DFB-Pokal Schalke bezwingt die Bayern

Ottmar Hitzfeld hatte im Vorwege des zweiten Pokalhalbfinales "eine Schlacht" prophezeit. Der Bayern-Trainer sollte recht behalten. Nach einem verbissenen Kampf setzte sich Titelverteidiger Schalke 04 in der Verlängerung gegen den Meister durch.

Gelsenkirchen - Der FC Schalke gewann am Mittwochabend mit 2:0 (0:0, 0:0) nach Verlängerung gegen den FC Bayern München und trifft am 11. Mai im Pokalfinale auf Bayer Leverkusen. Der Bundesliga-Spitzenreiter hatte am Dienstag den 1. FC Köln mit 3:1 (1:1, 0:0), ebenfalls nach Verlängerung, aus dem Rennen geworfen.

Vor 60.683 Zuschauern in der seit Wochen ausverkauften Arena "AufSchalke" erzielten Marco van Hoogdalem (100.) mit einem platzierten Schuss von der Strafraumgrenze und Jörg Böhme (115.) aus spitzem Winkel die Tore für den Pokalverteidiger, der zum zehnten Mal das Endspiel erreichte.

Der scheidende Trainer Huub Stevens, der nach der Saison Hertha BSC übernehmen wird, kann sich mit dem vierten Pokalsieg für Schalke (1935, 1972 und 2001) aus Gelsenkirchen verabschieden. Zuletzt hatte Fortuna Düsseldorf zwei Mal in Folge den Pott geholt (1979/1980).

Bayern-Revanche nicht geglückt

Die Münchner, denen die Revanche für die 1:5-Niederlage in der Bundesliga vom 26. Januar misslang, mussten die 2x15-minütige Verlängerung in Unterzahl bestreiten. Bayern-Abwehrspieler Samuel Kuffour (90.) hatte wegen groben Foulspiels die Rote Karte gesehen.

Zuerst hatte Kuffour den 2:0-Torschützen Böhme an der Mittellinie gefoult. Anschließend verpasste der 25-jährige Ghanaer seinem Kontrahenten noch eine Kopfnuss. Neben der Roten Karte zeigte der unsichere Schiedsrichter Herbert Fandel aus Kyllburg in der hektischen und verbissen geführten Partie nach acht Mal Gelb. Dabei hatten Stefan Effenberg (Tätlichkeit) und Jens Jeremies (Nachtreten) Glück, dass sie nur verwarnt worden.

Hitzfeld sauer auf undiszipliniertes Team

"Durch den unnötigen Platzverweis haben wir uns selbst geschlagen", kritisierte Hitzfeld, dessen Mannschaft in der Liga zuletzt von Erfolg zu Erfolg geeilt war, "es war sicherlich viel Brisanz drin. Hier in der Arena ist die Atmosphäre nicht sehr freundlich." Negativ bemerkbar machte sich das Fehlen von Münchens zuletzt überragendem Kreativspieler Mehmet Scholl: Der Ideengeber im Mittelfeld musste verletztungsbedingt passen. Willy Sagnol und Michael Tarnat waren ebenfalls nicht dabei.

Schalke-Coach Huub Stevens, der auf Stürmer Emile Mpenza und Abwehrspieler Tomasz Hajto verzichten musste, aber Tomasz Waldoch trotz eines Bänderanrisses im Sprunggelenk einsetzen konnte, wollte dem vorzeitigen Kuffour-Aus keine spielentscheidende Bedeutung zumessen: "Bei der Roten Karte war der Schiedsrichter näher dran und hat halt so entschieden. Die erste Halbzeit war von der Taktik geprägt, in der zweiten Halbzeit waren wir offensiv die bessere Mannschaft."

Viele Fouls, kaum Spielfluss

Das zweite Pokalhalbfinale wurde in der ersten Halbzeit von zahlreichen Unterbrechungen bestimmt. Fouls und Nickligkeiten verhinderten den Spielfluss. In der zehnten Minute kamen die Bayern zu ihrer einzigen Chance vor der Pause: Nach einem von Effenberg hereingegebenen Eckball klärte Böhme bei Roque Santa Cruz' Kopfball auf der Linie. Der deutsche Nationalspieler hatte 18 Minuten später selbst den Führungstreffer mit einem Freistoß aus 20 Metern aus dem Fuß. Auch Gerald Asamoahs Kopfball (30.) sorgte für Gefahr.

Kampf und Krampf dominierten auch in der zweiten Hälfte. Das Spiel blieb weiterhin zerfahren, allerdings war Schalke unter der Regie von Andreas Möller nun die aktivere Mannschaft. Acht Minuten vor Ende der regulären Spielzeit hatten die Gelsenkirchener jedoch großes Glück, als Giovane Elbers Kopfball an der Latte landete. In der Verlängerung trafen dann van Hoogdalem und Böhme.


Schalke 04 - Bayern München 2:0 n.V. (0:0, 0:0)
1:0 van Hoogdalem (100.)
2:0 Böhme (115.)
Schalke: Reck - Oude Kamphuis, van Hoogdalem, Waldoch, van Kerckhoven - Asamoah (101. Djordjevic), Nemec (77. Agali), Möller, Böhme (118. Büskens) - Sand, Wilmots
Bayern München: Kahn - Kuffour, Robert Kovac, Linke, Lizarazu - Hargreaves, Effenberg, Jeremies (69. Fink), Sergio (69. Pizarro) - Santa Cruz, Elber (91. Zickler)
Schiedsrichter: Herbert Fandel (Kyllburg)
Zuschauer: 60.683 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Nemec, van Hoogdalem, Böhme, Sand, Djordjevic / Jeremies, Elber, Effenberg
Rote Karte: Kuffour (München, 90.) wegen groben Foulspiels

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