Werder-Aus im DFB-Pokal Bremens Hattrick des Grauens

Blamieren in Serie: Bremen ist zum dritten Mal in Folge in der ersten Runde des DFB-Pokals an einem Drittligisten gescheitert. Gegen Saarbrücken machte die Defensive einen wackligen Eindruck. Werders neuer Trainer Robin Dutt sagt: "Das ist der Worst Case."

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Hamburg - Bremens neuer Coach Robin Dutt blies die Wangen auf, ging ein paar Schritte aufs Feld und sah dort etwas, das man bei Werder doch eigentlich nicht mehr sehen wollte: geknickte Spieler, die Hände in die Hüften gestemmt, enttäuscht über eine Erstrundenniederlage im DFB-Pokal. Das hatte es 2011 gegeben. Ebenso 2012. Und auch in diesem Jahr geht die Serie weiter: Werder ist im dritten Jahr in Folge gleich zu Beginn des Wettbewerbs ausgeschieden.

"Heute waren viele Dinge nicht gut. Aber ich werde jetzt nichts weiter sagen", so Dutt nach der 1:3 (1:1, 0:1)-Pleite beim Drittliga-Club Saarbrücken. Bremens Mittelfeldspieler Zlatko Junuzovic war ebenfalls bedient: "Wir haben unser Potential nicht abgerufen. Das war blamabel und tut richtig weh. Die Stimmung ist jedenfalls nicht gut bei uns."

Bremens trauriger Hattrick begann vor zwei Jahren in Heidenheim, gegen das Werder in Runde eins ausschied. In der vergangenen Saison ging es wie an diesem Sonntag bis in die Verlängerung, doch dort war gegen Preußen Münster Schluss. Und jetzt das Aus gegen Saarbrücken.

"Das ist der Worst Case"

Für Dutt war es das erste Pflichtspiel für Bremen, nachdem er seinen Job als DFB-Sportdirektor aufgegeben hatte und Thomas Schaaf beerbt hatte. Der 48-Jährige hatte sich natürlich einen schöneren Start gewünscht. "Das ist der Worst Case. Wenn man das erste Pflichtspiel als neuer Trainer verliert, dann erschwert das die Arbeit."

Der Wechsel an der Seitenlinie sollte in Bremen eigentlich Aufbruchstimmung erzeugen, nach zuletzt durchwachsenen Spielzeiten. Doch bereits die Vorbereitung hatte viele Anhänger ernüchtert. Viermal hintereinander hatte Werder zunächst verloren, darunter gegen Drittliga-Aufsteiger RB Leipzig. Andererseits hatte es aber auch zwei Siege gegen RW Erfurt und den FC Fulham gegeben.

Auch Gegner Saarbrücken hatte in der jüngeren Vergangenheit schwach gespielt: In der 3. Liga legte das Team von Coach Jürgen Luginger einen Fehlstart hin. Zum Auftakt gab es eine 1:2-Heimniederlage gegen Wehen Wiesbaden, bei Holstein Kiel verlor man am zweiten Spieltag sogar 1:5. Derzeit steht Saarbrücken auf dem 18. Tabellenplatz.

Slapstick in Bremens Hintermannschaft

Gegen die Bremer war der Außenseiter auch zunächst zurückhaltend. Doch eine Reihe von Aussetzern in der Werder-Defensive ließ Saarbrücken mutiger agieren: Zunächst liefen sich Zugang Cédric Makiadi und Sebastian Prödl gegenseitig über den Haufen (10. Minute) und ermöglichten Raffael Korte eine Chance, die er jedoch nicht nutzen konnte.

Dann folgte eine Slapstickeinlage: Werder-Torhüter Sebastian Mielitz kam bei einem langen Ball aus dem Tor, köpfte zu Mehmet Ekici, der mit einem Rückpass auf seinen Keeper allerdings wieder für Gefahr sorgte. Angreifer Ziemer ging dazwischen, doch der Angreifer vergab das Werder-Geschenk (17.).

Die dritte größere Chaos-Szene in der Bremer Abwehr wurde dann aber bestraft: Bei einem Eggert-Freistoß wollte Mielitz klären, was ihm aber nicht gelang. Makiadi fälschte den Ball zu Nils Petersen ab, der den Querschläger wiederum auf Saarbrückens Fischer ablegte - der zum 1:0 traf (45.).

Hoffen auf den Bundesliga-Start

Nach der Pause gab es ein kurzes Aufbäumen der Bremer, der Ausgleich von Verteidiger Prödl (59.) war das Resultat. Doch die Probleme in der Defensive hörten auch in Halbzeit zwei nicht auf. Daran allein wollte Kapitän Clemens Fritz die Niederlage allerdings nicht festmachen: "Wir haben uns in den Zweikämpfen nicht gewehrt und in der Offensive zu leicht den Ball verloren."

In der Verlängerung kam dann der K.o.: Tim Stegerer traf, seinen Schuss hatte Fritz unhaltbar abgelenkt (105.+1). Als Bremen dann alles nach vorne warf, konterte Saarbrücken und sorgte durch Ziemer für die Entscheidung (112.). "Wir hätten uns nicht beschweren können, wenn wir mehr Tore gefangen hätten", sagte Bremens Makiadi nach der Partie: "Wir haben noch sehr viel Arbeit vor uns."

Das sieht auch sein Trainer so: "Die Fans waren richtig sauer, aber der Unmut ist berechtigt. Ich schaue mir das Spiel noch mal auf Video ohne Emotionen an", sagte Dutt, der sich aber nun schnell auf die kommende Partie konzentrieren will: "Wichtig ist nur, welche Antworten wir zum Bundesliga-Start gegen Braunschweig haben."

Werder ist am kommenden Samstag zu Gast beim Aufsteiger (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Auch die Eintracht muss sich nicht mehr um den DFB-Pokal kümmern, unterlag gegen Arminia Bielefeld nach regulärer Spielzeit 1:2 (0:1). Vielleicht ist das ein Trost für Werder: Braunschweig hatte es nicht einmal in die Verlängerung geschafft.

1. FC Saarbrücken - Werder Bremen 3:1 (1:1, 1:0) n.V.
1:0 Fischer (45.)
1:1 Prödl (59.)
2:1 Stegerer (105.+1)
3:1 Ziemer (112.)
Saarbrücken: Ochs - Falkenberg, Knipping, Fischer (76. Stegerer), Hoffmann (96. Kreuels) - Maek, Eggert (105. Pellowski) - Raffael Korte, Tim Kruse - Ziemer, Göcer
Bremen: Mielitz - Fritz, Prödl, Caldirola, Gebre Selassie (107. Hartherz) - Makiadi - Junuzovic, Ekici (81. Yildirim) - Petersen, Hunt, Füllkrug (46. Arnautovic)
Schiedsrichter: Robert Kempter
Zuschauer: 15.424
Gelbe Karten: Eggert, Fischer, Kreuels, Pellowski - Prödl, Fritz, Yildirim, Arnautovic

insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
heiri 04.08.2013
1. Werder Bremen
Naja... mit Dutt als Trainer bis zur Winterpause, wenn's hochkommt, werden wir noch manchen Schock erleben. Hoffentlich ist es dann nicht zu spät. Werder sollte in der 1. Liga spielen.
zeyfor 04.08.2013
2. Immer der Trainer ?
ich weiß nicht ob man Dutt schon am Anfang die Schuld geben kann. Mann sollte Eichin mal fragen was der für 3. Klassige Spieler holt. Auch die super Bundesliga Spieler sollten sich jetzt schon hinterfragen ob ihre Leistung eigentlich nur für die Kreisklasse reicht.? Achtung Werder , der Abstiegskampf hat schon begonnen
spiegelreflexion 04.08.2013
3.
Zitat von heiriNaja... mit Dutt als Trainer bis zur Winterpause, wenn's hochkommt, werden wir noch manchen Schock erleben. Hoffentlich ist es dann nicht zu spät. Werder sollte in der 1. Liga spielen.
Nicht so schwarz sehen! Dutt ist mitten in einem Neuabfang, da ist Werder definitiv vor dem Hamburger SV. "Stars" wie Avdic oder Astronautovic sind auf dem Abflug, da braucht es schon ein paar PFLICHTspiele, bis es richtig läuft. Dutt ist auch kein so schlechter Trainer, in Freiburg hat er funktioniert. In Leverkusen hat er nicht beachtet, daß es dort wichtigeres gibt als die beste Mannschaftsaufstellung. Ich glaube nicht, daß ihn jemand jetzt so demontiert, wie es Holzhäuser in LEV getan hat.
neanderspezi 04.08.2013
4. Jetzt müssen sich die Spieler in Werder auch auf Wurst-Käse einstellen
Dass sich Trainer häufig so geziert ausdrücken müssen, wenn das Spiel in die Hose ging. Vermutlich wollte Herr Dutt sagen: "Das ist der Wurstkäse", im Spiel gegen den Drittligisten Saarbrücken im DFB-Pokal, aber vielleicht meinte er auch, dass es Fleischkäse oder Käswurst sei. Er war sich aber nicht sicher und gebrauchte die andere Form dem Hörensagen nach. Es ist eben unvermeidlich, dass sich auch Trainer auf den vielfachen Gebrauch von Anglizismen einlassen und wenn's der Trainer vormacht müssen die Spieler es bei Interviews und anderen Gelegenheiten nachmachen.
BettyB. 04.08.2013
5. Dat und Duft in Englisch
Vielleicht verstehen die ihm einfach nicht und meinten die Sache nicht ernst nehmen zu sollen...
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