DFB-Sieg gegen Zypern Die Verwandlung des Lukas P.

Neues Glück auf neuer Position: Beim Erfolg der DFB-Elf gegen Zypern überragt Lukas Podolski als Mittelfeldspieler - und könnte sich bald ein Duell mit seinem besten Freund liefern. Jens Lehmann überzeugt auch ohne Spielpraxis, nur die Abwehr leidet an Konzentrationsschwächen.

Es waren noch genau acht Minuten zu spielen in dieser kalten Nacht von Hannover, als feststand, dass die engste Freundschaft im deutschen Fußball demnächst auf eine harte Probe gestellt werden könnte. Der linke Mittelfeldspieler im DFB-Team hatte einen flachen Pass auf der linken Seite zunächst schlampig mitgenommen, kurz innegehalten und sich dann entschieden, auf zwei Verteidiger zuzulaufen. Was folgte, waren ein gewonnener Zweikampf und eine Flanke, die das 4:0 vorbereitete. Der Mittelfeldmann hatte dieses Spiel endgültig zu seiner ganz eigenen Show gemacht.

Später sitzt Lukas Podolski im viel zu kleinen Presseraum der AWD-Arena und sagt, dass er gerne im Mittelfeld spiele. Man würde sich jetzt gern in einem dieser Bundesliga-Sonderhefte vergewissern, dass Podolski doch eigentlich Stürmer ist. Oder Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld anrufen. Dann sorgt Podolski selbst für Aufklärung und datiert seine letzten Mittelfelderfahrungen in die Jugend und die Anfangsjahre als Profi beim 1. FC Köln ("Da habe ich hinter Andrej Woronin gespielt"). Ist er also doch Stürmer? Sicher sein kann man sich nach dem 4:0 (2:0)-Erfolg gegen Zypern nicht mehr.

Am stärksten im vollen Lauf gegen die Abwehr

Selten hat sich ein Spieler des DFB in jüngster Vergangenheit so schnell von seiner "angestammten Position" emanzipiert wie Lukas Podolski gegen Zypern. Er, der in der Nationalmannschaft doch eigentlich als ideale Ergänzung zu Miroslav Klose galt, obwohl dieser sich selbst gern zurückfallen lässt. Dessen Torquote (24 Treffer in 43 Spielen) in der DFB-Elf phantastisch ist, dem beim FC Bayern aber Luca Toni vorgezogen wird, weil der Italiener als Stoßstürmer viel besser zu Klose passt. Und war es nicht bekannt, dass Podolski "am stärksten ist, wenn er in vollem Tempo auf die Abwehr zulaufen kann", wie es Bundestrainer Joachim Löw ausdrückt? Dass er Raum braucht für sein Spiel und das Feld lieber vor sich hat, als mit dem Rücken zum Tor zu stehen?

Auch Löw wird diese Fragen mit Ja beantworten, aber es dauerte bis zum vorletzten EM-Qualifikationsspiel, bis der Bundestrainer einen Test unter Wettbewerbsbedingungen wagte. Notwendig gemacht (oder ermöglicht) hatte diese Entscheidung ironischerweise nicht zuletzt die Verletzung Bastian Schweinsteigers, Podolskis bestem Freund und Teamkollegen in München. Was dazu führen kann, dass sich demnächst sowohl im Verein als auch im DFB-Team zwei um eine Position streiten könnten, die sich bisher lieber die Bälle auf dem Platz zuspielten. Podolski warnt zwar davor, schon nach einem Spiel von einer "neuen Position zu sprechen", aber er kann sich sehr wohl vorstellen, langfristig links offensiv aufzulaufen. Vorerst will er "abwarten, ob der Trainer gegen Wales genauso aufstellt".

Der Bundestrainer ("Podolski ist im linken Mittelfeld auf jeden Fall eine Alternative") dürfte sich am kommenden Mittwoch zum Abschluss des Länderspieljahres schwer dazu durchringen, auf den Außenbahnen etwas zu verändern. Clemens Fritz machte rechts das beste seiner zehn Länderspiele, erzielte das 1:0 per Kopf (nach Vorlage von Podolski) und bereitete das 2:0 durch Klose vor. Auf der Gegenseite spielten Philipp Lahm und Podolski so viele schnelle Doppelpässe, dass der Arbeitstag des zypriotischen Rechtsverteidigers Theodotou bereits nach 27. Minuten wegen psychischer Überlastungssymptome beendet war. "Über beide Außen waren wir immer gefährlich", lobte Löw.

Konzentrationsschwächen in der Abwehr

Doch trotz des deutlichen Ergebnisses und bisweilen herausragender Spiel- und Kombinationsfreude wollte der Bundestrainer nicht nur Lob verteilen. Er hätte sich in einigen Situationen "mehr Tempo" gewünscht, so Löw, "und durch Abspielfehler haben wir Chancen zugelassen". Zu offensichtlich waren auch die Konzentrationsschwächen in der Abwehr, die sich in persona Arne Friedrich und Christoph Metzelder zweimal von Aloneftis überlaufen ließ. Die Fehler der beiden indisponierten Viererkettenmitglieder blieben aber ohne Folgen, weil die Gäste mindestens ebenso unkonzentriert waren wie ihre Gegenspieler. Und weil Jens Lehmann mit zwei herausragenden Paraden laut Löw erneut "außergewöhnliche Klasse" bewies - und das trotz fehlender Spielpraxis im Verein.

Und so brachte der unterhaltsame Abend letztlich mehr beruhigende als beängstigende Erkenntnisse: Das Debakel gegen Tschechien (0:3) ist abgehakt, eine Torwartdiskussion wird es vorerst nicht geben, und Deutschland wird die EM-Qualifikation als Gruppensieger abschließen. Jedenfalls prophezeit das Joachim Löw, der nicht glaubt, "dass Tschechien am Mittwoch in Zypern gewinnt".

Und Lukas Podolski? Der schoss das 3:0. Er trifft also auch als Mittelfeldspieler.

Deutschland - Zypern 4:0 (2:0)
1:0 Fritz (2.)
2:0 Klose (20.)
3:0 Podolski (53.)
4:0 Hitzlsperger (82.)
Deutschland: Lehmann - Arne Friedrich, Mertesacker, Metzelder, Lahm - Hitzlsperger, Fritz (77. Hilbert), Podolski, Trochowski (66. Borowski) - Gomez (72. Hanke), Klose.
Zypern: Georgallidis - Theodotou (27. Nikolaou), Christou, Lambrou, Garpozis - Charalambidis (46.Theofilou), Satsias, Makridis, Aloneftis - Okkas, Constantinou (69. Yiasoumis).
Schiedsrichter: Peter Rasmussen (Dänemark)
Zuschauer: 45.016 (ausverkauft)

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