Halbzeit Probleme, viele Ballverluste, auch im Spielaufbau", sagte Lahm. Müller bemängelte, dass seine Mannschaft "das Pressing nicht mehr so aggressiv gespielt" habe, Pizarro fand: "Mit Hannover geht so etwas, aber gegen einen richtig guten Gegner kann das tödlich sein."

Doch ansonsten bot allenfalls die linke Abwehrseite der Bayern eine kleine Angriffsfläche, der zunächst für David Alaba spielende Diego Contento wirkte nicht glücklich bei einigen Pässen und stand oft sehr weit weg vom Gegner. Hannover, das immerhin auf Platz vier der Ligatabelle steht, konnte die Lücken aber nicht entscheidend nutzen.

Auf der anderen Seite sahen die 66.000 Zuschauer in der nicht ausverkauften Arena in der 26. Spielminute exemplarisch, was Offensiv-Pressing bewirken kann. Die Hannoveraner vertändelten den Ball im Mittelfeld gegen die aufgerückten Bayern, über Xherdan Shaqiri und Pizarro landete der Ball bei Toni Kroos, dessen strammen Schuss 96-Torwart Ron-Robert Zieler gerade noch zu Ecke klären konnte. Nach ihrer Ausführung landete der Ball bei Dante, der eine mustergültige Flanke auf Pizarro schlug. Gegen dessen schönen Kopfball zum 2:0 hatte Zieler keine Abwehrchance. In der zweiten Halbzeit kamen die Bayern zu den weiteren Treffern durch Müller und Ribéry - und zu einem insgesamt völlig ungefährdeten Sieg.

"Wir haben mit der richtigen Mentalität gespielt", sagte Bayern-Trainer Pep Guardiola nach dem Spiel, es war auch eine weitere Antwort auf die Sammer-Kritik von vor zwei Wochen. Hannover war dabei kein Maßstab für die Ansprüche der Münchner, auch wenn Bayern-Verteidiger Rafinha später brav erzählte: "Hannover ist eine super Mannschaft, wir hatten Respekt." Just in dem Moment kam Guardiola vorbei und gab Rafinha mit der flachen Hand einen Klaps auf den Kopf. Wenn die Bayern schäkern, müssen sie sich sehr, sehr sicher fühlen.

Die Auslosung der Achtelfinal-Begegnungen findet am Sonntag ab 18 Uhr statt.

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