Pokalsieg des VfL Wolfsburg Der fünfte Streich

Wolfsburgs Fußballerinnen sind ohnehin kaum zu stoppen, doch der Pokal ist ihr Spezialgebiet. Der SC Freiburg überraschte zunächst, womöglich gar sich selbst - und war am Ende doch klar unterlegen.

Fünfter Pokalsieg in Folge: Wolfsburgs Kapitänin Nilla Fischer (v.) freut sich mit Alexandra Popp (l.) und Anna Blässe.
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Fünfter Pokalsieg in Folge: Wolfsburgs Kapitänin Nilla Fischer (v.) freut sich mit Alexandra Popp (l.) und Anna Blässe.


Die Szene des Spiels: Es lief die 41. Minute, als die Wolfsburgerinnen zum ersten Mal zeigten, warum sie das Nonplusultra sind im deutschen Fußball. Pernille Harder setzte sich auf der rechten Seite durch und flankte in den Strafraum, wo Ewa Pajor zu einem Fallrückzieher ansetzte. Und der wurde richtig gefährlich, Lena Nuding im Tor der Freiburgerinnen bekam gerade noch die Fingerspitzen an den Ball und lenkte ihn über die Latte. Spektakulär war das Zusammenspiel der beiden Wolfsburgerinnen, aber nicht von Erfolg gekrönt. Noch nicht.

Das Ergebnis: Der VfL Wolfsburg hat das DFB-Pokalfinale gegen den SC Freiburg 1:0 (0:0) gewonnen. Hier geht es zur Meldung.

Fünf in Serie: Die Wolfsburgerinnen, das weiß man schon länger, können Pokal. Sie zeigten es auch gegen Freiburg: Fünfter Titel in Folge und der sechste insgesamt, doch Rekordsieger ist noch immer der 1. FFC Frankfurt (9 Titel). Für die Freiburgerinnen war es nach fünf Halbfinal-Teilnahmen nacheinander das erste Endspiel. Sie waren ein würdiger Finalist und in den ersten 45 Minuten zumindest ebenbürtig.

David vs. Goliath: Freiburgs Trainer Jens Scheuer musste auf mehrere Stammspielerinnen verzichten, auch auf die verletzte Nationaltorhüterin Merle Frohms. Vor dem Finale hatte Scheuer deshalb und auch mit Blick auf das Potenzial der Wolfsburgerinnen gesagt, er erwarte ein ungleiches Duell. Wie "David gegen Goliath", sei das, nur müsse David zusätzlich noch "mit einer kaputten Steinschleuder" auskommen.

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DFB-Pokalfinale: Wolfsburg stellt Rekord ein

Ein Trainer, der sich irrt: Die erste Halbzeit deutete an, dass Scheuer zuvor vielleicht doch etwas zu pessimistisch gewesen war. Die Freiburgerinnen dachten nämlich überhaupt nicht daran, sich ob der individuellen Klasse der Wolfsburgerinnen mit einer reinen Defensivtaktik zu begnügen. Stattdessen überzeugten sie mit schnellem Umschaltspiel und tollen Kombinationen, Wolfsburg fand hingegen zunächst nicht ins Spiel. VfL-Torhüterin Almuth Schult verhinderte gegen Anja Maike Hegenauer (9. Minute), Klara Bühl (13.) und Sandra Starke (29.) die Freiburger Führung. Wolfsburg hingegen kam nur zu einer guten Chance, als Pajor artistisch abschloss und SCF-Schlussfrau Nuding rettete (41.).

Szene des Spiels 2.0: Nach der Pause war ein Bruch im Spiel der Freiburgerinnen zu erkennen. Ihre Angriffe wurden seltener, ehe sie irgendwann fast gänzlich ausblieben. Und die Wolfsburgerinnen bekamen von Minute zu Minute mehr Platz für ihre Kombinationen. Eine davon führte zum Siegtor und die Protagonistinnen waren jene, die schon in Hälfte eins für den größten Aufreger gesorgt hatten: Es lief die 55. Minute, als sich Harder um zwei Gegenspielerinnen herumwand und abschloss, nur der Pfosten stand einem Treffer im Weg. Der fiel dann eine Sekundenbruchteile später, als der Abpraller bei Pajor landete und Wolfsburgs Torjägerin eiskalt vollendete.

Eine würdige Vertreterin: Fortan erspielten sich nur noch die Wolfsburgerinnen Chancen. Es war nur Freiburgs Schlussfrau Nuding, eigentlich nur Ersatztorhüterin, zu verdanken, dass es bei einer knappen Niederlage blieb. Erst hielt sie einen Distanzschuss von Harder (67.), später gleich zweimal gegen Pajor (75., 86.).

(K)ein Abschiedsgeschenk: Das letzte nationale Pflichtspiel dieser Saison war das Pokalfinale noch nicht, darin unterscheidet sich der Spielkalender von dem der Männer. In der Bundesliga haben beide Mannschaften noch zwei Spiele, Wolfsburg könnte dann gar die dritte Meisterschaft in Folge perfekt machen. Die Freiburgerinnen hingegen stehen im Mittelfeld der Tabelle, für sie war die erstmalige Teilnahme am Endspiel gleichzeitig das Highlight der Saison. Damit endet die vierjährige Amtszeit von Trainer Scheuer ohne Titel, die Überraschung blieb aus. Im Sommer wechselt Scheuer zum FC Bayern, Nationalspielerin Giulia Gwinn nimmt er gleich mit.

VfL Wolfsburg - SC Freiburg 1:0 (0:0)
1:0 Pajor (55.)
Wolfsburg: Schult - Blässe, Fischer, Goeßling, Peter - Gunnarsdottir, Popp - Hansen, Harder, Jakabfi (72. Wolter) - Pajor
Freiburg: Nuding - Gwinn, van Lunteren, Kirchberger, Stegemann - Minge, Schöne (63. Knaak) - Hegenauer (73. Lotzen), Beck, Starke - Bühl
Schiedsrichterin: Kunkel
Gelbe Karten: -
Zuschauer: 18.000



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