DFB-Präsident Empörung über Hoyzer-Verfahren

Nach der überraschenden Wende im Revisionsprozess um den Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer hat sich DFB-Präsident Theo Zwanziger entsetzt gezeigt. Am Bundesgerichtshof wird überlegt, für was Hoyzer eigentlich verurteilt werden kann.


Hamburg - Zwanziger reagierte entsetzt auf den möglichen Freispruch für Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer und die anderen Angeklagten im Wett- und Manipulationsskandal. "Ich fühle mich beschämt und vom Staat im Stich gelassen. Mit der Forderung nach einem Freispruch werden Jugendliche in die Orientierungslosigkeit geführt. Ich hätte mich nicht gewundert, wenn die Verhandlung mit einem Antrag auf das Bundesverdienstkreuz für Hoyzer geendet wäre", sagte Zwanziger, der nach eigenen Angaben seine "Emotionen beherrschen" musste, heute auf einer Pressekonferenz.

DFB-Chef Zwanziger: "Bundesverdienstkreuz für Hoyzer"
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DFB-Chef Zwanziger: "Bundesverdienstkreuz für Hoyzer"

Beim Revisionsverfahren am 5. Senat des Bundesgerichtshofs (BGH) in Leipzig hatten zuvor überraschend Oberstaatsanwalt Schneider wie die Verteidiger auf Freispruch für die Angeklagten plädiert. Damit können die Beschuldigten um Drahtzieher Ante Sapina, Hoyzer, Ex-Schiedsrichter Dominik Marks und Ex-Profi Steffen Karl darauf hoffen, dass ihre vom Landgericht Berlin ausgesprochenen Gefängnis- oder Bewährungsstrafen aufgehoben werden. Der BGH will seine Entscheidung am 15. Dezember verkünden. Prozessbeobachter halten es jedoch für wahrscheinlich, dass das Verfahren ans Berliner Landgericht zurückverwiesen und dann mit Hoyzer als Haupttäter neu eröffnet werden könnte.

Allerdings hofft Zwanziger, dass ein Freispruch für die Richter gar nicht in Frage kommt. "Es war naheliegend, dass es ein Freispruch wird, nachdem Oberstaatsanwalt und Anwälte einen Freispruch gefordert haben. Aber das Gericht hat sich zurückgezogen und wird sich Gedanken machen über die Tragweite einer solchen Entscheidung", sagte Zwanziger, für den ein Freispruch "ein Schlag ins Gesicht" für alle ehrlichen Menschen wäre. Die Urteile des DFB-Sportgerichts, das Hoyzer auf Lebenszeit gesperrt hatte, blieben laut Präsident Zwanziger in jedem Falle bestehen.

Horst Heldt, Teammanager des VfB Stuttgart, befürchtet eine "katastrophale Wirkung" auf den Fußball, wenn Hoyzer ohne Strafe davon kommen sollte. "Damit wären Manipulationsversuchen Tür und Tor geöffnet. So nach dem Motto: Versuchen wir's halt mal, es kann ja nichts passieren", sagte er. Heldt fordert, dass die mögliche Lücke im Strafgesetzbuch geschlossen wird: "Für den Fall, dass dieses Vergehen nicht geahndet werden würde, gehe ich zu 100 Prozent davon aus, dass der Gesetzgeber aktiv wird."

Juristisch umstritten ist bislang, ob Hoyzer und die anderen Beschuldigten tatsächlich einen Betrug im Sinne des Strafrechts begangen haben - und wer dadurch letztlich geschädigt worden ist. Es könne sich, so sagte BGH-Senatschef Clemens Basdorf der "Leipziger Volkszeitung", um "Betrug der manipulierenden Schiedsrichter zum Nachteil des DFB" handeln - oder um einen mittelbaren Betrug an den Zuschauern, die Tickets für ein faires Spiel bezahlt hätten.

all/sid/dpa



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