Zehn Jahre nach Suizid von Robert Enke DFB-Psychologe würde aktiven Spielern abraten, Depressionen öffentlich zu machen

DFB-Psychologe Hans-Dieter Hermann spricht im SPIEGEL über seine letzte Begegnung mit Nationaltorwart Robert Enke vor dessen Suizid und erklärt, warum das öffentliche Sprechen über Depressionen Profis noch immer schaden kann.
Hans-Dieter Hermann

Hans-Dieter Hermann

Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images

Der Teampsychologe der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, Hans-Dieter Hermann, würde Fußballern zehn Jahre nach dem Suizid von Robert Enke davon abraten, bei einer Depressionserkrankung an die Öffentlichkeit zu gehen. Das sagte der 59-Jährige dem SPIEGEL. Er würde Spielern empfehlen, es nicht zu tun, einen Rat suchenden Profi aber "unterstützen, wenn er glauben würde, dass es ihm gut täte, an die Öffentlichkeit zu gehen".

Man dürfe den Spitzensport nicht verniedlichen, sagt Hermann. "Es geht dabei um die Auswahl der Besten, und es kann durchaus sein, dass ein öffentliches Sprechen über die eigene Depression Manager von einer Verpflichtung abhalten könnte."

Hermann spricht im SPIEGEL über den Suizid Enkes und ein Gespräch, dass er mit dem Torhüter Anfang September 2009 geführt hatte. "Ich habe ihm angeboten, ihn zu unterstützen und für ihn den Kontakt zu einem Psychotherapeuten herzustellen. Robert aber hat mir geantwortet, dass ich komplett auf dem Holzweg sei. Dass er und seine Frau wieder ein Kind adoptiert hätten. Er sagte: 'Das Leben ist gerade ganz wunderbar.'"

Am 10. November 2009 nahm sich Robert Enke das Leben.

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