Sportschule Kaiserau Sexskandal im Nationalmannschaftsquartier

Der Direktor der Sportschule Kaiserau soll Mitarbeiterinnen begrapscht und mit Penis-Fotos belästigt haben. Der Fußballverband Westfalen trennte sich von ihm per Auflösungsvertrag. Danach kam er zunächst beim DFB unter.

Carsten J.
Getty Images

Carsten J.

Von , und


Die Pressemitteilung war ebenso blumig wie rätselhaft. Am 13. Oktober 2016 meldete der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) das Ausscheiden des langjährigen Direktors der Sportschule Kaiserau, in der sich erst kürzlich die deutsche Nationalelf auf das Spiel gegen England vorbereitete. Von einem persönlichen Schicksalsschlag war die Rede. Ein Schritt, der auch die Spitze des Verbands überrascht habe. Dem SPIEGEL vorliegende Dokumente und Fotos legen den Verdacht nahe, dass dies bestenfalls nur die halbe Wahrheit ist.

Mehrere Mitarbeiterinnen hatten sich im vergangenen Herbst beim Betriebsrat und bei Verbandschef Gundolf Walaschewski über sexuelle Belästigungen durch den Direktor Carsten J. beschwert, der die Schule seit 2003 führte. Sie untermauerten ihre Vorwürfe mit E-Mails, Chatprotokollen und Penis-Fotos, die der Direktor ihnen geschickt haben soll. Eine der Frauen ließ ihre Anschuldigungen per Anwalt vortragen. Der brachte in seinem Schreiben auch die anzüglichen Fotos zur Sprache sowie Grapschereien an Oberschenkel und Po und forderte, dass seine Mandantin künftig "ihrer Arbeit unbelästigt" nachgehen kann.

Direktor J. antwortete ebenfalls per Anwalt. Wörtlich heißt es: "Zu erneuten Verhaltensweisen der von Ihnen aufgezeigten Art wird es nicht wieder kommen." Gegenüber dem SPIEGEL erklärte J.s Anwalt: "Keinesfalls ist diese Einlassung als Eingeständnis sexueller Übergriffe zu verstehen." Er bestreitet alle Vorwürfe übergriffigen Verhaltens.

Dennoch schlossen der Verband und Carsten J. einen Auflösungsvertrag - angeblich sogar mit einer Abfindung von rund 120.000 Euro. Dabei hatte der westfälische Verbandschef Anfang Oktober DFB-Präsident Reinhard Grindel informiert, am Rande des Länderspiels Deutschland gegen Tschechien in Hamburg, wie DFB-Kommunikationsdirektor Ralf Köttker dem SPIEGEL bestätigte: Walaschewski habe Grindel "die im Raum stehenden Vorwürfe in groben Zügen skizziert". Der Vorgang sei "bereits aufgearbeitet, der Mitarbeiter freigestellt". Man werde sich von ihm trennen.

Dennoch bekam Carsten J. kurze Zeit später einen Job vom DFB. Für die Zentrale sollte er die Verwendung jener Gelder prüfen, die der DFB an die Landesverbände verteilt. DFB-Sprecher Köttker bestätigt dies, legt aber Wert auf die Feststellung, dass Carsten J. kein Angestellter des DFB gewesen sei, sondern in einem mittlerweile abgeschlossenen Projekt gearbeitet habe. Den Job habe er vom "zuständigen Direktor Amateurfußball" erhalten. "Der DFB-Präsident wurde nicht einbezogen" und hätte "der Beauftragung auch klar widersprochen".



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.