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06. Februar 2018, 15:10 Uhr

Bayern-Gegner Paderborn

Nach vorne spielen

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Der SC Paderborn stürzte von der ersten bis ans Ende der dritten Liga. Nur weil 1860 München die Lizenz verlor, blieb der SC drin - und ist inzwischen Tabellenführer. Im Pokal soll nun die Sensation gegen Bayern München klappen.

In den Neunzigerjahren war die Gameshow "Familien-Duell" recht populär. Kandidaten mussten dort erraten, wie die häufigsten Antworten auf eine Frage lauteten. Das ging dann etwa so: "Wir haben 100 Leute gefragt, welches Gesicht sie mit dem FC Bayern verbinden." Die Top-Antwort wäre in diesem Fall vermutlich "Uli Hoeneß" gewesen.

Ersetzte man den FC Bayern in der Frage durch den SC Paderborn 07, so wäre sie "Wilfried Finke". Der erfolgreiche Möbelunternehmer ist seit Jahrzehnten auch ein Gönner des Klubs. Er betont zwar häufig, dass er genug Geld für den Verein ausgegeben habe, und sucht daher nach anderen Sponsoren. Aber glauben mag ihm niemand, dass er seinen SCP nicht doch wieder unterstützen würde.

Wilfried Finke war zwischendurch auch mal weg, genau wie Hoeneß.

Finke allerdings trat freiwillig als Präsident der Paderborner ab. Sieben Monate hielt er das sogar aus. Dann kam er im Dezember 2016 zurück und erklärte, dass der Klub "in zweieinhalb Jahren" wieder in der 2. Bundesliga spielen wolle. Das sagte viel über Finke aus.

Der SC Paderborn war zu jenem Zeitpunkt Tabellen-18. in der 3. Liga, in finanzieller Not und auf bestem Weg, als erster Klub ohne Zwischenstopp von der Bundesliga in die Viertklassigkeit durchzurauschen. Sportlich schaffte er das auch, doch dem TSV 1860 München wurde die Lizenz entzogen, nur deshalb blieb der SCP dem Profifußball erhalten.

Im Februar 2018 sieht es so aus, als könnte es schneller vorangehen, als von Finke geplant. Der SC Paderborn hat in der 3. Liga acht Punkte Vorsprung auf den Tabellendritten, der auch noch in die Aufstiegsrelegation darf.

Zum zweiten Mal in seiner Geschichte trifft der SCP als Tabellenführer in einem Pflichtspiel auf den FC Bayern, der das zwei Klassen höher ebenfalls ist. Mit noch mehr Vorsprung. "Wir wollen nach vorne spielen, auch wenn es ein übermächtiger Gegner zu sein scheint", sagte Paderborns Trainer Steffen Baumgart vor dem Viertelfinale des DFB-Pokals (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Sky): "Der Verein ist zweieinhalb Jahre durch schwierige Zeiten gegangen, jetzt geht es wieder ein bisschen aufwärts. Deshalb wollen wir das Spiel genießen. Aber wir wollen auch ins Halbfinale."

Baumgart ist, gemessen am Schnitt von Punkten pro Spiel, der mit Abstand erfolgreichste Trainer des SC Paderborn in den vergangenen 30 Jahren. Kürzlich unterschrieb er einen neuen Vertrag, der bis 2020 gültig ist. Zusammen mit Markus Krösche, seit dem Frühjahr 2017 Sportchef, gilt Baumgart, der für Energie Cottbus, Hansa Rostock und den VfL Wolfsburg in der Bundesliga spielte, als wesentlicher Faktor des Umkehrschwungs.

Vom Absturz der Löwen profitiert

Krösche ist Rekordspieler des SCP, wurde von den Fans sogar in die Jahrhundertelf gewählt. Er beendete seine Karriere mit dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte, dem Aufstieg in die Bundesliga 2014 unter André Breitenreiter. Als Trainer der zweiten Mannschaft erlebte Krösche den Hype um den Neuling, der am fünften Spieltag als Tabellenführer zum FC Bayern reiste und 0:4 verlor. Nach dem Rückspiel dankte Breitenreiter den Bayern für das "tolle Erlebnis". Er hatte 0:6 verloren und wurde für seine Demut belächelt.

Bis zum letzten Spieltag wahrten die Paderborner ihre Chance auf den Klassenerhalt, stiegen aber letztlich als 18. ab, genau wie ein Jahr später aus der 2. Liga. In der Zweitligasaison war Stefan Effenberg als Trainer verpflichtet worden, obwohl 99 von 100 Leuten gesagt hätten, dass Paderborn und Effenberg eine No-Go-Kombination sein würde.

In der 3. Liga schaffte es Baumgart, der im April 2017 verpflichtet wurde, immerhin, die Mannschaft vom 19. auf den 18. Tabellenplatz zu hieven. Das reichte so gerade, um vom Lizenzentzug der "Löwen" zu profitieren, aber es blieb das Bild des sportlichen Absturzes. Außerdem fehlte Geld - und der Stadtrat lehnte mit 59:5 Stimmen ab, dass dem Verein Schulden gestundet wurden.

"Aktuell ist alles sauber durchfinanziert"

Auf mehr als sechs Millionen Euro werden sich die Verbindlichkeiten nach Abschluss des Geschäftsjahres vermutlich belaufen. "Die Finanzsorgen sind noch erheblich, aber nicht mehr so schlimm wie im Vorjahr. Wir haben in der 2. Liga handwerkliche und personelle Fehler gemacht. Der Abstieg war unnötig wie ein Kropf", sagte Finke nach der Jahreshauptversammlung im Januar 2018 über die Geldnöte, die durch die Pokalerfolge ein wenig gemildert wurden. Eine Satzungsänderung ebnete den Weg zur Ausgliederung der Profiabteilung. Sollte der Aufstieg gelingen, könnte es zu einem Verkauf von Anteilen kommen.

"Aktuell ist alles sauber durchfinanziert", sagte Krösche, der ansonsten nur über sportliche Aspekte sprechen wollte, dem SPIEGEL. Den sportlichen Aufschwung verdanke der Klub einer "klaren Philosophie": junge Spieler günstig zu verpflichten, die aktiven Fußball spielen wollen und können. Das gilt es, gegen den FC Bayern zu beweisen. Ein tolles Erlebnis.

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