Werder-Stürmer Milot Rashica Bremer Unruhepol

Wer über Werders Angriff spricht, redet meist über Max Kruse. Dabei ist Milot Rashica aktuell noch torgefährlicher. Im Pokal-Halbfinale gegen Bayern hängen die Bremer Chancen auch vom 22-Jährigen ab.

Milot Rashica ist in der Rückrunde Bremens erfolgreichster Angreifer
Matthias Schrader / AP

Milot Rashica ist in der Rückrunde Bremens erfolgreichster Angreifer

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Zwischen den Hünen in der Bayern-Abwehr wirkt Milot Rashica mit seinen 1,78 Metern wie ein schmaler Junge, aber das muss kein Nachteil sein.

Der vergangene Bundesliga-Samstag, die sechste Minute im Spiel zwischen Bayern und Bremen, Rashica steht allein gegen drei Münchner Verteidiger. Als ihn ein Pass erreicht, lässt er den Ball mit dem ersten Kontakt in Richtung Mittelfeld prallen, sofort dreht er sich und sprintet Richtung Tor; Pass und Drehung sind eine fließende Bewegung. Rashica bekommt das erhoffte Zuspiel in den Lauf, zwei Pässe später hat Maximilian Eggestein die Chance aufs Bremer 1:0.

So hatte es aus Werder-Sicht wohl laufen sollen: Rashicas Tempo und seine Drehungen nutzen, um den Bayern wehzutun. Das Problem: Jene Szene aus der sechsten Minute blieb so ziemlich die einzige Bremer Torchance in München, die Gäste verloren 0:1.

Am Abend treffen die Teams erneut aufeinander, diesmal im Halbfinale des DFB-Pokals, es ist ein Heimspiel für Werder (20.45 Uhr; TV: ARD und Sky; Liveticker SPIEGEL ONLINE). Und wenn die Bremer es gewinnen wollen, benötigen sie mehr Torgefahr als im Ligaduell. Womit wir wieder bei Rashica wären.

Schon neun Tore im Jahr 2019

Wer über Werders Offensive spricht, der redet meist über Max Kruse, den spielmachenden Stürmer. Oder über Maximilian Eggestein, den vorstoßenden Achter. Oder über Claudio Pizarro, den 40-Jährigen. Dabei hat Rashica im Jahr 2019 alleine so viele Pflichtspieltore erzielt, wie die drei zusammen (neun). Seine Entwicklung ist erstaunlich, weil sie so plötzlich kommt. Noch vor einem halben Jahr war der 22-Jährige außen vor.

Rashica ist ein Spieler, wie es ihn in der Bundesliga nur noch selten gibt: Er wurde nicht streng nach dem DFB-Lehrbuch ausgebildet, hatte das korrekte Pressingverhalten nicht bereits im Jugendalter verinnerlicht. Geboren in Vushtrria im Kosovo, spielte er jahrelang für seinen Heimatverein, ehe er 2015 in die Niederlande zu Vitesse Arnheim vermittelt wurde.

Als er Anfang 2018 nach Bremen kam, war der Fußballer Rashica noch ausgesprochen roh. Er verstand es zwar schon damals, sich im Eins-gegen-Eins durchzusetzen, doch er traf auch sehr häufig falsche Entscheidungen auf dem Rasen, und defensiv war er von Bundesliganiveau so weit entfernt wie der HSV von der Champions League.

Dass das Verteidigen dazugehört, musste der Angreifer erst lernen

Also saß Rashica öfter draußen, als dass er spielte. "Er musste es auf richtig schmerzhafte Weise lernen", sagte Werder-Trainer Florian Kohfeldt dem "Kicker": "Milot kannte es einfach nicht, dass er auch verteidigen muss."

Dass er sich defensiv verbesserte, hat auch etwas mit Kruse zu tun, der Rashica auf dem Rasen coacht. Kaum ein Spiel vergeht, in dem Kruse seinen Nebenmann nicht gestenreich und lautstark anweist, wie er den Gegner anlaufen soll.

Vor allem aber ist Rashica mittlerweile so offensivstark, dass kein Weg an ihm vorbeiführt. Wo Kohfeldt zu Beginn seiner Amtszeit noch ständig rotierte, seine Startelf dem Gegner anpasste, setzt er aktuell stets auf Rashica und Kruse.

Max Kruse (r., hier gegen Bayerns Thiago) coacht Rashica oft auf dem Feld
Matthias Hangst / Getty Images

Max Kruse (r., hier gegen Bayerns Thiago) coacht Rashica oft auf dem Feld

Bei Rashica hängt das auch mit seiner neuen Rolle zusammen. In Arnheim spielte er vor allem als Rechtsaußen. Er dribbelte die Linie entlang, und wenn er auf einen Verteidiger traf, senkte er den Kopf und erhöhte das Tempo, dann flankte er in den Strafraum. So kam es, dass er häufiger Vorlagen gab als selbst zu treffen. Sein gewaltiger Schuss wurde damit ein wenig verschenkt.

Kruse profitiert von Rashicas Laufwegen

Mittlerweile spielt er nicht mehr auf dem Flügel, sondern im Sturm, in der Regel halblinks. Rashicas Spielweise ist dort eine ganz andere, und sie bringt seine Stärken deutlich besser zum Vorschein. Statt zur Eckfahne zu laufen, visiert er nun Schnittstellen der gegnerischen Abwehrkette an, und er tut das oft.

Rashica ist der wohl schnellste Werder-Stürmer, zugleich gehört er regelmäßig zu den Spielern, die die meisten Sprints pro Partie absolvieren. Er ist ein Unruhepol im Bremer Spiel. Das ist wichtig, weil Wege hinter die Abwehrreihe oft selbst dann von Vorteil sind, wenn der dazugehörige Steilpass aus dem Mittelfeld ausbleibt. Häufig zieht ein solcher Sprint zumindest einen oder gar mehrere gegnerische Verteidiger mit in die Tiefe. So entsteht Raum zwischen den Linien des Gegners. Speziell Kruse weiß diesen auszunutzen.

Gegen die Bayern könnte sich Rashica trotzdem häufiger auf die rechte Seite orientieren, dorthin, wo Mats Hummels anstelle des gesperrten Niklas Süle verteidigen dürfte. Hummels ist nicht mehr der Schnellste, im Laufduell mit Rashica könnte er Probleme bekommen.

Selbstverständlich geht Werder trotzdem als Außenseiter ins Halbfinale. Das Spiel am vergangenen Samstag hat gezeigt, wie schwer es Bremen gegen das Münchner Pressing fällt, den Ball überhaupt erst in Richtung Offensive zu bringen. Und Rashica selbst macht längst nicht alles richtig, vielen Aktionen fehlt noch die Genauigkeit.

Für Werder aber sind Spieler wie Rashica elementar, sie sind Teil des Bremer Geschäftsmodells. Der Klub muss Talente entdecken und entwickeln, sie zu Stars machen, um sie dann teuer zu verkaufen. Mit Rashica dürfte der Verein einen Volltreffer gelandet haben.



insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
romeov 24.04.2019
1. Na ja,
allzu große Torgefahr verströmte Bremen letzten Samstag in München nicht gerade.
spon1899 24.04.2019
2.
Hier sind alle bereit für das ganz große Ding. Es wäre ein Traum.
ptb29 24.04.2019
3. Die Bayern können sich nur selbst schlagen
Wenn sie den Gegner überschätzen. Wenn es um etwas geht, sind sie in der Lage groß aufzutrumpfen. Zum Glück hat SPON Kovac noch einmal erklärt, worauf die Bayern achten müssen.
wilbury 24.04.2019
4. Heute sehen wir ein anderes Bremer Spiel
Bremen spielte in München, Bayern hat sehr viele Chancen ungenutzt gelassen oder ist am Torhüter Pawlenka gescheitert! Mal sehen wie es in Bremen läuft. Wäre nicht das erste Wunder an der Weser! Lebenslang Grün Weiß!
meresi 24.04.2019
5. Tja
Zitat von romeovallzu große Torgefahr verströmte Bremen letzten Samstag in München nicht gerade.
das ging aus dem Artikel hervor. Heute, würde es reichen wenn die Bremer das wichtigste Tor in der 6. Minute der Nachspielzeit schießen würden, dann pfeift der Schiri ab und alle Bremer freuen sich.
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