Erfolg über Freiburg Leipzig kämpft sich in Unterzahl ins Elfmeterschießen – und ist nun DFB-Pokalsieger

Als Favorit ging RB ins Finale gegen Freiburg, und dann: Gegentor, Platzverweis. Doch Leipzig fand zurück und schaffte es ins Elfmeterschießen. Dort zeigte nur der SC Nerven.
Leipziger Pokalsieger Mohamed Simakan

Leipziger Pokalsieger Mohamed Simakan

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LISI NIESNER / REUTERS

RB Leipzig ist DFB-Pokalsieger. Der Klub besiegte im Pokalfinale den SC Freiburg 4:2 im Elfmeterschießen. Nach 90 und 120 Minuten hatte es 1:1 (0:1) gestanden.

Obwohl die Rollen klar verteilt waren, RB der Favorit, Freiburg der Außenseiter, kommt der Erfolg doch überraschend. Denn: Nach einem Leipziger Erfolg hatte es lange nicht ausgesehen, viel im Spiel sprach gegen den Sieger. Erst traf nämlich Maximilian Eggestein früh zur Freiburger Führung (19. Minute). Nach der Pause geriet Leipzig dann in Unterzahl – Verteidiger Marcel Halstenberg sah die Rote Karte (57.). Trotzdem schaffte Christopher Nkunku den Ausgleich (76.). Im Elfmeterschießen vergaben die Freiburger Christian Günter und Ermedin Demirović ihre Versuche.

Es ist der erste Pokalsieg in der jungen Geschichte der Leipziger. Der Klub wurde erst 2009 gegründet und mit enormen Summen zum Spitzenteam geformt. Auch für das klar umsatzschwächere Freiburger Team wäre es der erste Pokalsieg in der deutlich längeren Vereinsgeschichte gewesen.

Leipzig stand zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren im Pokalfinale, nach Niederlagen gegen Bayern München (2019, Endstand 0:3) und Borussia Dortmund (2021, 1:4) durfte der Klub nun erstmals feiern.

In der ersten Hälfte feierten aber vor allem die Freiburger Fans. Zweimal, genauer gesagt.

Zunächst war da das 1:0 durch Eggestein. Der schoss den Ball aus rund 20 Metern ins Tor, jubelte – und bangte dann. Der Treffer wurde vom Videoschiedsrichterteam gecheckt, Freiburgs Rolland Sallai hatte den Ball in der Entstehung des Tors mit der Hand berührt. Doch die Unparteiischen gaben das 1:0, ausschlaggebend ist in Sachen Handspiel seit dieser Saison, ob es dem Schützen unterlaufen ist (19.).

Torschütze Maxi Eggestein (M): Sein Treffer war nicht genug

Torschütze Maxi Eggestein (M): Sein Treffer war nicht genug

Foto: Michael Sohn / AP

Der zweite große Freiburger Moment entstand aus einem schweren Fehler. Mittelfeldspieler Nicolas Höfler köpfte in Richtung seines Torwarts, doch Leipzigs Christopher Nkunku ging dazwischen und brachte den Ball an Keeper Mark Flekken vorbei. Doch: SC-Verteidiger Nico Schlotterbeck klärte soeben vor der Torlinie. Danach bejubelte er die Rettungstat, als hätte er gerade einen Treffer erzielt. Er schrie, klopfte sich auf die Brust, und das konnte man nachvollziehen: Hätte der Abwehrspieler nicht eingegriffen, es wäre der sichere Ausgleich für RB gewesen (24.).

Für den auch sonst starken Schlotterbeck war es übrigens das letzte Spiel für Freiburg. Er wechselt im Sommer zu Borussia Dortmund.

Die Pausenführung ging in Ordnung, Leipzig tat sich nämlich schwer, zu Chancen zu kommen. Emil Forsberg scheiterte aus spitzem Winkel an Torwart Flekken, Nkunkus Nachschuss wurde geblockt (14.), viel mehr Gelegenheiten hatte der Favorit nicht.

Einen Moment lang sah es danach aus, als ändere sich das nach der Pause. Nkunkus Drehschuss war noch eher harmlos (49.), aber RB spielte nun schneller, drängte Freiburg in die Defensive. Ein langer Ball von Vincenzo Grifo aber veränderte die Konstellation auf dem Feld.

Grifos Pass, Halstenbergs Fehler

Leipzigs Verteidiger Halstenberg verlor nach Grifos Pass das Duell gegen Lucas Höler, hielt den Stürmer kurz an der Schulter und brachte diesen so zu Fall. Prompt fasste sich Halstenberg an den Kopf, er wusste, was diese Notbremse zur Folge hatte – die Rote Karte, RB musste nun zu zehnt dem Rückstand hinterherlaufen (57.).

Fast sogar einem Zwei-Tore-Rückstand, doch Freiburgs Grifo setzte den folgenden Freistoß nicht ins Tor, sondern traf das Außennetz (59.), und genauso erging es kurz darauf Sallai (60.).

Rückstand, Unterzahl, es sprach fortan nicht viel für Leipzig. Dennoch schaffte RB den Ausgleich. Nach einem Freistoß köpfte Willi Orban auf den zweiten Pfosten, Nkunku drückte den Ball dort über die Linie (76.), zehn Leipziger waren zurück im Spiel. Und hätten dieses beinahe komplett gedreht, doch erst scheiterte Benjamin Henrichs aus wenigen Metern an Keeper Flekken (81.), dann schoss Dani Olmo knapp am Tor vorbei (85.).

Zweimal Pfosten, einmal Latte – Freiburg im Pech

In der Verlängerung war dann wieder der SC dran – und traf gleich dreimal Aluminium. Demirović köpfte an den Pfosten (92.), auch Janik Haberer traf den Pfosten (103.), und Demirović setzte den Nachschuss über das Tor. Später scheiterte Haberer mit einem weiteren Versuch an der Latte (115.).

Leipzig schien in der Verlängerung k.o. – und hoffte plötzlich doch auf einen Sieg vor dem Elfmeterschießen. Freiburgs Höfler hatte sich im Strafraum zu einem riskanten Tackling hinreißen lassen, nach Studium der Videobilder gab es aber keinen Strafstoß. Wohl zu Recht, Höfler schien den Ball touchiert zu haben (118.).

So ging es ins Elfmeterschießen. Dort wurden Günter und Demirović zu Freiburgs tragischen Helden. Und weil bei Leipzig sämtliche Schützen trafen, krönte sich RB zum Pokalsieger.

mon