St. Paulis Pokalüberraschung gegen den BVB In Dortmund sagt man Tschüs

Die Pokaltür stand Borussia Dortmund nach dem Bayern-Aus weit offen. Doch gegen St. Pauli folgte eine miserable Leistung – und die Hamburger stehen erstmals seit 2006 im Viertelfinale.
Erling Haaland (r.) und Borussia Dortmund können nicht mehr Pokalsieger werden

Erling Haaland (r.) und Borussia Dortmund können nicht mehr Pokalsieger werden

Foto: Focke Strangmann / EPA

Der Titel ist futsch: Der deutsche Fußball ächzt über die fehlende Spannung in der Bundesliga. Und im DFB-Pokal? Das sollte wieder der Wettbewerb von Borussia Dortmund sein. Wenn schon kein Meistertitel gegen übermächtige Bayern (im Pokal schon ausgeschieden), dann doch bitte erneut der Pokalsieg, wie im vergangenen Jahr. Umso unerklärlicher war die Leistung gegen den FC St. Pauli. Thomas Meunier schaute einmal ungläubig, als ihm ein Ball auf dem schlechten Rasen am Millerntor versprang. So ist Pokal, man muss alle Unwägbarkeiten annehmen. Dazu waren an diesem Abend vor 2000 Zuschauern nicht alle bereit, vor allem Marco Reus zeigte eine schwache Leistung. Dabei hatte der Dortmunder Jung stets betont, den Pokal erneut nach Dortmund holen zu wollen.

Das Ergebnis: Der BVB verlor im Achtelfinale des DFB-Pokals in St. Pauli 1:2 (0:2). Die Hamburger stehen erstmals seit 2006 im Viertelfinale, damals ging es noch eine Runde weiter.

Watzke, der Besänftiger: Seit dem 5:1-Erfolg gegen Freiburg in der Bundesliga gibt es in Dortmund nur ein Thema: die Zukunft von Erling Haaland. Der Norweger hatte sich beim TV-Sender Viasat darüber beschwert, vom BVB zu einer schnellen Entscheidung gezwungen zu werden. Er wolle doch nur Fußball spielen. Im Sommer soll Haaland eine Ausstiegsklausel haben, zahlungskräftige Vereine dürfte es wohl genug geben. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke spielte den vermeintlichen Disput vor dem Spiel in der ARD herunter. »Erling hat sich offensichtlich daran gestört, dass in Medien von einem Ultimatum zu lesen war«, sagte Watzke. Ein solches Ultimatum existiere aber nicht. Und wann eine Entscheidung fallen soll, stehe auch nicht fest. Wenn Watzke in den kommenden Wochen weiter nach dem Stand der Dinge gefragt werde, erzähle er »einfach immer weiter denselben Quatsch«.

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Reus ist kein Innenverteidiger: Diese Erkenntnis mag nicht überraschen, aber bei der frühen Führung der Gastgeber agierte Dortmunds Kapitän in letzter Linie als Gegenspieler von Torschütze Etienne Amenyido. Beim BVB stellt sich weniger die Frage, warum Reus das nicht besser verteidigt. Vielmehr, warum er in der vierten Minute eines solch wichtigen Spiels überhaupt dazu gezwungen wird. Amenyido konnte sein Glück überhaupt nicht fassen. Ungläubig fasste er sich an den Kopf. Amenyido wurde in der Jugend des BVB ausgebildet.

Kann sein Glück kaum fassen: Etienne Amenyido (M.)

Kann sein Glück kaum fassen: Etienne Amenyido (M.)

Foto: FABIAN BIMMER / REUTERS

Zwei Großchancen, noch ein Gegentor: Nach dem Rückstand – Gegentore sind für die Dortmunder Profis in dieser Saison häufig die Regel – schaltete der Favorit schnell in den Angriffsmodus und hätte zum Ausgleich kommen müssen. Thorgan Hazard (7. Minute) scheiterte jedoch wie Reus (18.) frei stehend an St. Paulis Ersatztorwart Dennis Smarsch. Danach blieb der BVB spielbestimmend, ohne zu weiteren Torchancen zu kommen. Und der Zweitliga-Tabellenführer? Traute sich nach dem perfekten Start wieder mehr zu und traf ein zweites Mal: Der Ex-Schalker Guido Burgstaller wurde auf der rechten Seite freigespielt, er suchte im Zentrum wieder Amenyido. Axel Witsel wollte klären, legte den Ball jedoch ins eigene Netz.

Ein Elfmeter ist zu wenig: Zu Beginn der Bundesliga-Rückrunde lag die Borussia schon mal 0:2 zurück – und gewann am Ende 3:2. Die ersten Minuten der zweiten Hälfte sahen ähnlich einfallslos aus wie die letzten 25 vor der Pause. Doch dann sprang Jakov Medić im eigenen Sechzehner der Ball an die Hand – und Haaland verwandelte zum Anschluss. Das Erfolgserlebnis löste bei den Spielern von Trainer Marco Rose, der trotz der schwachen Leistung spät und nur dreimal wechselte, nichts aus. St. Pauli war über Konter gefährlicher und hatte wenig Mühe, den knappen Vorsprung über die Zeit zu retten.

Dortmunder M-Frage: Prominente Fußballexperten arbeiten sich gern am BVB ab. Dietmar Hamann, Lothar Matthäus oder an diesem Abend in Hamburg Bastian Schweinsteiger kritisieren die zweitbeste Fußballmannschaft des Landes für den nicht immer vorhandenen Siegeswillen – oder wie es immer wieder heißt: für fehlende Mentalität. »Es ist ein Stück weit doof, dass wir diese Klischees bedienen«, sagte Trainer Rose nach dem Spiel in der ARD.

Hamburger Weg: St. Pauli und der Hamburger SV liegen in vielen Dingen sehr weit auseinander, die Erfolglosigkeit im DFB-Pokal einte die Stadtrivalen in den vergangenen Jahren – mit wenigen Ausnahmen. Nun stehen beide Klubs gemeinsam im Viertelfinale, erstmals seit 1997 und überhaupt erst zum dritten Mal in der Pokalhistorie. Am kommenden Freitag empfängt der HSV St. Pauli in der 2. Bundesliga. Dort können beide aufsteigen.