Einzug ins DFB-Pokalfinale Leipzig, wie es tanzt und lacht

RB Leipzig hat erstmals in seiner kurzen Vereinsgeschichte das DFB-Pokalfinale erreicht. Dabei lief gegen den HSV längst nicht alles rund. Zuvor hatte bereits eine Facebook-Umfrage für Irritationen gesorgt.

Erster Einzug ins DFB-Pokalfinale für RB Leipzig. Die Spieler um Kevin Kampl (r.) führten einen Freudentanz auf.
Stuart Franklin/ Bongarts/ Getty Images

Erster Einzug ins DFB-Pokalfinale für RB Leipzig. Die Spieler um Kevin Kampl (r.) führten einen Freudentanz auf.


Die Szene des Spiels: In Hamburg war soeben die 16. Spielminute angebrochen, als Leipzig innerhalb weniger Sekunden gleich dreimal das mögliche 2:0 vergab. Zunächst bediente Timo Werner Yussuf Poulsen, doch der Däne traf nur den Innenpfosten. Der Abpraller landete vor den Füßen von Werner, der jedoch an HSV-Keeper Julian Pollersbeck scheiterte, ehe auch noch Marcel Sabitzer aus kurzer Distanz nicht ins Tor schoss, sondern an den Pfosten. Sabitzer sank anschließend zu Boden, er reckte die Hände gen Himmel und schaute ungläubig, beinahe verzweifelt. Nichts war es mit der Vorentscheidung, und das Halbfinale kurz darauf ein richtig spannendes.

Das Ergebnis: RB Leipzig hat das DFB-Pokal-Halbfinale beim Hamburger SV 3:1 (1:1) gewonnen. Damit steht der Klub wenige Wochen vor seinem zehnten Geburtstag erstmals im Finale des Pokals. Hier geht es zum Spielbericht.

Mister RB: Als Yussuf Poulsen im Juli 2013 nach Leipzig wechselte, war RB gerade in die dritte Liga aufgestiegen, die Gegner hießen Wacker Burghausen oder SV Elversberg. Fast sechs Jahre ist das her, und Leipzig längst ein Klub, der auch den Bayern und dem BVB Probleme bereiten kann. Poulsen hat diesen Aufstieg im Rekordtempo nicht nur miterlebt, er hat ihn auch mitgestaltet. Gegen den HSV machte er sein 214. Pflichtspiel für Leipzig, öfter hat keiner für RB gespielt. Und es war sein Treffer, der Leipzig in Hamburg einen Traumstart bescherte.

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DFB-Pokal: Leipzig fährt über Hamburg nach Berlin

Die erste Halbzeit: Begann mit einer starken Phase von RB und endete, man hätte es nach zwanzig Minuten nicht für möglich gehalten, mit einer noch besseren des Hamburger SV. Aber der Reihe nach: Poulsen traf direkt mit der ersten guten Torchance per Kopf zur Führung für Leipzig (12. Minute). Vier Minuten später schauten Hamburgs Verteidiger staunend zu, wie Leipzig dreimal innerhalb weniger Sekunden das 2:0 vergab. Erst als Leipzigs Kevin Kampl den Ball im Mittelfeld vertändelte, Hamburgs Bakery Jatta einmal kurz den Kopf hob und Torwart Péter Gulácsi mit einem Schuss aus 30 Metern überwand, wurde die Partie ausgeglichener (24.). Fortan spielte auch der HSV mit, Tore fielen jedoch nicht mehr.

Umfragen-Panne: Das hatten sie sich in der Medienabteilung von RB Leipzig sicher anders vorgestellt, als sie am Tag vor dem Halbfinale eine Umfrage bei Facebook starteten. "Packen wir den Einzug ins Finale?", fragte der Klub dort. Fast 35.000 User stimmten ab - und 69 Prozent von ihnen war der Meinung: "Nein, der HSV kommt weiter." Und weil das irgendwie nicht den besten Eindruck hinterließ, wagte RB am Spieltag einen neuen Versuch, diesmal auf Twitter. Lief dann auch gleich etwas besser.

Die zweite Halbzeit: Zeigte, warum Leipzig im nächsten Jahr wahrscheinlich Champions League spielen wird, während der HSV um den Aufstieg in die Bundesliga zittern muss. Zwei Tore sollten noch fallen, jubeln durfte jeweils RB, dabei war einer der Torschützen ein Hamburger: Ein feiner Pass von Kampl landete bei Poulsen, dessen Hereingabe lenkte HSV-Profi Vasilije Janjicic beim Rettungsversuch ins eigene Tor (53.). Als dann Emil Forsberg mit einem präzisen Abschluss das 3:1 erzielte, war dieses Halbfinale entschieden (72.).

Rangnick und der DFB-Pokal: Für Leipzig ist es das erste Finale, es wird gleichzeitig das vorerst letzte Spiel von Ralf Rangnick als RB-Coach, dann übernimmt der Noch-Hoffenheimer Julian Nagelsmann. Und mit Pokalendspielen kennt sich Rangnick aus: Zweimal hat er es bislang dorthin geschafft, beide Male als Trainer des FC Schalke 04. Endspiel Nummer eins verlor er, 2005 war das und der Gegner die Bayern. Sechs Jahre später lief es besser für Rangnick, als der Gegner aus der zweiten Liga kam und MSV Duisburg hieß. 5:0, es ist bis heute der letzte bedeutende Titel, den die Königsblauen gewannen.

Hamburger SV - RB Leipzig 1:3 (1:1)
0:1 Poulsen (12.)
1:1 Jatta (24.)
1:2 Janjicic (53., Eigentor)
1:3 Forsberg (72.)
Hamburg: Pollersbeck - Lacroix, Janjicic (73. Hunt), van Drongelen, Vagnoman (69. Hwang) - Jung, Mangala (79. Holtby), Santos - Narey, Lasogga, Jatta
Leipzig: Gulácsi - Klostermann, Orban, Konaté, Halstenberg - Sabitzer (90. Haidara), Laimer, Kampl (90. Demme), Forsberg (73. Mukiele) - Poulsen, Werner
Gelbe Karten: Orban
Schiedsrichter: Brych
Zuschauer: 53.000



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gibmichdiekirsche 24.04.2019
1.
Ein guter und ansehnlicher Pokalabend. Ich kann zwar das Konstrukt RB überhaupt nicht ab, aber der Mannschaft muss man schon attestieren, dass sie spielerisch, taktisch und kämpferisch einen reifen Eindruck hinterlassen hat und darum sportlich verdient nach Berlin fährt. Wo es dann hoffentlich dem SVW gelingt, den Pott endlich mal wieder an die Weser zu holen ;-) Schon allein dafür, was die Bremer mit deutlich bescheideneren Mitteln als z. B. RBL aus dieser Saison gemacht haben. Naja, und überhaupt... :-)
thomas0815-1 24.04.2019
2. Warum konkret
Können Sie das "Konstrukt RB" nicht ab? Weil dort offensichtlich kluge und gute Leute am Werk sind , und in 10 (zehn) Jahren etwas geschafft haben, was sich sehen lassen kann? Und was das Geld betrifft: ich bin mir ziemlich sicher, daß diese ganze Erfolgsgeschichte insgesamt viiiiel weniger Geld gekostet hat, als z.B. eben der HSV (Sponsor Kühne) in den letzten 30 Jahren ausgegeben hat. Und um gleich auf das Argument "das Geld kommt von aussen" einzugehen: BVB, FCB, SVW, H96, etc. leben natürlich "nur" von den Beiträgen ihrer Mitglieder. Also bitte: freuen wir uns doch einfach mal darüber, daß es jetzt (offensichtlich) einen weiteren Club in Deutschland gibt, der guten und erflogreichen Fußball spielen kann.
skeptikerjörg 24.04.2019
3.
Zitat von thomas0815-1Können Sie das "Konstrukt RB" nicht ab? Weil dort offensichtlich kluge und gute Leute am Werk sind , und in 10 (zehn) Jahren etwas geschafft haben, was sich sehen lassen kann? Und was das Geld betrifft: ich bin mir ziemlich sicher, daß diese ganze Erfolgsgeschichte insgesamt viiiiel weniger Geld gekostet hat, als z.B. eben der HSV (Sponsor Kühne) in den letzten 30 Jahren ausgegeben hat. Und um gleich auf das Argument "das Geld kommt von aussen" einzugehen: BVB, FCB, SVW, H96, etc. leben natürlich "nur" von den Beiträgen ihrer Mitglieder. Also bitte: freuen wir uns doch einfach mal darüber, daß es jetzt (offensichtlich) einen weiteren Club in Deutschland gibt, der guten und erflogreichen Fußball spielen kann.
Sehe ich auch so. Kein Verein lebt ausschließlich von Mitgliederbeiträgen und Zuschauereinnahmen - nicht mal in der 3.Liga. Und für Tradition gibt es keinen Sonderpreis. Nicht umsonst haben (außer Schalke) alle Bundesligisten ihre Profiabteilungen aus den Vereinen ausgegliedert und zu Geschäftsbetrieben gemacht (AG, GmbH, GmbH & Co KG, GmbH & Co. KGaA). Und viele der sogenannten "Traditionsvereine" haben mehr Geld verbrannt, als Leipzig oder Hoffenheim. Stutzig macht auch, dass so viele auf dem Modell RB Leipzig rumhacken, aber mit VW Wolfsburg oder Monsanto Leverkusen scheinbar kein Problem haben. Alles Heuchelei, und das sage ich als BVB Fan und Mitglied.
lofi 24.04.2019
4.
Das "Konstrukt" könnte den Bayern noch beide Titel verderben. Vorausgesetzt der BvB stellt sich nicht vorher noch selber ein Bein. Und ich würde dann ziemlich grinsen. Sollte es aber Werder heute schon schaffen, Bayern den ersten Titel zu nehmen, wäre das noch besser. Ich glaube das aber nicht.
briancornway 24.04.2019
5. Was kostet die CL ?
Zitat von thomas0815-1Können Sie das "Konstrukt RB" nicht ab? Weil dort offensichtlich kluge und gute Leute am Werk sind , und in 10 (zehn) Jahren etwas geschafft haben, was sich sehen lassen kann? Und was das Geld betrifft: ich bin mir ziemlich sicher, daß diese ganze Erfolgsgeschichte insgesamt viiiiel weniger Geld gekostet hat, als z.B. eben der HSV (Sponsor Kühne) in den letzten 30 Jahren ausgegeben hat. Und um gleich auf das Argument "das Geld kommt von aussen" einzugehen: BVB, FCB, SVW, H96, etc. leben natürlich "nur" von den Beiträgen ihrer Mitglieder. Also bitte: freuen wir uns doch einfach mal darüber, daß es jetzt (offensichtlich) einen weiteren Club in Deutschland gibt, der guten und erflogreichen Fußball spielen kann.
Ich finde die Idee schön, dass Leute sich zum Kicken treffen und dann irgendwann einen Verein dafür gründen. Klar kann man sich auch zum Vermarkten treffen und dann einen Verein dafür übernehmen. Lesen Sie den Abschnitt "Kritik" aus dem üblichen Online-Lexikon und haben Sie ein bisschen Verständnis dafür, dass für manche nicht nur der Erfolg zählt sondern auch der sportliche Antrieb. Dennoch: Gratulation an Mannschaft, Stab und Fans zum Finaleinzug.
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