Badstubers Rückkehr im DFB-Pokal Ein letztes Comeback

Nur in der ersten Halbzeit glänzte der FC Bayern beim Zweitrunden-Erfolg gegen Augsburg. Die Partie stand ganz im Zeichen von Holger Badstubers Rückkehr auf den Platz. Es soll die letzte sein.

Getty Images

Aus München berichtet Christoph Leischwitz


Es war 50 Minuten nach Mitternacht, als Philipp Lahm endlich die Katakomben der Münchner Arena verlassen konnte, doch der Kapitän des FC Bayern war immer noch richtig gut drauf.

Nein, er habe überhaupt nichts Brasilianisches an sich. "Wenn ich auf mein Tanzen zurückkomme, muss ich sagen, da steckt gar kein Rhythmus in meinem Blut", sagte er. Deshalb sei er nach seinem brasilianisch anmutenden Tor aus der zweiten Spielminute gerade auch noch zur Dopingprobe beordert worden - "um zu sehen, ob da alles mit rechten Dingen zugeht". Gelächter.

Die Bayern-Spieler wirkten gelöst nach ihrem 3:1-Erfolg über den FC Augsburg im DFB-Pokal. Lahm hatte sein frühes Tor, bei dem er Gegenspieler Philipp Max zuvor getunnelt hatte, mit herausgestreckter Zunge gefeiert. Dann traf ausgerechnet Julian Green zum 2:0 (41. Minute). "Nervös, sehr nervös" sei er gewesen als er erfuhr, dass er für Robert Lewandowski in die Startelf rotieren würde. Seine Augen leuchteten, der 21-Jährige war sichtlich froh, seine Chance genutzt zu haben. Um vielleicht doch noch einen dauerhaften Platz im Kader zu bekommen, und nicht permanent als wahrscheinlichster Weggang zu gelten.

Die zwei emotionalsten Momente des Abends hatten allerdings nichts mit Toren zu tun. Da war zum einen der Jubel der Erleichterung, als Augsburgs Ja-Cheol Koo in der 49. Minute einen Elfmeter verschoss. Noch lauter wurde es zehn Minuten vor Schluss, bei der neuerlichen Rückkehr von Holger Badstuber. Die Fans jubelten schon, als er vom Warmmachen zur Bank zurücklief. Der WM-Teilnehmer von 2010 hatte in den vergangenen vier Jahren fast drei verletzungsbedingt gefehlt, zuletzt alleine acht Monate wegen eines Knöchelbruchs. "Emotion pur", sagte er selbst nach seinem Kurzeinsatz, den er mit einem kleinen Luftsprung startete und sich auf dem Feld mit Thiago abklatschte.

Emotionale Rückkehr von Holger Badstuber

Was denn diesmal anders gewesen sei als bei vorigen Comebacks, wurde der 27 Jahre alte Abwehrspieler gefragt. Badstuber kratzte sich kurz am Kopf und sagte: "Dass es das letzte Mal war. Das habe ich beschlossen." Er sei zuversichtlich, dass er diesmal bedeutend länger fit bleibe.

Badstubers Einwechslung war keine Reaktion auf den Spielverlauf, vielmehr war sie abgesprochen gewesen. Doch dann hatte der FC Augsburg durch Dong-Won Ji den 1:2-Anschlusstreffer erzielt (68.). Es hätte eine spannende Schlussphase werden können, eventuell sogar mit Verlängerung - mit einem Innenverteidiger, dem Spielpraxis und Zweikampfhärte komplett abgehen. Doch Trainer Carlo Ancelotti zog den Plan trotzdem durch. "Ist natürlich schön, da ein Vertrauensverhältnis zu haben", sagte Badstuber.

Ancelotti hat ein Faible für emotionale Momente wie Badstubers Einwechslung, vor allem dann, wenn die Stimmung zu kippen droht. Sie hatte zumindest in diesem durchaus brenzligen Moment emotional deutlich mehr bewirkt als fußballerisch. Jetzt war es wieder laut, Bayern spielte auf, Augsburg konnte nicht mehr nachlegen. Dabei war davor - wieder einmal - der Schlendrian ins Bayernspiel eingekehrt.

Fotostrecke

18  Bilder
DFB-Pokal: Pyrotechnik und Elfmeterschießen

Der Abend der überraschenden Torschützen sowie Badstubers Rückkehr hatten überdeckt, dass sich im Spiel gegen defensive Außenseiter auch diesmal nichts geändert hat. Der eigenen Forderung, endlich einmal "früher den Sack zuzumachen", wurde erneut nicht nachgekommen. Selbst der vergnügte Kapitän Lahm hörte sich da für kurze Zeit noch einmal ernst an: "Wir hatten den Gegner dominiert, gut nach vorne gespielt. Dann haben wir es in der zweiten Halbzeit ein bisschen zu locker angehen lassen. Das müssen wir in den Griff bekommen", sagte er. In der Schlussphase wedelte Jérôme Boateng mehrmals empört mit den Armen - er verstand nicht, warum seine Vorderleute dem Gegner plötzlich mehrmals zu Kontern einluden.

Sie hatten ihn schlecht aussehen lassen damit: Der mit Tempo in den Strafraum laufende Ji hatte Boateng vor dem 1:2 stehen gelassen, wie es dem Nationalverteidiger schon lange nicht mehr widerfahren war. Dass der Sack wieder nicht richtig zu war, lag im Übrigen auch an Ancelottis Rotation: Thomas Müller verschoss auch noch einen Elfmeter, zu dem er nur zögerlich angetreten war (57.). Er erklärte, er sei "da reingerutscht" - weil Lewandowski, Arjen Robben und Arturo Vidal nicht auf dem Platz gestanden haben.

Am Samstagnachmittag empfangen die Augsburger in ihrer 70 Kilometer entfernten Arena die Bayern zum Bundesliga-Alltag. "Fehler abstellen", lautet Mats Hummels' Kommentar mit Blick auf das zweite Derby binnen drei Tagen. Das wäre umso wichtiger, weil die Emotionen, von denen die Bayern an diesem Pokalabend profitierten, keinen Heimvorteil mehr haben.



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.