Fotostrecke

Deutschland vs. Türkei: Klose per Kopf, Özil mit Köpfchen

Foto: Britta Pedersen/ dpa

DFB-Sieg gegen die Türkei FC Bayern Deutschland

Nationalmannschaft macht müde Münchner munter: Beim DFB-Erfolg gegen die Türkei brillierten vor allem die Profis des krisengeplagten FC Bayern. Doppeltorschütze Miroslav Klose spielte mindestens eine Klasse besser als in der Bundesliga. Mesut Özil hatte trotz seines Treffers einen schweren Abend.

Die befürchteten Berliner Verkehrsprobleme hatten sich nach 79 Minuten erledigt. Als der Ball zum 2:0 im Netz des türkischen Schlussmanns Volkan lag, war klar: In dieser Nacht wird es keinen Autokorso auf dem Kurfürstendamm oder in der Oranienstraße in Kreuzberg mehr geben. Die Erleichterung darüber war so manchem deutschen Fan an der Miene deutlich abzulesen. Und dass es ausgerechnet Mesut Özil war, der den Türken in der EM-Qualifikation beim 3:0-Erfolg vom Freitagabend den K.o.-Schlag versetzte, verlieh den Gesichtern der Deutschland-Anhänger noch einen leicht verklärten Ausdruck.

Özil

Für Özil, dessen Einsatz gegen Kasachstan am Dienstag (19 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) trotz einer Knöchelprellung möglich scheint, war es zuvor ein schwerer Abend gewesen. So schwer, dass auch das Tor ihm keine rechte Genugtuung mehr verschaffen konnte. Tagelang war im Vorfeld fast nur über den 21-Jährigen geschrieben worden, über seine Entscheidung, für Deutschland zu spielen und nicht für die Türkei, das Land seiner Eltern. Man konnte das Gefühl bekommen, in Berlin habe die Europäische Fußball-Union (Uefa) nicht die Partie Deutschland gegen die Türkei angesetzt, sondern gegen die Türkei.

Die gut 40.000 türkischen Fußballfans, die das Olympiastadion in eine beeindruckende rote Symphonie verwandelten, machten dem Mittelfeldspieler von Real Madrid bei jedem Ballkontakt deutlich, was sie von seiner beruflichen Lebensentscheidung hielten: nichts. Immer wenn Özil nur in die Nähe des Balls geriet, schwoll der Lärmpegel im Stadion zu einem imponierenden Pfeifkonzert an. Selbst bei dem banalen Werbespot der DFB-Elf für einen Nuss-Nougat-Aufstrich, der vor dem Anpfiff über die Großbildleinwand flimmerte, wurde Özil vergebungslos ausgebuht, als er sich auf dem Bildschirm eine Brotschnitte gönnte.

Fotostrecke

DFB-Einzelkritik: Klose trifft doppelt, Podolski nur den Himmel

Foto: Alex Grimm/ Bongarts/Getty Images

Auf der einen Seite Mesut Özil, der türkischstämmige Junge aus dem Pott, der jetzt für Deutschland spielt. Ihm gegenüber Nuri Sahin, auch ein Kind des Ruhrgebietsfußballs, aber im Trikot der Türkei und dazu derzeit einer der Stars der Bundesliga - das Duell dieses Spiels schien vor dem Anpfiff schon erzählt zu sein. Aber das Drehbuch der Partie hielt sich nicht an die Vorgaben. Die zwei Jungstars waren lediglich Nebendarsteller der 90 Minuten von Berlin. Özil lieferte trotz seines Tores eine bestenfalls durchschnittliche Leistung ab. Sahin gehörte auf türkischer Seite sogar zu den schwächsten Spielern. Beiden hat man mit dem Druck, der im Vorfeld auf sie aufgebaut worden war, keinen Gefallen getan.

Löw zufrieden mit dem Charaktertest

Vor allem dem Dortmunder Sahin merkte man an, dass die Belastung, ein ganz besonderes Spiel abliefern zu müssen, zu viel für ihn war. "Die 90 Minuten waren eine gute Lehre für ihn", sagte sein Nationaltrainer Guus Hiddink anschließend altväterlich, schließlich ist der niederländische Coach der Türken mit seinen 63 Jahren nicht nur über 40 Jahre lebenserfahrener als Sahin, sondern hat im Fußball ungefähr schon alles gesehen, was es zu sehen gab.

So einer wie Hiddink hat es nicht mehr nötig, Niederlagen schönzureden: "Dieses Ergebnis geht sehr in Ordnung", befand der Fußball-Weitgereiste, der vor den Türken schon die Niederländer, Südkoreaner, Australier und Russen trainiert hat. Man habe gesehen, dass "das deutsche Team in allen Bereichen des Fußballs gut ist".

Sein Kollege, Bundestrainer Joachim Löw, war denn auch nach der bestandenen Charakterprobe von Berlin "sehr, sehr zufrieden" mit dem, was er zuvor 90 Minuten lang gesehen hatte. Sein Team habe eine "Top-Laufleistung" abgerufen und "ungeheure Willenskraft" demonstriert. Wobei es auch ohne den verletzten Bastian Schweinsteiger vor allem die Spieler des FC Bayern München waren, die das Spiel zugunsten der DFB-Elf entschieden. Eben jene Spieler, die im Verein seit Wochen nicht nur ihrer Form, sondern auch Erfolgserlebnissen hinterherlaufen.

Miroslav Klose

Nicht allein auf den zweifachen Torschützen trifft das zu, der auf wundersame Weise in der Nationalelf zu einem anderen Spielertyp wird und nun seine erstaunliche Länderspielbilanz auf 57 Treffer nach oben geschraubt hat: Auch Kloses Bayern-Kollegen Thomas Müller und Philipp Lahm zählten zu den Aktivposten der Mannschaft, beide zeichneten sich als Torvorbereiter aus, Lahm war zudem auf seiner rechten Abwehrseite bissig und zweikampfstark wie zu den allerbesten Tagen, und Müller war eben Thomas Müller. Der Gaudibursch, der Unbeschwerte, der WM-Torschützenkönig, der aus dem Nichts kam. Es war wieder so ein Abend, der die Großmutter Müllers gefreut haben dürfte.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.