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Stuttgarter Kickers Verloren gegen Dortmund, gejubelt über Bochum

Gegen Borussia Dortmund zeigten die Stuttgarter Kickers eine mutige Pokal-Vorstellung, verloren aber deutlich. Die Fans des Drittligisten feierten dennoch - nämlich über die Pleite des VfB.

Der Mann des Tages beliebte zu schweigen. Marco Reus ging wortlos an den Journalisten vorbei, die nach dem Dortmunder 4:1-Sieg in der ersten Runde des DFB-Pokals zu gerne erfahren hätten, wie der Star sein überraschendes Comeback gegen die Stuttgarter Kickers erlebt hatte. Reus hatte in ein, zwei Situationen erkennen lassen, warum er ein Spieler ist, den wohl jede europäische Spitzenmannschaft gerne in ihren Reihen hätte. Ansonsten hatte er gespielt, wie man eben spielt, wenn man monatelang wegen eines Syndesmosebandrisses hatte pausieren müssen.

Für seinen Trainer Jürgen Klopp war dann auch allein die Tatsache, dass Reus wieder spielen konnte, das Wichtigste: "Marco ist seit eineinhalb Wochen voll im Mannschaftstraining. Wer ihn da gesehen hat, müsste mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn er ihn jetzt nicht bringt." 60 Minuten unverhofft frühe Minuten unter Wettbewerbsbedingungen habe Reus nun hinter sich gebracht, fügte sein Trainer an. Und die seien ein unerlässlicher Test. Anders gesagt: Auch zum Ligastart gegen Leverkusen am kommenden Samstag dürfte Reus in der Startformation stehen.

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Foto: Matthias Hangst/ Bongarts/Getty Images

Als Klopp die Causa Reus erläuterte, hatte er das Wesentliche zum Sieg gegen die Kickers bereits gesagt: "Das Ergebnis ist dramatisch zu hoch ausgefallen", fand der gut gelaunte Dortmunder Coach, der sich als gebürtiger Stuttgarter ("In meiner Kindheit war ich ein Roter") wunderte, dass ihm die Komplimente für die "Blauen" so leicht von den Lippen gingen: "Aber ich bin zuallererst mal Fußballfan. Und was die Kickers gespielt haben, war geiler Fußball: Mutig, zielstrebig, taktisch gut."

Tatsächlich hatte Klopps Stuttgarter Kollege Horst Steffen sein Team ganz anders eingestellt, als man das von einem Drittligisten gewohnt ist, wenn er gegen einen Champions-League-Verein antreten muss. Von Mauerfußball keine Spur, die Mannschaft stand hoch, schon die Offensiven störten den Spielaufbau des BVB - und hatten dabei zuweilen auch Erfolg, weil Dortmunds Innenverteidiger Neven Subotic (nach achtmonatiger Pflichtspielpause) und Sokratis (nach der WM erst kurz wieder im Training) ein paar Wackler in ihrem Spiel hatten.

Dass es trotz einiger sehr guter Stuttgarter Möglichkeiten - besonders nach dem Seitenwechsel waren die Kickers das dominantere Team - nur zu einem Tor der Gastgeber durch Randy Edwini-Bonsu (60. Minute) reichte, während der BVB durch Henrich Mchitarjan (30.), Pierre-Emerick Aubameyang (55./78.) und Adrián Ramos (89.) gleich viermal traf, hatte zwei Gründe, die ein Trainer kaum beeinflussen kann.

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Erstens den, dass sich individuelle Klasse, wie sie Aubameyang vor allem bei seinem zweiten Treffer zeigte, nicht trainieren lässt. Und zweitens den, dass vor dem vorentscheidenden 0:2 ein Stuttgarter Doppelpatzer stand: Der Rückpass von Royal-Dominique Fennell war dabei genauso schlecht, wie das Verhalten von Keeper Marc-Patrick Redl, der den Ball noch hätte wegschlagen können, wenn er nicht so lange gezögert hätte. "Zwei blöde Fehler", ärgerte sich Kickers-Manager Michael Zeyer, der das Aus des VfB Stuttgart beim VfL Bochum (0:2) nicht kommentieren wollte.

Dass er derzeit nicht gut auf den Lokalrivalen zu sprechen ist, ließ Zeyer dann aber doch mehr als deutlich durchblicken. Schließlich durften die Kickers, deren eigenes Stadion im Stadtteil Degerloch gerade renoviert wird, in der WM-Arena des VfB nur 38.000 der 60.450 Karten verkaufen. Die "Cannstatter Kurve", in der sonst die VfB-Fans beheimatet sind, blieb komplett leer.

"Populistisch" findet Zeyer diese Vorgabe der VfB-Verantwortlichen. Man müsse ja nicht unbedingt verstehen, dass Fans bestimmen, wer bei einem Spiel einer anderen Mannschaft welchen Stadionbereich betrete. "Aber wenn es unsere Fans nicht sein dürfen, hätte man doch einen Familienblock daraus machen können. Aber es gab keine Möglichkeit, sich mit dem VfB über Sachargumente auszutauschen."

Dass die Laune beim deutlich kleineren Stuttgarter Verein trotz der Niederlage prächtig war, lag auch am zeitgleichen Auftritt des in der Zuschauergunst übermächtigen VfB. Die beiden Bochumer Tore wurden von der Kickers-Kurve fast so laut bejubelt, als wären es eigene Treffer gewesen.