Mönchengladbach-Matchwinner Stindl Einer mit Tiefgang

Zwei Tore geschossen, eins vorbereitet: Lars Stindl war bei Borussia Mönchengladbachs Sieg im Pokalspiel gegen St. Pauli der Mann des Abends. Der Ex-Hannoveraner könnte der nächste Erfolgstransfer von Borussen-Manager Max Eberl werden.
Gladbachs Stindl: Ein Neuer mit Torgefahr

Gladbachs Stindl: Ein Neuer mit Torgefahr

Foto: Axel Heimken/ dpa

Lars Stindl hatte es eilig, es sah aus, als wolle er vor dem Interesse an seiner Person fliehen. Zwei Tore und eine Vorlage hatte Stindl zu Borussia Mönchengladbachs 4:1-Erfolg in der ersten Pokalrunde beim FC St. Pauli beigesteuert, er war der Mann des Abends.

Nach dem Spiel verschwand Stindl eiligen Schrittes im Umkleidetrakt unter der Südtribüne des Millerntor-Stadions, das die erwartet stimmungsvolle Kulisse für das Duell zwischen zweiter Liga und Champions League gewesen war. Einmal kam der 26-Jährige noch aus der Kabine, ein kurzes Fernsehinterview ließ sich nicht vermeiden, aber er war danach schnell wieder fort und wurde nicht mehr gesehen. Das Zentrum der medialen Aufmerksamkeit ist offenkundig nicht Stindls Lieblingsort, dagegen fühlt er sich im Zentrum des Spiels wohl. Das hat er bei seinem ersten Pflichtspieleinsatz für den neuen Arbeitgeber gezeigt.

Im Sommer war Stindl von Hannover 96 nach Mönchengladbach gewechselt, für eine festgeschriebene Ablösesumme von drei Millionen Euro. Ein gutes Geschäft für den Bundesliga-Dritten der vergangenen Saison. Stindl ist vielseitig verwendbar, im defensiven Mittelfeld, auf der Zehner-Position, auf dem Flügel oder als hängende Spitze. Polyvalenz ist das Stichwort, einer der Lieblingsbegriff von Mönchengladbachs Trainer Lucien Favre. Gegen St. Pauli stellte Favre den neuen Mann auf der Sechser-Position neben Granit Xhaka auf, und Stindl machte seine Sache in vielerlei Hinsicht gut. In der Defensive hatte er einige Balleroberungen, vor allem in der ersten Halbzeit, als der FC St. Pauli tapfer mithielt und sogar in Führung ging durch einen sehenswerten Treffer von Marc Rzatkowski nach einer halben Stunde.

Ein Spieler mit Tiefgang

Nach dem Wechsel spielten die Mönchengladbacher deutlich schneller, deutlich zielstrebiger, was auch an Stindl lag, der immer wieder den Weg nach vorne antrat. In der 54. Minute kam er im Strafraum nahezu unbedrängt an den Ball und traf zum Ausgleich, keine zwei Minuten später ließ er den Ball geschickt prallen für Ibrahima Traoré, der das 2:1 schoss. Stindls Treffer zum 3:1 in der 67. Minute resultierte aus einem Nachschuss.

"Unsere Idee war, in Lars einen Spieler zu holen, der Tiefgang hat und torgefährlich ist", sagte Mönchengladbachs Sportchef Max Eberl. Tiefgang, damit meint er, dass sich Stindl zurückfallen lassen kann und vor der Abwehr aufräumt. Seine Torgefahr hat er schon in Hannover bewiesen, wo er in der abgelaufenen Saison zehn Tore schoss und köpfte. Und er zeigte bei seiner Pflichtspiel-Premiere für den neuen Klub, dass man ihn im Strafraum nicht unbewacht lassen sollte.

Jubel von Stindl: Im Pokal traf der 26-Jährige bei seinem Debüt doppelt

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Foto: Axel Heimken/ dpa

Stindl ist ein unauffälliger Profi, er hat drei Länderspiele für die U20 und eins für die U21-Nationalmannschaft gemacht, aber nie für die A-Auswahl gespielt. Dennoch wollten ihn auch Leverkusen, Schalke und Borussia Dortmund verpflichten. Gegen St. Pauli hat er angedeutet, dass er in Mönchengladbach zum nächsten Transfer-Erfolg für Sportchef Eberl werden könnte.

Grund zu übertriebener Euphorie besteht allerdings nicht, zu harmlos war St. Pauli als Gegner in der zweiten Halbzeit. Stindl muss sich wie seine Kollegen in der Liga beweisen, die für die Elf von Trainer Favre am Samstag (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in Dortmund beginnt, und ab dem 15./16. September in der Champions League.

Kinderriegel in der Abwehr

Gegen den FC St. Pauli ließen sich die Möglichkeiten im Mönchengladbacher Kader besichtigen. So bot Favre verletzungsbedingt ein junges Innenverteidiger-Paar auf: den 19 Jahre alten Dänen Andreas Christensen und den im eigenen Nachwuchs ausgebildeten Marvin Schulz, 20 Jahre alt.

"Wir haben sehr viele gute junge Spieler im Kader", sagte Trainer Favre. Auf dem rechten Flügel machte Traoré vor allem in der zweiten Halbzeit ein gutes Spiel, dafür saß Patrick Herrmann bis kurz vor Schluss auf der Bank. Thorgan Hazard machte ebenfalls nicht von Beginn an mit, traf aber nach seiner Einwechselung zum 4:1-Endstand. Der Titel "Mann des Spiels" war da längst vergeben: an den vielseitigen, vielversprechenden Stindl.

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