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DFB-Pokal Robben schießt Bayern ins Finale

Entscheidung in der Verlängerung: 112 Minuten mühten sich beide Teams vergeblich, dann schoss Arjen Robben den FC Bayern nach einem spektakulären Sololauf in Führung - und ins Finale des DFB-Pokals. Schalke scheiterte letztlich an mangelndem Mut.
Von Jan Reschke

Hamburg - Schalkes Trainer Felix Magath schimpfte fortwährend, verdrehte die Augen, blickte gen Himmel, schrie seine Spieler an. Ihm gefiel gar nicht, was seine Mannschaft auf dem Rasen veranstaltete. Nicht einmal Co-Trainer Bernd Hollerbach vermochte es, seinen Vorgesetzten zu beruhigen. Der ahnte wohl, was seinem Team drohte. Denn in der 112. Minute nahm sich Arjen Robben den Ball, düpierte gleich mehrere Gegenspieler und erzielte das entscheidende Tor für den FC Bayern, der damit ins Finale des DFB-Pokals einzog. Dort treffen die Münchner am 15. Mai auf Bremen, das am Dienstag mit einem 2:0 gegen den Zweitligisten FC Augsburg gewonnen hatte.

"Das war ein Spiel, das nur durch so eine Einzelleistung entschieden werden konnte", sagte ein enttäuschter Schalke-Keeper Manuel Neuer nach dem Abpfiff. "Arjen Robben hatte zu diesem Zeitpunkt schon viele Dribblings gemacht, und dann macht er noch so eins nach 112 Minuten - das ist unglaublich", so Bayern-Coach Louis van Gaal. "Am Ende hatte ich noch Kraft, um einmal zu gehen, und ich war gut drauf", sagte Robben.

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DFB-Pokal: Robben erlöst die Bayern

Foto: Martin Meissner/ AP

Bei den Münchnern veränderte van Gaal seine Startaufstellung gegenüber der 1:2-Niederlage in Frankfurt: Auf der linken Abwehrseite lief Diego Contento anstelle von David Alaba auf, der gegen Frankfurt zweimal gepatzt hatte. Franck Ribéry saß zunächst nur auf der Bank. Bei Schalke begannen Alexander Baumjohann und Carlos Zambrano für Jöel Matip und Rafinha.

Im mit rund 61.000 Zuschauern ausverkauften Schalker Stadion warteten die Gastgeber zunächst geschickt ab: In der sechsten Minute spielte Bayerns Abwehrspieler Daniel van Buyten unbedrängt einen Fehlpass, sofort wurde Kevin Kuranyi steil geschickt, setzte sich gegen Holger Badstuber durch und legte auf Baumjohann ab - doch dessen Schuss landete in den Armen von FCB-Torwart Hans-Jörg Butt.

Nur bei schnellen Tempowechseln wurde es gefährlich

Nur fünf Minuten später hätten die Gäste in Führung gehen müssen. Robben wurde wunderbar von Miroslav Klose freigespielt. Der Niederländer lief allein auf Schalkes Torwart Manuel Neuer zu, doch der stürmte ihm entgegen und parierte den Ball.

Die Münchner hatten in der Anfangsviertelstunde deutlich mehr Ballbesitz, allerdings bewegte sich der Schalker Defensivverbund sehr gut und die Bayern-Spieler zu wenig, so dass es im zentralen Mittelfeld an Anspielstationen fehlte. Nur bei schnellen Tempowechseln oder wenn Angreifer Ivica Olic einen Vorstoß wagte wie in der 20. Minute, als er Stürmerkollege Klose auflegte, der aber per Kopf scheiterte, wurde es gefährlich. "Felix Magath hat Schalke eine sehr gute Ordnung gegeben, das konnte man sehen, aber wir waren das bessere Team", sagte van Gaal.

Schalkes größte Stärke in dieser Saison, die Standardsituationen, blieben in der Folge meist die einzigen Möglichkeiten, den Ball in den Strafraum der Münchner zu bringen. Ansonsten überließen sie es den Bayern, das Spiel zu machen. Und die taten sich weiter schwer gegen die äußerst defensiv eingestellten Schalker. Bis zur Pause gab es auf beiden Seiten keine nennenswerten Gelegenheiten mehr.

"Zumutung für alle Fußball-Fans"

In der Halbzeit beschwerte sich der anwesende Bundestrainer Joachim Löw: "Der Platz ist so schlecht, da ist es schwierig, die Bälle zu kontrollieren. Das ist eine Zumutung für alle Fußball-Fans, das ärgert mich", so Löw. In der zweiten Hälfte lief bei Schalke Christoph Moritz für den verletzten Abwehrchef Marcello Bordon auf, der in der ersten Halbzeit mit Heiko Westermann zusammengeprallt war. Westermann rückte in die Innenverteidigung, Schmitz auf die linke Abwehrseite.

Felix Magath schien in der Kabine die richtigen Worte gefunden zu haben, denn seine Mannschaft setzte nun auch in der Offensive Akzente. Zunächst scheiterte Ivan Rakitic mit einem strammen Schuss (48.), nur zwei Minuten später setzte sich Kuranyi großartig gegen mehrere Bayern-Verteidiger durch, scheiterte aber am gut reagierenden Butt, auch Moritz (52.) machte es nicht besser.

Schalke bestimmte auf einmal das Geschehen, die Bayern beschränkten sich aufs Verteidigen, warteten ab. In der 62. Minute reagierte van Gaal, brachte den Franzosen Ribéry - ohne dass die Spielkultur auf Münchner Seite zunächst spürbar belebt wurde. Vielmehr drängte Schalke: Kuranyi scheiterte in der 71. Minute an Butt.

Dass ein Treffer fiel, war Ausnahmekönner Arjen Robben zu verdanken

Zwei Minuten später zeigte Ribéry dann seine Klasse, ließ gleich zwei Schalker stehen und legte auf den freistehenden Thomas Müller ab, doch der vergab. Es sollte Ribérys einzige auffällige Szene bleiben. Die Schlussphase der Partie verlief unansehnlich. Die Teams neutralisierten sich weitestgehend. Einziger Aufreger war ein Schuss von Bastian Schweinsteiger in der 88. Minute, den Neuer aber ins Seitenaus lenken konnte.

Tore fielen keine mehr in der regulären Spielzeit, es ging in die Verlängerung. Und auch dort belauerten sich die Mannschaften. Volles Risiko ging keine Seite, nur selten gelangen Raumgewinne. Erst als bei beiden Teams die Kräfte nachließen, ergaben sich Möglichkeiten. Wie für Klose in der 110. Minute, der den Ball aber neben das Tor setzte.

Dass überhaupt noch ein Treffer fiel, war Ausnahmekönner Robben zu verdanken. Der überlief erst seinen Gegenspieler auf der Außenbahn, zog dann nach innen, ließ einen weiteren Schalker stehen - und weil Klose sich eher vor dem Ball versteckte, als sich in Position zu bringen, zirkelte Robben eben selbst den Ball am chancenlosen Neuer vorbei zum 1:0 ins Netz.

Zum Einzug ins Endspiel nach Berlin.