DFB-Pokal verrückt Mainz blamiert, Dortmund düpiert, Hamburg havariert

Peinlich, peinlich, peinlich: Dieser DFB-Pokalabend war ein Alptraum für drei Bundesliga-Größen. Tabellenführer Mainz versagte in Aachen, der HSV kassierte in Frankfurt fünf Gegentore - und dann düpierten die Kickers Offenbach auch noch Dortmund im Elfmeterschießen.

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BLAMAGE 1: BUNDESLIGA-SPITZENREITER MAINZ VERLIERT IN AACHEN

Es gibt diese Szene, die zum Markenzeichen des FSV Mainz 05 geworden ist. André Schürrle, Lewis Holtby und Adam Szalai finden sich an der Eckfahne zum musikalischen Torjubel zusammen. Einer nimmt die Fahne als Mikrofon, der Zweite spielt Luftgitarre und der Dritte drischt auf ein virtuelles Schlagzeug ein. Für diese Art zu feiern bekamen die Drei den Spitznamen Bruchweg-Boys verpasst, benannt nach dem Stadion der 05er.

Am Mittwochabend nach der zweiten Runde im DFB-Pokal gegen Alemannia Aachen kam wieder ein Trio an der Eckfahne zusammen. Die Spieler hießen aber Marco Höger, Zoltan Stieber und Manuel Junglas. Aachener. Sie feierten den überraschenden Triumph ihrer Alemannia über den Erstplatzierten der Bundesliga.

Die Bruchweg-Boys haben ihre erste Coverband.

Man mag den Aachener Jubel als Zeichen von Hohn und Spott empfinden. Er zeigt aber auch, welch großartige Leistung die Mainzer im bisherigen Saisonverlauf vollbracht haben - schlechte Musik wird schließlich nicht gecovert.

Das 1:2 in Aachen war für die 05er erst die zweite Niederlage im elften Pflichtspiel. Allerdings eine verdiente. Die Alemannia imitierte nämlich nicht nur den Mainzer Torjubel, sondern von der ersten Minute an die Spielweise der Gäste.

Aachens Trainer Peter Hyballa hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt. Der Tabellenzehnte der Zweiten Liga agierte ohne Furcht und störte den großen Favoriten bereits weit in dessen Hälfte beim Spielaufbau. "Wir standen einfach gut und haben viel Drecksarbeit gemacht", sagte Hyballa.

Mainz war drei Tage nach dem 1:0 bei Bayer Leverkusen dagegen alles andere als spitze. Viele Fehlpässe, wenig Bewegung und fast keine herausgespielten Chancen - zumindest in der ersten Halbzeit. Der Meinung von FSV-Manager Christian Heidel zufolge hatte sein Team zu "locker und lässig" gespielt. Dem widersprach Schürrle: "Wir hatten nicht die falsche Einstellung, sind aber überhaupt nicht ins Spiel gekommen." Ein Schuss von Andreas Ivanschitz (22. Minute) war eine der wenigen gefährlichen Aktionen.

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Zweite Runde: HSV blamiert sich, Aachen triumphiert
Die Alemannia belohnte sich kurz darauf für ihr dominantes Auftreten: In der 26. Minute brauchte Kapitän Benjamin Auer den Ball aus kurzer Distanz nach Querpass von Stieber nur noch über die Torlinie schieben. Aachens Angreifer Auer ist eine der Geschichten dieses Spiels - vier Jahre spielte er einst in Mainz. Eine andere Story hätte Holtby werden können. Der Mainzer Mittelfeldspieler ist in der Alemannia-Jugend groß geworden. 05-Coach Thomas Tuchel, der in der Schlussphase der Partie wegen Meckerns auf die Tribüne musste, wechselte den wirkungslosen Holtby jedoch bereits zur Pause aus.

Dann wäre da noch die Geschichte von Hyballa und Tuchel: Aachens Trainer hatte Mainz als Wunsch-Los bezeichnet: Er hatte noch eine Rechnung zu begleichen. Als A-Jugend-Coach hatte Hyballa im Sommer 2009 mit Borussia Dortmund das Finale um die Deutsche Meisterschaft gegen Tuchels Mainzer verloren - nach eigener Aussage seine bislang bitterste Niederlage.

Von einer Revanche wollte der Alemannia-Coach nach dem Abpfiff aber nichts wissen: "Das war nicht Hyballa gegen Tuchel, das war Aachen gegen Mainz, die derzeit beste Mannschaft der Bundesliga. Meine Jungens haben sich den Sieg verdient. Das ist geil." Aachen festigte mit dem Erfolg seinen Ruf als Pokalschreck. Der dreimalige Pokalfinalist zog zum elften Mal seit 1980 ins Achtelfinale ein. 2004 und 2006 war schon Rekord-Pokalsieger Bayern München am Tivoli gescheitert.

Möglicherweise hätten die Mainzer das Spiel drehen können, wenn ein Tor von Sami Allagui (33.) wegen vermeintlicher Abseitsposition nicht aberkannt worden wäre - eine stark umstrittene Entscheidung.

Nach dem Wechsel war Mainz bemüht, den Druck zu erhöhen, zugleich aber anfällig in der Defensive. Zunächst parierte 05-Schlussmann Wetklo einen Volleyschuss von Stieber (50.), dann setzte der Ungar nach einem Stellungsfehler von Nikolce Noveski den Ball auf die Latte (59.). Höger gelang mit einem traumhaften 22-Meter-Schuss das 2:0, Stieber verfehlte Sekunden später nur um Zentimeter die endgültige Entscheidung (61.). Szalai brachte Mainz nach einer schönen Flanke von Schürrle zwar noch einmal heran - am Aus des Favoriten änderte das aber nichts mehr.

"Wir müssen das hier schnell abhaken", sagte Schürrle nach dem Schlusspfiff enttäuscht, "gegen Dortmund wollen wir wieder 100 Prozent geben." Das Bundesliga-Gipfeltreffen zwischen dem Ersten und dem Zweiten steigt am Sonntag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Es wird auch das Duell der beiden großen Pokal-Enttäuschungen werden.


BLAMAGE 2: KICKERS KICKEN DORTMUND RAUS

Eine noch größere Überraschung als das Scheitern der Mainzer war der Sieg von Drittliga-Spitzenreiter Kickers Offenbach. Der Club schaltete Europa-League-Teilnehmer Borussia Dortmund aus - 4:2 (0:0, 0:0) nach Elfmeterschießen.

Kickers-Keeper Robert Wulnikowski wurde mit zwei gehaltenen Elfmetern dabei zum Mann des Abends. Der 33-Jährige parierte mit starken Reflexen die Versuche von Lucas Barrios und Robert Lewandowski, ehe Sead Mehic den Triumph des Außenseiters perfekt machte und grenzenlosen Jubel beim überwiegenden Teil der 25.000 Zuschauer auslöste.

"Robert hat alles gehalten, was zu halten war. Großes Kompliment an ihn", sagte Offenbachs Trainer Wolfgang Wolf. Wulnikowski war es zu verdanken, dass die Partie überhaupt in die Verlängerung ging. In der Schlussminute der regulären Spielzeit parierte er einen Schuss von Lewandowski aus sechs Metern

In 120 Minuten fiel zwar kein Treffer, dafür sahen die Zuschauer aber einen dramatischen Pokal-Fight. Das lag vor allem an den Offenbachern, die zu keinem Zeitpunkt das Gefühl aufkommen ließen, dass zwischen beiden Mannschaften ein Zwei-Klassen-Unterschied besteht. Der Favorit wurde von der ersten Sekunde an voll gefordert. Elton da Costa prüfte Roman Weidenfeller schon nach fünf Minuten mit einem Freistoß. Die größte Tat musste der BVB-Schlussmann in der 25. Minute vollbringen, als er einen Distanzschuss von Nils Teixeira mit den Fingerspitzen an die Latte lenkte und die Gäste damit vor einem Rückstand bewahrte.

Wulnikowski konnte sich auf der Gegenseite bei Versuchen von Shinji Kagawa (7.) und Lewandowski (20.) auszeichnen. Als Lucas Barrios den Kickers-Schlussmann kurz vor der Halbzeit umspielte, rettete Teixeira auf der Linie.

"Im Elfmeterschießen war es dann ein Glücksspiel. Da war es angerichtet für die Sensation", sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp nach der Partie.


BLAMAGE 3: FÜNF GEGENTORE FÜR HAMBURG IN FRANKFURT

Das Scheitern des favorisierten Hamburger SV bei Eintracht Frankfurt als Sensation zu bezeichnen, wäre übertrieben. Spektakulär verlief der Abend mit sieben Toren in 90 Minuten jedoch allemal. Caio traf mit einem seiner ersten Ballkontakte. Gerade erst hatte ihn Trainer Michael Skibbe für den verletzten Alexander Meier aufs Feld geschickt, da hatte der Brasilianer plötzlich viel Platz in der Hälfte des Hamburger SV. Als Verteidiger Joris Mathijsen sich ihm dann in den Weg stellen wollte, war es schon zu spät. Caio zog mit links aus 25 Metern ab, der Ball schlug direkt neben dem linken Pfosten ein.

Dieser Treffer in der 13. Minute sollte der Auftakt für eine turbulente Pokalpartie sein, in der sich die Eintracht am Ende 5:2 (3:1) durchsetzte. Danach traf Theofanis Gekas (21., 45.) erst per Kopf und dann aus kurzer Distanz mit dem Fuß, Halil Altintop (87.) verwandelte einen von Gekas herausgeholten Foulelfmeter - die meisten der 39.400 Zuschauer in der Frankfurter Arena jubelten.

Schließlich profitierte die Eintracht von einem Eigentor von Mladen Petric (65.). Der kroatische Angreifer traf auch zweimal für den HSV (23., 66.), bei dem der erkrankte Chefcoach Armin Veh von Co-Trainer Michael Oenning vertreten wurde.

"Das ist eine Riesen-Enttäuschung. Speziell für mich war es wohl das kurioseste Spiel, das ich bisher erlebt habe", sagte Petric. "Unglaublich, was hier alles passiert ist." In der ersten Halbzeit hatte er aus aussichtsreicher Position nur den Pfosten getroffen (32.), ebenso wie sein Mannschaftskollege Jonathan Pitroipa (42.).

mit Material von sid und dpa

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Seite 1
Darth Manfred 28.10.2010
1. Blamage, naja ...
das ist doch schon fast Tradition, dass sich Mannschaften mit "Blamagen" diesen nutzlosen Wettbewerb früh vom Hals schaffen. Gerade für Mainz und Dortmund macht das im Moment Sinn - die Verletzungsgefahr ist hoch, die Belastung unnötig und zudem muss man dauernd auswärts ran, was dann auch nicht viel einbringt. Der Imageverlust ist verkraftbar. Für Bayern dagegen macht es Sinn, drinzubleiben. Wenn sie den Pokal gewinnen, können sie noch einen Platz im Europacup ergattern :p
donfuan, 28.10.2010
2. Auf Thema antworten
tja, so ist K.O.-Fussball. Eventuell stellen die 3 aber auch den Spielbetrieb ein, und die Städte werden abgerissen.
namachschon, 28.10.2010
3. Quatsch...
Hallo, im Titel steht, Dortmund ist düpiert. Laut Wörterbuch bedeutet es " zum Narren halten, demütigen" Quark, denn schon morgen weint niemand dem Pokalaus noch eine Träne hinterher. Im Gegenteil, man hat mehr Zeit, sich zu regenerieren. Natürlich wird das niemand zugeben. Wer ist hier gedemütigt? Die Offenbacher waren eben im 11m-Schießen besser. Punkt. Daraus eine Demütigung zu generieren, ist doch Käse. Zum Sport gehört doch immer auch die Niederlage. Und die Pokalrunde ist doch für viele nur noch eine ungeliebte Mußveranstaltung. Sollte man eh abschaffen. Grüße...
forumgehts? 28.10.2010
4. Pah!
Zitat von sysopPeinlich, peinlich, peinlich: Dieser DFB-Pokalabend war ein Albtraum für drei Bundesliga-Größen. Tabellenführer Mainz versagte in Aachen, der HSV kassierte in Frankfurt fünf Gegentore - und dann düpierten die Kickers auch noch Dortmund im Elfmeterschießen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,725772,00.html
Albtraum? Das war doch wie im Tennis - man tritt aus verschiedenen Gründen an aber so schnell wie möglich auch wieder ab. Und was die Ergebnisse betrifft - da hat man vielleicht gute Wettquoten eingestrichen.
shaman1905 28.10.2010
5. ...
Warum blamiert? Poaklaus ist einfach Mainz 05, das gehört bei uns dazu. ;-)
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