Freiburger Pokalsieg beim HSV Streich vor der Krönung, Schlotterbecks Revanche nach 35 Jahren

Es bleibt beim letzten HSV-Pokaltriumph im Jahr 1987. Das ist eine Genugtuung für Familie Schlotterbeck – auch Freiburgs Trainer Christian Streich spielte damals eine Nebenrolle. Er steht vor der besten Saison seiner Amtszeit.
Nico Schlotterbeck (2.v.l.) jubelt mit seinen Teamkollegen

Nico Schlotterbeck (2.v.l.) jubelt mit seinen Teamkollegen

Foto: Martin Meissner / AP

Strafstoß der Saison: Freiburgs Nico Schlotterbeck kam an der Grenze des gegnerischen Strafraums ins Rutschen und setzte sich auf den Hosenboden. Und während er da so saß, versuchte Moritz Heyer, den für Schlotterbeck unerreichbaren Ball zu klären und traf seinen Gegenspieler dabei im Nacken. Schiedsrichter Deniz Aytekin blieb nach Studium der Bilder nur eine Entscheidung: klarer Strafstoß. Kurios und bitter für den HSV, denn Vincenzo Grifo verwandelte sicher zum 3:0, der Vorentscheidung.

Ergebnis: Der Hamburger SV hat im Halbfinale des DFB-Pokals 1:3 (0:3) gegen den SC Freiburg verloren. Hier geht es zum Spielbericht.

Erste Hälfte: Die Gastgeber begannen mutig, wurden aber zweimal dafür bestraft, nicht rechtzeitig geklärt zu haben: Erst traf Nils Petersen per Kopf (11. Minute), dann Nicolas Höfler mit einem abgefälschten Schuss aus 18 Metern (17.). Die große Chance auf den Anschlusstreffer vergab Anssi Suhonen, der nach einem tollen Doppelpass von Sonny Kittel und Ludovit Reis aus zehn Metern an Mark Flekken scheiterte (26.). Grifo erhöhte per Elfmeter (35.) gegen weiterhin offensiv agierende Hamburger. Drei Auswärtstore in einem Pokalhalbfinale? Das gab's erst einmal: 1984 führten die Bayern beim legendären 6:6 nach Verlängerung bei Schalke 04 zur Halbzeit 3:2.

Erstmals seit mehr als zwei Jahren waren wieder 57.000 Zuschauende im Volksparkstadion

Erstmals seit mehr als zwei Jahren waren wieder 57.000 Zuschauende im Volksparkstadion

Foto: IMAGO/Michael Taeger / IMAGO/Jan Huebner

Volles Haus: Erstmals seit dem 22. Februar 2020 war das Volksparkstadion mit 57.000 Zuschauern wieder ausverkauft. Damals setzte es im Stadtderby ein 0:2 (0:2) gegen den FC St. Pauli. Gerade einmal drei Spieler der HSV-Startelf haben überhaupt schon einmal ein volles Heimstadion erlebt: Bakery Jatta, Kittel und Daniel Heuer Fernandes. Auf einen Sieg vor knapp 60.000 müssen sie weiterhin warten.

Anssi Suhonen vergab die größte Chance für den HSV in der ersten Hälfte

Anssi Suhonen vergab die größte Chance für den HSV in der ersten Hälfte

Foto: Marcus Brandt / dpa

Zweite Hälfte: Trotz der klaren Führung blieb die Begegnung unterhaltsam. Jatta zwang Flekken mit einem Kopfball aus spitzem Winkel zu einer Parade (50.), auf der Gegenseite schloss Roland Sallai einen Angriff mit einem scharfen Schuss ans Außennetz ab (54.). Die Atmosphäre passte, die Abschlüsse nicht. Der Zweitligasechste, mit fünf Punkten Rückstand nach 30 Spieltagen nur noch mit geringen Aufstiegschancen, bemühte sich um den Ehrentreffer und wurde in der 88. Minute belohnt: Robert Glatzel, der früh im Spiel die erste gute Gelegenheit vergeben hatte, traf doch noch per Kopf (88.). Am Sieg der Freiburger änderte dies nichts mehr. So bleibt es dabei: Der MSV Duisburg bleibt bislang letzter Zweitligist im Pokalfinale (2011), den einzigen Pokalsieg eines unterklassigen Klubs gab es 1992 durch Hannover 96.

Schlotterbecks und der HSV: Beim letzten Pokalsieg des HSV 1987 erzielte ein Spieler der unterlegenen Stuttgarter Kickers in der 90. Minute ein Eigentor. Sein Name: Niels Schlotterbeck, Onkel der jetzigen Freiburger Nico und Keven. Die kleine Familienrevanche folgte nun 35 Jahre später. Nebendarsteller damals übrigens bei den Stuttgarter Kickers: ein 22-jähriger Defensivspieler namens Christian Streich, im Pokalfinale ohne Einsatz, nachdem er beim 3:0-Halbfinalsieg gegen Fortuna Düsseldorf noch zehn Minuten mitspielen durfte.

Christian Streich hat erstmals das Finale im Berliner Olympiastadion erreicht

Christian Streich hat erstmals das Finale im Berliner Olympiastadion erreicht

Foto: IMAGO/Michael Taeger / IMAGO/Jan Huebner

Streich vor der Krönung: Es könnte die erfolgreichste Saison des »ewigen« Streich beim SC Freiburg werden. In der Liga liegt der Klub mit nur einem Punkt Rückstand auf die Champions-League-Ränge auf Platz fünf, im Pokal hat der SC nun erstmals das Finale erreicht. Pokalsieger war Streich allerdings schon dreimal – mit den Freiburger Junioren. Beim letzten Sieg 2011 mit dabei: der aktuelle SC-Kapitän Christian Günter. HSV-Trainer Tim Walter ist der 15. Coach der Hamburger, seitdem Streich im Januar 2012 in Freiburg übernommen hat.

Der Siebte fiebert mit: In Köln, Hoffenheim und Berlin wird man den Sieg der Freiburger mit Wohlwollen aufgenommen haben. Sollte ein Team von Bundesligarang eins bis sechs den Pokal gewinnen, dann würde auch der Siebte einen Startplatz in der Conference League erhalten. Die Chancen darauf stehen bei den drei verbliebenen Kandidaten Leipzig (3.), Freiburg (5.) und Union Berlin (6.) ausgezeichnet.

Neuer Titelträger: Im zweiten Pokalfinale stehen sich RB Leipzig und Union Berlin (Mittwoch, 20.45 Uhr, TV: ARD) gegenüber. Da mit dem HSV der einzige der vier Halbfinalisten ausgeschieden ist, der den Pokal bereits gewinnen konnte, wird sich am 21. Mai ein Klub erstmals in die Siegerliste eintragen.

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