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VfL Wolfsburg: Große Ziele, durchdachte Pläne

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

DFB-Pokal-Duell BVB gegen Wolfsburg Das Gleiche in Grün

Wolfsburg kann mit einem Sieg in Dortmund das Pokalfinale erreichen. Unwahrscheinlich? BVB-Trainer Klopp warnt - der VfL hat die Borussia schon öfter mit ihren eigenen Waffen geärgert.

Eigentlich steht das Finale des DFB-Pokals schon fest: Der FC Bayern und Borussia Dortmund werden sich am 17. Mai erneut in einem Kampf der Fußball-Systeme duellieren. Und nach Möglichkeit eine weitere Partie für die Geschichtsbücher abliefern.

Dabei sind die Halbfinale noch gar nicht gespielt. Während der Titelverteidiger aus München am Mittwoch gegen Zweitligist 1. FC Kaiserslautern kaum Probleme haben sollte, bekommt es die Borussia am Dienstag mit einem weitaus gefährlicheren Gegner zu tun - das Weiterkommen ist gegen den VfL Wolfsburg längst nicht sicher (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Das Erste, Sky). Dortmunds Trainer Jürgen Klopp ist sich der Herausforderung bewusst: "Wolfsburg hat eine maximale Qualität."

Hoffnung kann der Bundesliga-Tabellenfünfte Wolfsburg, der den Europapokal als Ziel ausgegeben hat, besonders aus den beiden Liga-Spielen gegen Dortmund schöpfen, in denen der VfL starke Leistungen zeigte und auch einmal gegen den BVB gewinnen konnte. "Jeder erwartet das Traumfinale. Mal sehen, ob es das auch wirklich gibt", sagt Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking zu einem möglichen Endspiel der Bayern gegen Dortmund. Der 49-Jährige gilt als Coach, der sein Team hervorragend auf den Gegner einstellen kann.

Die Dortmunder Spielweise - zentrale Merkmale Pressing und Gegenpressing und Überzahlspiel - ist in Wolfsburg nicht nur wegen des anstehenden Halbfinales ein Thema. Im Wintertrainingslager hatte Hecking der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung" seine Philosophie erklärt, die seit seinem Amtsantritt im Januar 2013 immer erfolgreicher umgesetzt wird: "Wir wollen konsequent draufgehen - ähnlich wie Borussia Dortmund, ohne dass wir sie kopieren wollen."

Top-Stürmer fehlt den "Wölfen" noch

Besonders anschaulich gelang das dem VfL in den beiden Liga-Duellen mit dem BVB. Im Hinspiel (2:1) presste Wolfsburg sehr früh, ließ den Dortmundern im Spielaufbau kaum Zeit und provozierte so Ballverluste, nach denen das Team schnell auf Angriff umschaltete.

Das aggressive Pressing hat Hecking von der Borussia übernommen, im Mittelfeld stellt Wolfsburg das System während einer Partie oft von 4-2-3-1 auf 4-1-4-1 und zurück um. Dabei hat sich Junior Malanda hervorgetan, der 19-jährige Belgier kam für 1,7 Millionen Euro vom SV Zulte-Waregem und ist eine der Entdeckungen der Rückrunde. Dank seiner Torgefahr und seinem Offensivdrang ist er eine ideale Ergänzung zu Luiz Gustavo im defensiven Mittelfeld, der sogenannten Doppelsechs.

Trotz der 1:2-Niederlage gelang es Wolfsburg im Rückspiel vor zehn Tagen sogar noch besser, Heckings Vorgaben umzusetzen: Bei den Dortmundern kamen nur 63 Prozent der Pässe an. Außerdem wurde deutlich, wie sich das Offensivspiel der vermeintlichen Kopie Wolfsburg vom Dortmunder Original unterscheidet: Der VfL setzt wesentlich konsequenter auf seine Außenbahnen, um Flanken zu schlagen.

Dass es in Dortmund trotzdem nicht zu einem Wolfsburger Sieg reichte, lag vor allem an der Effizienz der Borussia im Angriff. So wurden beim VfL etliche Chancen vergeben, beim BVB nutzten hingegen Marco Reus und Robert Lewandowski zwei Torwartfehler von Max Grün.

Mischung aus Erfahrung und Potential

"Am Ende ist es auch eine Qualitätsfrage", sagte Hecking SPIEGEL ONLINE schon im November: "Wir sind gut aufgestellt, aber vorne noch mehr Qualität hinzuzuführen, das wird in den kommenden Wochen und Monaten unsere Aufgabe sein. Und die Lösungen werden nicht dahin gehen, dass wir einen Dzeko zurückholen." Im offensiven Mittelfeld verfügt Wolfsburg mit Rekordtransfer Kevin De Bruyne, Maximilian Arnold und dem Ex-Dortmunder Ivan Perisic bereits über starkes Personal, das jedoch noch Schwankungen unterworfen ist.

Dass zur kommenden Saison ein neuer Stürmer verpflichtet wird, scheint beschlossene Sache. Ivica Olic (12 Saisontore) wird zwar wahrscheinlich seinen Vertrag verlängern, aber eine weitere Spielzeit allein mit dem 34-Jährigen und Bas Dost (4 Treffer) würde Stillstand in Wolfsburg bedeuten. Sportdirektor Klaus Allofs soll in der VW-Stadt permanent optimieren - auch für den Werksclub gelten die Maßstäbe des Autokonzerns. Interesse hatte Wolfsburg an Kevin Volland, doch der 21-Jährige kündigte kürzlich an, bei 1899 Hoffenheim zu bleiben.

In der Innenverteidigung (Naldo, 31, und Robin Knoche, 21) und im zentralen defensiven Mittelfeld (Luiz Gustavo, 26, und Junior Malanda, 19) sind Schlüsselpositionen erfolgreich mit einer Mischung aus Erfahrung und Potential besetzt worden. Denkbar ist, dass es im Angriff ähnlich laufen wird. "Wir werden die Augen offenhalten, wie wir die Qualität im Kader weiter erhöhen können", sagt Hecking.

Auch das haben die Dortmunder ja schon erfolgreich vorgemacht.

Borussia Dortmund - VfL Wolfsburg (Dienstag, 20.30 Uhr)
Voraussichtliche Aufstellungen
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Sokratis, Hummels, Durm - Kehl - Mchitarjan, Jojic, Reus, Großkreutz - Lewandowski
Wolfsburg: Grün - Träsch, Naldo, Knoche, Schäfer - Luiz Gustavo, Malanda - de Bruyne, Arnold, Perisic - Olic
Schiedsrichter: Gräfe