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Bayern-Sieg beim HSV Warmschießen für Dortmund

Leicht und locker gewann der FC Bayern sein Pokalspiel beim Hamburger SV, wichtige Spieler schonten die Münchner für das Duell mit Borussia Dortmund. Da war das Intermezzo eines schalschwenkenden Flitzers schon ein Highlight.

Mit einem breiten Lächeln verließ Philipp Lahm vorzeitig den Rasen des Hamburger Stadions. Der Kapitän des FC Bayern klatschte mit seinem Trainer Josep Guardiola ab, es herrschte gute Laune auf der Münchner Bank während des DFB-Pokalspiels beim Hamburger SV. Als Lahm ausgewechselt wurde, stand es 3:0 für die Gäste, die Partie war längst entschieden (Endstand 3:1). Und mit der frühesten Auswechslung Lahms seit seiner Verletzung im Pokalfinale vorige Saison demonstrierte Guardiola, dass er schon ans Wochenende dachte, wenn die Bayern am Samstag Borussia Dortmund empfangen (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Auch HSV-Trainer Josef Zinnbauer hatte sich zu diesem Zeitpunkt längst hingesetzt. Hatte er die erste Hälfte noch ausnahmslos gestanden und seiner Mannschaft lautstark Anweisungen gegeben, symbolisierte Zinnbauers Rückzug aus der Coaching-Zone die Resignation der Hamburger.

"Der Knackpunkt allgemein", sagte Zinnbauer nach dem Spiel, "war das 2:0 kurz vor der Halbzeit." Allerdings war auch vor diesem Treffer durch David Alaba der Unterschied zwischen beiden Mannschaften sehr groß gewesen. Bayerns extrem variables Positionsspiel überforderte die Hamburger immer wieder. Rafinha rechts und Juan Bernat links zogen das Spiel extrem in die Breite.

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DFB-Pokal: Frühe Entscheidung in Hamburg

Foto: Martin Rose/ Bongarts/Getty Images

Der dagegen um horizontale Kompaktheit bemühte HSV im Allgemeinen und sein bemitleidenswerter Rechtsverteidiger Ashton Götz im Besonderen stand so immer wieder vor der Wahl, eng zu bleiben - und dann außen hinterlaufen zu werden - oder rauszuschieben auf die ballführende Seite. Das nutzten die Bayern aber immer wieder zu Schnittstellenpässen zwischen Götz und Johan Djourou. So kamen regelmäßig Bayern-Spieler im Rücken der Hamburger Abwehr an den Ball und konnten auf nachlaufende Teamkollegen ablegen.

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Heiko Westermann, der das erste Gegentor nach sechs Minuten mit einem schlimmen Fehlpass in den Fuß von Robert Lewandowski eingeleitet hatte, nannte nach Schlusspfiff selbstkritisch sogar jenen frühen Treffer schon als Vorentscheidung: "Danach wird es natürlich schwer gegen Bayern."

"Schwer" durfte als Euphemismus gelten: Seit August hatten die Münchner gegen deutsche Mannschaften kein Gegentor mehr kassiert. Und nun sollte die schlechteste Offensive in Europas fünf großen Ligen (kein anderer Klub erzielte wie der HSV nur drei Ligatore in dieser Saison) zurück ins Spiel kommen?

Womöglich hatten die Gastgeber von Beginn an zu viel Respekt vor dem Gegner. Denn es fehlte etwas in der Atmosphäre im Volkspark. Zwar war das Stadion mit 57.000 Zuschauern ausverkauft, aber an Stelle euphorischer Vorfreude lag Skepsis in der Luft. Es ist mehr als zwei Jahre her, dass Bayern in Bundesliga oder Pokal ein Spiel verlor, bevor der Titel unter Dach und Fach war. Im Pokal gab es seit Jürgen Klinsmanns Zeiten nur zwei Niederlagen - und die gegen Dortmund und Schalke. Dieser Wettbewerb hat, was Bayern angeht, schon lange keine eigenen Gesetze mehr.

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An Stelle von Spannung und Ungewissheit herrschte so in der Hamburger Arena eher eine Art Simulation von Spannung und Ungewissheit. In der Schlussphase begann Bayern, seine Spieler zu schonen (neben Lahm wurden auch Xabi Alonso und Lewandowski ausgewechselt). Für die Münchner war es bei aller Brillanz nur ein ganz normaler Arbeitstag: "Wir sind zufrieden, natürlich, weil wir sind Achtelfinale", sagte Guardiola hinterher. Allein der unsägliche Auftritt des Flitzers, der Franck Ribéry attackierte, trübte das schöne Bayern-Gesamtbild.

Jetzt also gegen Dortmund. Der BVB befindet sich bekanntlich in einer Krise, aber vielleicht bleibt das Spiel ja etwas länger spannend als die Partie in Hamburg.