Kölns Sieg in Berlin Entlastung?

Der 1. FC Köln steht im Achtelfinale des DFB-Pokals. Im ersten Spiel nach dem Rücktritt von Manager Jörg Schmadtke zeigte das Team, dass es doch noch gewinnen kann. Ist das Segen oder Fluch?
Simon Zoller (vorne) und seine Teamkollegen vom 1. FC Köln

Simon Zoller (vorne) und seine Teamkollegen vom 1. FC Köln

Foto: Annegret Hilse/ dpa

Schocktherapie: In Köln gab es in dieser Woche kein anderes Thema als den "Schmadtke-Schock". Seit Montag steht der FC überraschend ohne Manager da. Während die Medien in der Domstadt fröhlich über die Hintergründe spekulierten, konnte sich die in der Bundesliga noch sieglose Mannschaft in Ruhe auf das Pokalspiel vorbereiten. Trainer Peter Stöger gab zu Protokoll, dass er seit Sonntag nicht mit Schmadtke gesprochen habe. Rainer Calmund hat das nach eigener Aussage sehr wohl getan und dabei in Erfahrung gebracht, dass sich der Manager selber als "Belastung" für den FC gesehen habe. Schocktherapiert, von den Medien unbehelligt und von Schmadtke entlastet zeigten die Kölner, dass sie doch noch gewinnen können.

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DFB-Pokal: Den Außenseitern geht die Puste aus

Foto: FABRIZIO BENSCH/ REUTERS

Das Ergebnis: Der FC gewinnt bei Hertha 3:1 (2:0). Die Meldung dazu finden Sie hier.

Keine Siege, keine Fans: Zwei Bundesligisten treffen in einem K.o.-Spiel unter Flutlicht aufeinander - das hätte eigentlich eine stimmungsvolle Angelegenheit werden können. Aber nicht im für den Anlass viel zu großen Berliner Olympiastadion. Das ist im Pokal zwar Sehnsuchtsort vieler Fans, aber für das Finale Ende Mai, nicht für einen tristen Zweitrunden-Kick Ende Oktober. Die jüngsten Misserfolge beider Teams lieferten auch keine Argumente für den Stadionbesuch: Die Berliner hatten vor der Partie nur eins ihrer vergangenen elf Pflichtspiele gewonnen, Köln keine der vergangenen zwölf Partien.

Die erste Hälfte: Sah lange so aus, wie man das angesichts der Form beider Teams befürchten musste. Hertha war zunächst etwas besser, was bedeutete, dass die Berliner die schöneren Fehlpässe spielten. Den ersten Treffer erzielten trotzdem die Gäste - durch Zufall. Einen missglückten Torschuss von Leonardo Bittencourt legte Sehrou Guirassy mit artistischer Kopfballvorlage quer auf Simon Zoller, der aus einem Meter nur noch einschieben musste (35. Minute). Dominic Maroh erhöhte aus ähnlicher Position nach einer Ecke auf 2:0 (43.).

Die zweite Hälfte: Brachte das dritte Tor für die Kölner nach einem stark ausgespielten Konter (64.) und den Ehrentreffer für Hertha nach einer Ecke (69.). Beide Tore wurden als Rebounds erzielt, nachdem zunächst Zoller für den FC und dann Rekik für die Berliner jeweils Aluminium getroffen hatten. Viel mehr gab's nicht zu sehen.

Ach, könnte doch immer Pokal sein: Zwei Spiele, zwei Siege, 8:1 Tore. Klingt nach dem FC Bayern zu besten Zeiten, ist aber tatsächlich die Ausbeute des 1. FC Köln in dieser Saison - im DFB-Pokal. Gut, in der ersten Runde ging es gegen den Fünftligisten Leher TS, aber auch der will ja erst besiegt werden. In der Bundesliga liest sich die Kölner Bilanz deutlich ernüchternder: Nach neun Spielen stehen nur zwei Unentschieden und sieben Niederlagen zu Buche. Torverhältnis 3:17. Vielleicht könnten die FC-Verantwortlichen eine Petition einreichen, dass sie nur noch im Pokal antreten müssen.

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Segen oder Fluch? Die Kölner brauchten dringend ein Erfolgserlebnis, das haben sie bekommen. Auf lange Sicht stellt sich aber die Frage, ob dieser Sieg gegen die Hertha nur wert- oder mit Blick auf den Klassenerhalt in der Bundesliga vielleicht auch verhängnisvoll ist. Noch spielt Köln ja auch in der Europa League, und es heißt ja nicht umsonst Dreifachbelastung.

Hertha BSC - 1. FC Köln 1:3 (0:2)
0:1 Zoller (35.)
0:2 Maroh (43.)
0:3 Clemens (64.)
1:3 Stark (69.)
Hertha: Jarstein - Plattenhardt, Rekik, Stark, Pekarik (59. Duda) - Lazaro, Skjelbred, Lustenberger (46. Maier), Weiser - Kalou (59. Ibisevic), Selke
Köln: T. Horn - J. Horn, Heintz, Maroh, Sörensen - Handwerker (77. Osako), Özcan, Jojic, Bittencourt (57. Clemens) - Guirassy, Zoller
Schiedsrichter: Fritz
Gelbe Karten: Duda / Özcan
Zuschauer: 33.500