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21. Mai 2018, 17:44 Uhr

Pokal-Schiedsrichter Zwayer

"Ich stehe zu meiner Entscheidung"

Sein nicht gegebener Strafstoß im Pokalfinale sorgte für Aufregung - jetzt verteidigt Schiedsrichter Felix Zwayer die Entscheidung. Diese Sicht teilt sein Chef Lutz Michael Fröhlich aber nur bedingt.

Für Eintracht-Trainer Niko Kovac war der Fall klar, für den direkt Beteiligten Kevin-Prince Boateng auch: Strafstoß hätte das Urteil nach Boatengs Zweikampf gegen den Münchner Javi Martínez lauten müssen. Doch Schiedsrichter Felix Zwayer entschied nach Ansicht der Videobilder auf Weiterspielen statt Elfmeter. Zwei Tage nach dem Endspiel hat er sich gegenüber dem "Kicker" erstmals zur umstrittenen Situation geäußert.

"Ich habe den Kontakt gesehen, aus meiner Sicht war es jedoch kein intensiver Kontakt, da Martinez den getroffenen Fuß noch ohne Bewegungsänderung und stabil auf dem Boden aufsetzt, bevor sein anderes Bein abhebt, nach vorne fliegt und er hinfällt", sagte Zwayer. "Treffer und Wirkung haben für mich nicht zusammengepasst. Auf den Bildern habe ich keinen Kontakt gesehen, der mich überzeugt hat, meine ursprüngliche Wahrnehmung und Entscheidung zu ändern. Auch mit dem Abstand von zwei Tagen stehe ich zu dieser Entscheidung."

Bildauswahl sei ausreichend gewesen

Nach dem ausbleibenden Elfmeterpfiff Zwayers war spekuliert worden, für eine adäquate Beurteilung der Szene seien ihm nicht die notwendigen Kameraeinstellungen gezeigt worden. Dieser Annahme tritt Zwayer entgegen: "Ich war und bin mit der Bildauswahl zufrieden", sagte Zwayer und fügte hinzu: "Ich war schon fast fertig, wollte dann aber nochmal auf Nummer sicher gehen und habe mir die Szene nochmals in Realgeschwindigkeit vorspielen lassen. Dann waren für mich keine Fragen mehr offen, ich brauchte also keine andere Perspektive. So viel Erfahrung habe ich mit dem System."

DFB-Schiedsrichterchef Lutz Michael Fröhlich äußerte sich gegenüber dem "Kicker" deutlich vorsichtiger: "Wir können die Argumentation von Felix Zwayer nachvollziehen", sagte Fröhlich, schränkte aber ein: "Gleichwohl machen wir uns in der Kommission intensiv Gedanken darüber, ob solche Entscheidungen am Ende in der Öffentlichkeit noch nachvollziehbar sind, da es dort schon eine erdrückende Meinungsmehrheit in Richtung Strafstoß gibt."

Keine direkte Bayern-Kritik am Schiedsrichter

Eintracht Frankfurt hatte das Pokalendspiel 3:1 gegen den FC Bayern gewonnen. Das dritte Frankfurter Tor durch Mijat Gacinovic fiel in der sechsten Minute der Nachspielzeit - und damit kurz nach der umstrittenen Elfmeterszene. Mats Hummels sagte nach dem Spiel bei Sky, er sei "anfangs kompletter Befürworter und richtiger Verfechter des Videobeweises" gewesen. Aber: "Wenn er so bleibt wie jetzt, bin ich sogar eher dafür, ihn wieder abzuschaffen." Joshua Kimmich berichtete von einem Gespräch mit Zwayer nach Spielende: "Ich habe ihn gefragt, ob er sich ganz sicher ist. Er war sich ganz sicher."

Keiner der Bayern machte den Unparteiischen aber für die Niederlage verantwortlich. "Es war ein Elfmeter, aber da sollten wir nicht mit unserer Kritik ansetzen", sagte Trainer Jupp Heynckes, der stattdessen eigene Fehler bemängelte und die starke Eintracht als würdigen Sieger lobte.

mfu

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