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30. Oktober 2014, 11:03 Uhr

Gladbach-Sieg im DFB-Pokal

Spitzenfußball

Aus Frankfurt berichtet

Borussia Mönchengladbach zeigt auch im DFB-Pokal seine Klasse. Die Mannschaft hat in dieser Saison nur ein Problem: Sie ist nicht der FC Bayern München.

Was macht eine Spitzenmannschaft aus? Manch Fußballfan würde diese Frage mit einem Verweis auf die Tabelle beantworten: Eine Spitzenmannschaft steht im oberen Drittel und spielt im besten Fall um die Champions League mit. Ein anderer würde auf die Spielweise schauen: Wer defensiv wie offensiv ähnlich stark ist, also etwa wie Hoffenheim in dieser Saison, ist eine Spitzenmannschaft. Genau wie ein Team, das in seinem Kader nicht nur Top-Individualisten hat, sondern Ersatzspieler, die kaum schlechter als die erste Elf sind.

Nach all diesen Definitionen ist Borussia Mönchengladbach eine Spitzenmannschaft: Sie liegt unbesiegt auf Platz zwei der Tabelle, ist defensiv wie offensiv gleich stark und hat am Mittwochabend beim Einzug ins Achtelfinale des DFB-Pokals mal wieder bewiesen, dass Trainer Lucien Favre derzeit nach Lust und Laune rotieren kann - auf dem Platz steht immer eine hervorragende Elf.

Martin Stranzl hatte nach dem Sieg in Frankfurt deshalb seine Schwierigkeiten damit, tiefzustapeln: "Es sind doch gerade mal ein paar Pflichtspiele gespielt, da wäre es völlig verfrüht, von uns als einer Top-Mannschaft zu sprechen", sagte der Gladbacher Abwehrspieler.

Wirklich? Beim 2:1 (0:1) in Frankfurt zeigte die Borussia jedenfalls erneut einen Auftritt wie aus einem Guss. Dass Mannschaften, die von Favre trainiert werden, kompakt wie im Lehrbuch stehen, weiß man. Dass Favre Mannschaften weiterentwickelt, wenn das mannschaftstaktische Fundament stimmt, ebenfalls. Doch das allein wäre zu technokratisch, um eine Mannschaft zu beschreiben, die in Frankfurt phasenweise fantastischen Fußball spielte: Selbst im letzten Drittel des Spielfeldes gelang den Borussen ein präzises Passspiel, teilweise sogar mit hohen Bällen, die quer durch den Strafraum flogen, um zentimetergenau bei einem Gladbacher anzukommen.

Den beiden Außenbahnspielern Ibrahima Traoré und Thorgan Hazard gelang es zudem immer wieder, den Ball in den Rücken der Frankfurter Abwehr zu legen. Als Max Kruse vom linken Flügel für Hazard auflegte, fiel dann auch das Gladbacher Führungstor (17. Minute), im zweiten Durchgang traf Traoré mit feinem Volleyschuss zum 2:0 (67.).

Das hätte es noch längst nicht sein müssen, Gladbach hatte gut ein halbes Dutzend weiterer Chancen. Favre ärgerte das nach dem Spiel mindestens genauso wie der Anschlusstreffer von Vaclav Kadlec (89.), denn der war die logische Konsequenz aus einem schlampigen Gladbacher Finish. "Am Ende haben wir vergessen zu pressen und haben taktisch nicht richtig verteidigt", sagte Favre. Ansonsten, klar, sei er eigentlich ganz zufrieden: "Wir wollten hier unbedingt durch und haben das auch gezeigt."

Frankfurter Auftritt bot Diskussionsstoff

Angesichts der Gladbacher Bescheidenheit waren es die unterlegenen Frankfurter, die etwas deutlicher wurden: "Sie haben schnelle Spieler, da muss man verhindern, dass die in den Lauf kommen", sagte Eintracht-Coach Thomas Schaaf. Allerdings sei sein Team zu zahm gewesen, habe die Gegenspieler nur angelaufen, anstatt sie effektiv zu stören - denn: "Die sind schon wirklich gut."

Das wollte an diesem Abend niemand bestreiten, und dennoch bot der Frankfurter Auftritt Diskussionsstoff. Wie beim 4:5 gegen den VfB Stuttgart am vergangenen Wochenende war Schaafs Elf auch diesmal nicht konsequent, wenn es in die Zweikämpfe ging, auch im Spiel nach vorne wirkten zu viele Aktionen konzeptlos. Dabei verfügt die Eintracht eigentlich über einen Kader, der an guten Tagen Spielfreude und Dynamik ausstrahlt und an schlechten genügend gute Fußballer in seinen Reihen hat, um seinen Fans zumindest phasenweise Spaß zu machen.

Die durften sich nun zwar weniger über ihr eigenes Team freuen, dafür aber über einen Gegner, der ihnen zeigte, wie guter Fußball funktioniert. Über eine Spitzenmannschaft, die - wollte sie auch entsprechende Titel gewinnen - eigentlich nur ein Problem hat: Sie ist nicht der FC Bayern München. Doch dieses Ziel hat Favres Mannschaft auch gar nicht. Noch nicht.

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