DFB-Pokalhit Gladbach vs. Schalke Zum Schluss das Beste

Reus gegen Huntelaar, Stevens gegen Favre - zum Ende des Fußballjahres gibt es einen echten Leckerbissen. Im Achtelfinale des DFB-Pokals stehen sich die beiden Top-Teams Borussia Mönchengladbach und Schalke 04 gegenüber. Wer hat die besseren Chancen?

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Es ist das letzte Pflichtspiel des Jahres im deutschen Profifußball, und die Erwartungen sind hoch. Es spielt "die derzeit vielleicht beste deutsche Mannschaft" (Kölns Trainer Ståle Solbakken über Borussia Mönchengladbach) gegen die "wohl derzeit beste deutsche Mannschaft" (Gladbach-Trainer Lucien Favre über Schalke 04). Wenn das kein Fest wird.

Zumindest ist es das Aufeinandertreffen zweier Teams, die eine annähernd perfekte Hinrunde mit dem Weiterkommen im Pokal krönen können (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Auf der einen Seite der Fast-Absteiger der vergangenen Saison aus Mönchengladbach. Ein Ensemble, das in der Besetzung des Vorjahres plötzlich ein ganz anderes Stück zur Aufführung bringt. Dass dies zu großen Teilen mit Trainer Favre in Zusammenhang zu bringen ist, gehört mittlerweile zum fußballerischen Allgemeingut. Der Schweizer dürfte, wenn er so weitermacht, seinen Ehrenplatz in der Gladbacher Ahnengalerie direkt hinter Hennes Weisweiler, Udo Lattek, Jupp Heynckes und Hans Meyer sicher haben.

Auf der anderen Seite der Tabellen-14. der abgelaufenen Spielzeit. Schalke, das lange Zeit möglicherweise meistunterschätzte Team der Liga. Besetzt mit der kaltblütigsten Offensivabteilung aller 18 Vereine, in fast unglaublich ruhigem Fahrwasser nach all dem, was den Verein in den vergangenen anderthalb Jahren durchgeschüttelt hat: Magath, Neuer, Rangnick. All das hat Schalke weggesteckt und die Hinrunde auf Platz drei beendet. Dass die Mannschaft ihren Titel im Pokal noch verteidigen kann und in der Europa League gute Aussichten aufs Achtelfinale besitzt, rundet das Bild ab.

Zweitbeste Defensive gegen zweitbeste Offensive

Die nach dem FC Bayern beste Defensive aus Mönchengladbach (nur elf Gegentreffer) misst sich am Abend mit der nach Bayern besten Angriffsreihe (38 erzielte Tore). Und noch mehr Superlative: Es kommt zum Duell des besten Mittelfeldspielers der Hinrunde gegen den coolsten Knipser der Liga: Marco Reus gegen Klaas-Jan Huntelaar. Reus - zehn Treffer, Huntelaar - 15 Tore.

Dass dazu beide Mannschaften annähernd in Bestbesetzung antreten, erhöht den Reiz noch. Bei der Borussia haben sich die zwei wertvollsten Akteure, Reus und Torwart Marc-André ter Stegen, rechtzeitig fit gemeldet. Beide hatten aus der Bundesliga-Partie gegen Mainz 05 am Sonntag (1:0) Blessuren davongetragen, die die Gladbach-Fans das Schlimmste befürchten ließen. Aber weder das verdrehte Knie des Marco Reus noch das geprellte Brustbein ter Stegens machen einen Einsatz unmöglich. Der 19-jährige Torwart tränkt sein Trikot mit Heilpflanzenöl. Das verschafft ihm die nötige Luft.

Schalke muss nach wie vor auf den verletzten Flügelstürmer Jefferson Farfán verzichten, der Einsatz des leicht angeschlagenen Lewis Holtby ist fraglich. Aber auch ohne beide hat der Club zuletzt geglänzt, Werder Bremen 5:0 vom Platz geschickt - mit demselben Ergebnis übrigens, wie das schon Mönchengladbach drei Wochen zuvor mit den Bremern tat. Borussia hat von den vergangenen sieben Bundesliga-Partien nur eine verloren (0:1 in Augsburg) - Schalke auch (0:2 in Dortmund). Das nennt man wohl ein Duell auf Augenhöhe.

Anwesenheit von Stevens ist noch offen

Was möglicherweise ohne den Schalker Trainer stattfindet. Huub Stevens verzichtete am Dienstag auf seine Anwesenheit beim Abschlusstraining und fuhr stattdessen in die niederländische Heimat zu seiner schwerkranken Mutter. Ob er zum Spiel zurückkehrt, war zuletzt offen. Weniger dramatische Probleme plagen seinen Gladbacher Kollegen Favre. Der hatte sich in der Vorwoche den rechten Arm gebrochen, für den Linkshänder Favre kein Grund, die Partie zu verpassen.

Es wird ein enges Spiel werden, ohne einen echten Favoriten - da sind sich die Experten ebenso einig bis hin zu den Wettanbietern. Beim Anbieter bwin liegt die Quote auf einen Gladbacher und auf einen Schalker Sieg identisch auf 2,60 Euro bei einem Euro Einsatz. So viel Ausgeglichenheit ist selten.

Für die Borussia spricht die Heimstärke, das Team hat unter Favre erst ein Spiel vor eigenen Fans verloren - das war noch in der Vorsaison beim 0:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern im April. Für die Schalker spricht ihre Pokaltradition. Das Team ist nicht nur der aktuelle Titelverteidiger, gewann darüber hinaus in den vergangenen zehn Jahren noch zweimal die Trophäe (2001 gegen Union Berlin, 2002 gegen Bayer Leverkusen).

Gladbach ist dagegen ein echter Pokal-Loser. Nach dem letztmaligen Gewinn 1995 konnte man sich als Borussenfan eigentlich darauf einstellen, dass spätestens mit dem Achtelfinale Jahr für Jahr Schluss war. Gerne gegen Clubs wie Energie Cottbus, den VfL Osnabrück oder den SC Verl. Zuletzt hatte die Borussia das Achtelfinale vor sieben Jahren überstanden.

Das letzte Wort gebührt dem Schalker Trainer: "Es geht nur ums Weiterkommen. Egal wie." Gibt es einen typischeren Stevens-Satz?

Die voraussichtlichen Aufstellungen:
Borussia Mönchengladbach: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dante, Daems - Nordtveit, Neustädter - Hermann, Arango - Hanke, Reus
FC Schalke 04: Unnerstall - Höwedes, Papadopoulos, Matip, Fuchs - Jones - Höger, Raúl, Jurado - Pukki, Huntelaar
Schiedsrichter: Stark

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