Werders Pokal-Aus gegen Bayern München Die wilden Sieben von der Weser

In einem unterhaltsamen Pokalhalbfinale lag wieder einmal ein Wunder in der Luft. Doch mehr als dieser Hauch von Sensation war für die Bremer nicht drin. Das hatte auch mit einem erstaunlich akrobatischen Thomas Müller zu tun.

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Die wilden Sieben des Spiels: Begannen in der 74. Minute. Die Bayern hatten es sich auf ihrer 2:0-Führung gemütlich gemacht - was sollte hier schon noch schiefgehen - da legte Milot Rashica zunächst den Anschlusstreffer für Yuya Osako auf, bevor er keine Minute später selbst aus 13 Metern ausglich. Ein weiteres Wunder, das sie an der Weser so eifrig beschworen hatten, schien greifbar - doch dann zog Kingsley Coman von links in den Strafraum der Bremer, ging dort nach einem Zweikampf mit Theodor Gebre Selassie zu Boden - und Robert Lewandowski verwandelt den Elfmeter in der 80. Minute zum 3:2-Endstand.

Das Ergebnis: Die Bayern haben nach diesem 3:2 (1:0) im Klassiker unter den Pokalduellen zwischen den beiden erfolgreichsten Vereinen die Chance auf ihren 19. Pokaltitel. Hier geht es zum Spielbericht.

Das Vorspiel: Gut gekämpft - und doch verloren. So in etwa ließ sich auch die Generalprobe aus Sicht der Bremer zusammenfassen, die sich beide Teams am vergangenen Samstag beim Bundesliga-Rückspiel in München (1:0) geliefert hatten. Auch deshalb hatte sich bei Werder Bremens Trainer Florian Kohfeldt diese Ahnung eingeschlichen: "Wir haben alle das Gefühl, dass es klappen kann", hatte er vor der Partie gesagt. Hat es nicht. Und doch befand Kohfeldt: "Es war ein geiles Spiel. Ich kann mich nur bei meiner Mannschaft bedanken für den Mut, den sie gezeigt hat. Wir werden hart daran arbeiten, öfter solche Abende hier im Weserstadion zu erleben."

Der Akrobat der Partie: Hieß Thomas Müller. Mit dem Rücken zum Tor setzte er zunächst den Ball per Hacke knapp rechts daneben (12.). Ähnlich artistisch war später seine Vorarbeit zum 1:0, als er auf der linken Torauslinie hochsprang, um einen langen Diagonalball von Jérôme Boateng von der linken Torauslinie aus an den langen (!) Posten zu köpfen. Torschütze war dann Lewandowski, der aus sechs Metern abstaubte (36.). In der 63. Minute knallte ein Torschuss von Leon Goretzka dem im Zentrum lauernden Müller an den linken Fuß, der rechte vollendete zum 2:0.

Der Aufreger des Spiels: Kam zum Ende der wilden sieben Minuten, als Gebre Selassie Coman leicht berührte. Für Schiedsrichter Daniel Siebert ein Foul, auch nach der Rücksprache mit dem Video-Referee. Für Max Kruse eine klare Fehlentscheidung des VARs. "Wenn er das nicht sieht, dann können wir den gleich wieder abschaffen", sagte der Bremer nach der Partie. Müller sah das anders: "Kingsley ist jetzt keiner, der sich fallen lässt, sondern einer, der gerne auch den Zweikampf führt." Dazwischen fand man Bayern-Trainer Niko Kovac, der sagte: "Ob das ein Elfmeter war, darüber kann man streiten. Es war aber ein Schubser."

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DFB-Pokal: Lewandowski schießt FC Bayern nach Berlin

Der Pokal-Rekordspieler: Wurde von Kohfeldt direkt nach dem 0:2 eingewechselt. Claudio Pizarro kam für Kevin Möhwald. Alles auf Sieg, und zwar mit einem besonderen Spieler: Acht Finalteilnahmen und dabei sechs Siege sind bis heute Bestmarken für einen ausländischen Bundesligaprofi. Der Peruaner war schon vor 19 Jahren im Endspiel der Bremer gegen die Bayern dabei. Gewinnen konnte er den Titel meist im Trikot der Bayern, einzig 2009 siegte er mit Werder Bremen.

Double oder nicht: Das war hier die eigentliche Frage aus Sicht der Bayern. Entsprechend dramatisch formulierte Bayern-Präsident Uli Hoeneß bereits vor dem Spiel (in Anlehnung an Ex-Coach Louis van Gaal): "Es ist ein Tod-oder-Gladiolen-Spiel." Denn: Nach dem Achtelfinal-Aus in der Champions League müssen Meisterschale und Pokal für die erfolgsverwöhnten Münchner her. In der Bundesliga gilt es, den Punktvorsprung vor Borussia Dortmund zu halten. Anschließend muss am 25. Mai das Pokalfinale gegen RB Leipzig gewonnen werden.

SV Werder Bremen - FC Bayern München 2:3 (0:1)
0:1 Lewandowski (36.)
0:2 Müller (63.)
1:2 Osako (75.)
2:2 Rashica (76.)
2:3 Lewandowski (80.)
Bremen: Pavlenka - Gebre Selassie, Veljkovic, Moisander, Augustinsson (81. Harnik) - M. Eggestein - Möhwald (65. Pizarro), Klaassen (89. J. Eggestein) - Kruse - Osako, Rashica
München: Ulreich - Kimmich, Boateng, Hummels, Alaba - Javi Martínez, Thiago (76. Rodríguez) - Gnabry (58. Goretzka), Müller (89. Rafinha), Coman - Lewandowski
Schiedsrichter: Siebert
Gelbe Karten: Klaassen, Kruse - Hummels, Rodríguez
Zuschauer: 42.100

Anmerkung der Redaktion: Wir hatten geschrieben, dass Claudio Pizarro nur mit den Bayern den DFB-Pokal gewinnen konnte. Richtig ist: 2009 triumphierte der Peruaner auch im Trikot von Werder Bremen.

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aurichter 25.04.2019
1. Der Herr Siebert
ist doch bestimmt ab diesem "denkwürdigen" Spieltag im Pokal ein Ehrenmitglied mit besonderen Vergünstigungen bei den Bayern? Dann schaun mer Mal, wie oft der Förderer noch zukünftige Bayernspiele als Bonus verpfeifen darf. Aber scheinbar musste gerade der Verein wieder in das Finale. Gönne Leipzig nun von Herzen diesen ersten Titel.
tucson58 25.04.2019
2. Ein klasse Spiel
Das war wie schon am Dienstag ein sehenswertes Pokalhalbfinale in denen man alle beteiligten Mannschaft nur loben kann und beide Spiele hohen Unterhaltungswert hatten ! Zu dem Elfer der Bayern , sollte sich jeder mal überlegen, was denn im umgekehrten Fall gefordert wäre, wenn ein Bremer Spieler im 16 er der Münchner so zu Fall gekommen worden wäre ? Hätte man das dann nicht gepfiffen hätte Kruse bestimmt nicht gesagt ... das war schon OK das war auch kein Elfer ....... er hätte vermutlich gesagt ,...... das sei ein klarer Elfer gewesen und es ist ärgerlich durch so eine Fehlentscheidung ...usw.......... Hätte man ihn auch gepfiffen , vermute ich, hätte man diesen Strafstoß auf Bremer Seite auch als ......denn kann man schon pfeifen ... das war ein klarer Elfer .......bewertet ........ So ist das halt im Fußball und das vor allem bei solchen entscheidenden Spielen, da fühlt sich der Verlierer bei solchen Dingen immer gleich als der Benachteiligte ! Eine Fehlentscheidung war es dennoch nicht , es war eben ein Foul und im 16er gibt es dafür Elfmeter, so hart es auch ist .
Buddy_FCB 25.04.2019
3. Witzelfmeter ?
Also es wird in einigen Statements von einem Witzelfer gesprochen, das ist definitiv falsch. Der Bremer Spieler geht ohne Chance an den Ball zu kommen bzw den zu spielen in den Zweikampf gegen den Spieler Coman, er kommt weder an den Ball, noch kann er diesen erreichen. Das Tackling gilt klar dem Bayern Spieler und dann ist es ein Foul. Da können alle anderer Meinung sein, aber das ist die korrekte Auslegung der Regel. Das hat Köln genau so gesehen. Und ausserdem hätte der Bremer Spieler Klaassen spätestens in der 25. Minute mit gelb-rot vom Platz fliegen müssen. Also keine Fehlentscheidung....
liquimoly 25.04.2019
4. Wenn nicht aus eigener Kraft, dann mit Hilfe des Schiedsrichters
Wie so oft und meist im Pokal, haben die Bayern wieder einen schmutzigen Sieg eingefahren. Der Elfer zum dritten Tor war eine solch eklatante Fehlentscheidung, daß der Sportsgeist wieder einmal auf's hässlichste besudelt wurde. Solange solche verschobenen Spiele zugunsten des FCB auf nationaler Ebene zur Tagesordnung gehören, hat der Deutsche Fußball auf internationalem Rasen nichts zu melden.
skeptikerjörg 25.04.2019
5. Schade
Ein Klassespiel von beiden Mannschaften, das leider durch einen Schiedsrichterlehrling entschieden wurde. Welche Arroganz und Überheblichkeit, sich die Szene nicht noch einmal anzusehen! Kopf hoch Werder, der moralische Sieger seid ihr. Ein Sieg der Bayern ohne fremde Hilfe wäre nicht unverdient gewesen, keine Frage, aber nach dem Doppelschlag lag das Momentum bei Werder und ob es dann für die Bayern gereicht hätte, ist zumindest fraglich.
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