DFB-Präsident Zwanziger "Der Verband braucht Löw und Sammer"

Theo Zwanziger steht vor seiner Wiederwahl zum DFB-Präsidenten. Vor dem Bundestag des Verbands spricht er im Interview über die Regionalliga-Reform, die Vertragsverlängerung mit Joachim Löw und warum er glaubt, dass Matthias Sammer DFB-Sportdirektor bleiben wird.

DFB-Präsident Zwanziger: Kernaufgabe Nachwuchsförderung
dpa

DFB-Präsident Zwanziger: Kernaufgabe Nachwuchsförderung


Frage: Herr Zwanziger, am Freitag beim DFB-Bundestag in Essen werden Sie von den 260 Delegierten voraussichtlich wiedergewählt. Es gab zwischenzeitlich Rücktrittsgedanken. Warum haben Sie sich dennoch für eine weitere Kandidatur entschieden?

Zwanziger: Weil ich denke, dass ich durchaus noch einen Auftrag in diesem Verband erfüllen kann. Außerdem spüre ich, dass mir die Delegierten aus den Landesverbänden, die Mitglieder der Fußballfamilie weiterhin ein großes Vertrauen entgegenbringen. Mir ist es ein großes Anliegen, dass wir das, was der DFB in den vergangenen Jahren aufgebaut hat, mit einer Nachhaltigkeit versehen. Ich will gewisse Dinge unumkehrbar machen.

Frage: Was sind die Kernaufgaben für ihre voraussichtlich dritte Amtszeit?

Zwanziger: Oberste Aufgabe ist und bleibt natürlich die exzellente Nachwuchsförderung, damit die Nationalmannschaften der Männer und Frauen im internationalen Vergleich weiterhin erfolgreich abschneiden können. Wichtig ist es mir darüber hinaus, die gesellschaftlichen Themen nachhaltig fortzuführen. Dazu gehört ein klares Bekenntnis des Verbandes gegen Diskriminierung, der Einsatz für Integration, der Kampf gegen Manipulation und Korruption sowie Programme für Klima- und Umweltschutz.

Frage: Der Vertrag mit der sportlichen Leitung der Nationalmannschaft wurde verlängert. Matthias Sammer werden dagegen Rücktrittsgedanken nachgesagt. Gehen Sie davon aus, dass er seinen Posten als DFB-Sportdirektor in Kürze aufgibt?

Zwanziger: Wenn Sammer an einen Rücktritt denken würde, dann hätte er mir das gesagt. Ich weiß, dass er weiterhin großen Spaß an der Nachwuchsarbeit hat, das beschränkt sich nicht nur auf das Thema U21. Natürlich war es öffentlich interessant, als die beiden sportlich wichtigsten Köpfe des deutschen Fußballs über dieses Thema via Medien diskutierten. Aber der Verband braucht beide. Und ich wünsche mir, mit Löw und Sammer in Zukunft weiter erfolgreich zusammenarbeiten zu können.

Frage: Ein brisantes Thema ist weiterhin auch die Regionalliga-Reform. Angeblich haben sich Verband und Liga bereits auf den "Fünf-Punkte-Solidarpakt" von DFL-Präsident Reinhard Rauball geeinigt.

Zwanziger: Die Gespräche darüber laufen noch. Ich halte den Status quo der Amateurvereine nicht für angemessen. Die Vielzahl der zweiten Mannschaften der Proficlubs machten den Wettbewerb sehr schwierig und nicht immer ganz gerecht. Man hat da immer den Eindruck, einmal spielen sie mit der Mannschaft mit vielen Profis von oben, mal mit wenigen. Das ist dann nicht mehr gerecht. Wir wissen aber auch, wie wichtig das Zusammenspiel zwischen starken Amateurvereinen und zweiten Mannschaften ist. Neben den Bundesliga-Leistungszentren ist es für die zweiten Mannschaften auch wichtig, in einem hochklassigen Wettbewerb zu spielen.

Frage: Wie kann eine Lösung dann aussehen?

Zwanziger: Ich bemühe mich weiter um einen Konsens. Vielleicht brauchen wir noch etwas Zeit und müssen die Entscheidung deshalb vertagen und zu diesem Thema im ersten Halbjahr 2011 einen Außerordentlichen Bundestag abhalten. Wir werden nicht die Wünsche aller Vereine erfüllen können, aber wir wollen eine faire Lösung - so, wie wir es mit der dritten Liga geschafft haben. Aus Sicht der Amateurvereine ist es schwer nachzuvollziehen, wenn viele zweite Mannschaften im Wettbewerb vertreten sind. Deshalb bevorzugen wir eine breitere Lösung. Eine Aufstockung auf fünf Staffeln wäre schon ein Gewinn, nachdem die Liga aus drei Staffeln bestanden hat. Aber sie löst nicht alle Probleme in allen Bereichen.

Frage: Die zunächst geplatzte Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw sorgte Anfang 2010 für Unruhe. Wie bewerten Sie ihr Vorgehen mit etwas Abstand?

Zwanziger: Ich habe damals Vertragsunterlagen vorgefunden, die ich so nicht akzeptieren konnte. Ich habe aus meiner ersten Verärgerung heraus dann den Fehler gemacht, nicht zum Telefonhörer zu greifen und direkt das Gespräch mit Jogi Löw zu suchen. Dann wären einige Dinge sicherlich anders gelaufen. Wenn man eine Verlängerung ankündigt und sie dann nicht schafft, dann wird man zu Recht hart kritisiert. Was dann aber im Laufe der WM teilweise berichtet worden ist, beispielsweise, dass ich mich sogar über eine Niederlage der Nationalmannschaft freuen würde. Das war inakzeptabel, respektlos.

Das Interview führte Marc Schmidt, sid

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Seite 1
Viva24 21.10.2010
1. und das wichtigste GELD
So ein Blödsinn, Personen sind austauschbar,es sind ja keine Götter. Was wichtig ist, auch für den DFB: Geld, Geld und nochmals Geld!
reflexxion 21.10.2010
2. ohne Löws Nationalmannschaft, gäb es keinen Zwanziger mehr
Machen wir uns doch nichts vor, nur das gute Abschneiden bei der WM macht eine weitere Amtszeit für Zwanziger möglich. Es sieht auch von außen nicht danach aus, als sei der jetzt mit Löw und Bierhoffgeschlossene Vertrag wirklich dramatisch anders als genau das, was Bierhoff damals gefordert hatte. Zwanziger weiß das auch sehr genau. Was aus Sammer wird ist den meisten Fußballfans ziemlich egal, ob er weitermacht oder in Kasachstan im Stadion grüne statt blauer Sitze sind, ist doch ziemlich egal. Das ungeheuer schöne und erfolgreiche Spiel der Herren in Südafrika hat dem deutschen Fußball und seinen Funktionären gleichermaßen geholfen. Da muß man auch kein Weltmeister werden, um beleibt zu sein. Andererseits wird es kaum wen interessieren, wenn die Frauen in 2011 im eigenen Land den Titel gewinnen würden. Frauenfußball mag für die Sportlerinnen wichtig sein, zuschauen will ich da aber trotzdem nicht. Synchronschwimmen für Herren wäre ähnlicher Unfug.
saddamatus, 21.10.2010
3. jojo
"Ich habe damals Vertragsunterlagen vorgefunden, die ich so nicht akzeptieren konnte. Ich habe aus meiner ersten Verärgerung heraus dann den Fehler gemacht, nicht zum Telefonhörer zu greifen und direkt das Gespräch mit Jogi Löw zu suchen." Er hat vergessen, zu erwähnen, dass er keine Hand mehr frei hatte, weil er zum Telefonhörer gegriffen hatte, um direkt das Gespräch über die Vertragsinhalte mit Bild zu suchen?
seppiverseckelt 21.10.2010
4. Nein-wirklich Nicht ! ...
Zitat von reflexxionMachen wir uns doch nichts vor, nur das gute Abschneiden bei der WM macht eine weitere Amtszeit für Zwanziger möglich. Es sieht auch von außen nicht danach aus, als sei der jetzt mit Löw und Bierhoffgeschlossene Vertrag wirklich dramatisch anders als genau das, was Bierhoff damals gefordert hatte. Zwanziger weiß das auch sehr genau. Was aus Sammer wird ist den meisten Fußballfans ziemlich egal, ob er weitermacht oder in Kasachstan im Stadion grüne statt blauer Sitze sind, ist doch ziemlich egal. Das ungeheuer schöne und erfolgreiche Spiel der Herren in Südafrika hat dem deutschen Fußball und seinen Funktionären gleichermaßen geholfen. Da muß man auch kein Weltmeister werden, um beleibt zu sein. Andererseits wird es kaum wen interessieren, wenn die Frauen in 2011 im eigenen Land den Titel gewinnen würden. Frauenfußball mag für die Sportlerinnen wichtig sein, zuschauen will ich da aber trotzdem nicht. Synchronschwimmen für Herren wäre ähnlicher Unfug.
Um bel-ei-bt zu sein reicht es aus tüchtig zu futtern! Ob Man(n) dann allerdings grössere Chancen hat, Fussballweltmeister zu werden wage ich zu bezweifeln !
n.holgerson 22.10.2010
5. ....
Zitat von Viva24So ein Blödsinn, Personen sind austauschbar,es sind ja keine Götter. Was wichtig ist, auch für den DFB: Geld, Geld und nochmals Geld!
Stimmt, weil man ja beim DFB soviel verdient! Löw z.B. verdient nicht viel mehr als ein Bundesligatrainer. Oder glauben sie Zwanziger verdient zu viel. Wie viel ist es denn? Nur falls sie es vergessen haben, der DFB ist keine Firma, bei der Geld ausgezahlt wird! Also, der DFB ist also böse weil der Geld verdient, nur schreiben sie doch mal, wo das Geld bleibt. Und bringen sie die Sache dann bitte auch in den Einklang mit dem Sachverhalt "DFB größter Sportverband der Welt"....
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