Rehdens Niederlage gegen Bayern "Trotzdem hat es Spaß gemacht"

Sie rannten und grätschten, doch die Sensation blieb aus: Viertligist Rehden ist im Pokal gegen Bayern München ausgeschieden. Die Münchner hatten mit dem Außenseiter keine Probleme. Für den gab es immerhin Lob von einem ganz Großen.

Aus Osnabrück berichtet


Countdown zum Start der neuen Bundesliga-Saison
Als der Trubel vorbei war, der Bayern-Bus vom Gelände rollte, die Fans sich auf den Weg nach Hause machten und die TV-Sender ihre Kameras einpackten, da atmete Rehdens Coach Predrag Uzelac tief durch, ging ein paar Schritte zurück ins Osnabrücker Stadion und sagte: "Ich bin froh, dass es vorbei ist."

Etwas mehr als sieben Wochen lang, seit der DFB-Pokalauslosung Mitte Juni, hatte in Rehden der Ausnahmezustand geherrscht. Die 1800-Seelen-Gemeinde stand auf einmal im Fokus der überregionalen Presse. Kein Wunder, es war die perfekte Pokal-Geschichte: Ein Dorfclub gegen den Champions-League-Sieger. Gegen Manuel Neuer, Arjen Robben, Bastian Schweinsteiger. Gegen Pep Guardiola! Pressetermine, Interviews, Übertragungswagen inklusive.

Das alles ging nun am Montagabend zu Ende. Mit einem Ergebnis, das die Fans und Verantwortlichen verkraften konnten: 0:5 (0:2) verlor der Regionalligist in Osnabrück (das eigene Stadion hatte die DFB-Auflagen nicht erfüllt) gegen den Triple-Sieger FC Bayern. Andere Teams, auch Bundesligisten, sind von den Münchnern schon heftiger verprügelt worden.

Fotostrecke

9  Bilder
DFB-Pokal: Rehden kämpft, Müller trifft
"Ich bin stolz auf meine Jungs", sagte Rehden-Trainer Uzelac nach der Partie: "Bayern ist einfach die beste Mannschaft der Welt." Angreifer Alexander Neumann meinte gar: "Das Ergebnis ist vielleicht etwas zu hoch ausgefallen, trotzdem hat es Spaß gebracht - nur das hinterherlaufen nicht."

Die 16.600 Zuschauer sahen das, was es eben zu sehen gibt, wenn ein Viertligist gegen den Triple-Sieger spielt: Der Außenseiter stellte sich tief in die eigene Hälfte, versuchte zu kontern und konzentrierte sich ansonsten darauf, den übermächtigen Gegner vom eigenen Tor fernzuhalten. "Wenn die mit zehn Mann im Strafraum stehen, dann können wir im Mittelfeld Kurzpass spielen, wie wir wollen. Der Ball muss nach vorne", sagte Bayern-Mittelfeldspieler Toni Kroos.

Guardiola ließ, anders als bei der Supercup-Pleite gegen Dortmund, Dante, Schweinsteiger und Rafinha von Beginn spielen, dafür saßen Thiago (Fußprobleme), Philipp Lahm und Franck Ribéry (beide Pause) auf der Bank.

Von dort sahen sie, wie sich ihre Teamkollegen mit der defensiven Einstellung des Außenseiters schwertaten - und einige Male von Kontern überrascht wurden. Bayern-Coach Pep Guardiola sagte später anerkennend: "Rehden hat gerade in der ersten Halbzeit gut gespielt. Das war gefährlich für uns. Sie haben einige sehr schnelle Spieler."

Tatsächlich gab es für einige Rehdener persönliche Highlights. So parierte Torhüter Milos Mandic gleich mehrere Großchancen, etwa gegen Thomas Müller (72.), Mario Mandzukic (80.) und zweimal gegen Robben (81./86.). Neumann (29., knapp vorbei) und Danny Arend (74., vergab frei vor Neuer) hatten Chancen zum Ehrentreffer. Und Präsident Friedrich Schilling plauschte ein paar Minuten mit Matthias Sammer.

Doch die Bayern waren - von den vielen Fehlpässen einmal abgesehen - einfach zu cool, als dass das Weiterkommen tatsächlich in Gefahr geraten konnte.

"Der Trubel war ja ganz schön. Aber jetzt geht der Alltag los"

Vor allem von Standards, dem besten Mittel gegen tiefstehende Gegner, profitieren sie: Dreifachtorschütze Müller traf zweimal per Kopf nach Eckbällen und einmal per Elfmeter (45./59./64.), dazu gab er die Vorlage für den Treffer von Robben zum 5:0 (88.). "Das ist ja mein Job", sagte er hinterher. Shaqiri hatte in der 18. Minute den Führungstreffer erzielt. "Die Tore haben wir etwas zu einfach bekommen", sagte Rehden-Coach Uzelac: "Aber am Ende hat uns auch einfach die Kraft gefehlt."

Nun geht es für beide Teams zurück in die Normalität: Bayern erwartet am Freitag Borussia Mönchengladbach zum Bundesliga-Auftakt (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). "Wir spielen noch nicht perfekt, aber wir sind bereit für den Punktspielstart", sagte Robben. Und Kroos freute sich, dass die Gegner in der ersten Liga "nicht so extrem defensiv spielen." Auf Rehden wartet am Samstag TSV Havelse. "Wir können uns jetzt auf die Regionalliga konzentrieren", sagte Uzelac - und schien erleichtert.

So empfand wohl auch Rehden-Spieler Arend: "Der Trubel war ja ganz schön. Aber jetzt geht der Alltag los." Für seinen Teamkollegen Neumann, der bei Präsident Schilling im Büro arbeitet, hieß dies: Um 8 Uhr Dienstbeginn. "Aber vielleicht kann man ja noch mal mit ihm reden."

Schwarz-Weiß Rehden - Bayern München 0:5 (0:2)
0:1 Shaqiri (18.)
0:2 Thomas Müller (45.)
0:3 Thomas Müller (59., Foulelfmeter)
0:4 Thomas Müller (64.)
0:5 Robben (88.)
Rehden: Mandic - Pekrul, Heyken, Wessel, Hegerfeld - Arend, Stütz - Chaib (65. Winkelmann), Artmann (89. Krogemann), Hirooka - Neumann (72. Kifuta)
München: Neuer - Rafinha, van Buyten, Dante (68. Boateng), Alaba - Schweinsteiger (61. Kirchhoff) - Toni Kroos (81. Martínez), Shaqiri - Thomas Müller, Robben - Mandzukic. - Trainer: Guardiola
Schiedsrichter: Bandurski (Oberhausen)
Zuschauer: 16.600 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Chaib, Arend - Shaqiri, Mandzukic

insgesamt 32 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Louis_tick 06.08.2013
1. Danke
Jeden Tag irgendein Kaese von den Bayern. Ob sie gehustet haben usw. Man kann es nicht mehr lesen.
arjenrobben 06.08.2013
2. FCB Lustlos
so wirkt das Spiel der Bayern. Schieb-Schieb-Schieb den Ball zu mir, hin und her bis geht nicht mehr. Keine kreativen Ansätze sind zu erkennen. Dienst nach Vorschrift. Die Gesichter spiegeln das wider. Mieses Gesicht des Spiels: Dante, schmeißt sein Armband vor den Trainer, geht links an ihm vorbei nach seiner wohl für ihn empörenden Auswechslung. OK, der FCB hat keinen Gegner, nimmt man mal den BVB aus, da haben sie ihre aktuellen Grenzen aufgezeigt bekommen. Sammer redet sich raus mit individuellen Fehlern und fehlenden Stammspieler. Nein, mein Lieber, gegen Pressing-Truppen ist der FCB anfällig, die Ballverluste im Mittelfeld und in der Vorwärtsbewegung sind noch Thema. Gegen Rehden ist das auch zweimal passiert und prompt hätten die tapferen Nebentätigkeitskicker Tore erzielen können. Nun gut, warten wir geduldig ab, der nächste BVB-Treff ist lange hin, immerhin Ende August gilts dann mal gegen Chelsea. Ach ja, Robben ist so fröhlich im Moment, wie kommt's? Einsatzgarantie-Vertrag mit Pep, gell ...
byxelkrok 06.08.2013
3. Respekt Rehden!
Gut ich hab's mir jetzt nicht angeschaut. Aber es soll vor kurzem ein renommierter Verein gar 2:9 gegen die Bayern verloren haben. Also: Achtbar geschlagen, auf jeden Fall!
nummer50 06.08.2013
4. Rehden und Latte?
Also ich hab gestern keinen Lattenschuß von Rehden gesehen, aber manchmal sieht der Autor einfach mehr!!
ChildInTime 06.08.2013
5.
Zitat von Louis_tickJeden Tag irgendein Kaese von den Bayern. Ob sie gehustet haben usw. Man kann es nicht mehr lesen.
Ich habe neulich eine ganz tolle Entdeckung gemacht, die ich Ihnen nicht vorenthalten will: Man muss auf SpOn gar nicht *jeden* Artikel anklicken! Wenn man an einem Thema nicht interessiert ist, kann man den Artikel auch einfach ignorieren. Seit ich das entdeckt habe, steht mir viel mehr Freizeit zur Verfügung, und auch meine Lebensqualität hat sich verbessert, insbesondere deshalb, weil ich zu Themen, die mich gar nicht interessieren, auch keine Kommentare absondern muss. Probieren Sie's doch auch mal - ist wirklich ganz einfach!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.