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3:1-Sieg über Polen Sabbatical beendet

Das war mal wieder die deutsche Fußballnationalelf, wie man sie aus ihren besten Tagen kennt: Gegen die starken Polen hat die Mannschaft von Joachim Löw ihre alten Qualitäten gezeigt und alle Zweifel an der Qualifikation beseitigt.

Dies werde ein "heißer Herbst" für die Nationalmannschaft, hatte der Bundestrainer noch vor dem Spiel gegen Polen vorhergesagt. Nach der Partie wird Joachim Löw seine meteorologische Prognose korrigieren dürfen: Dieser Herbst wird nicht heiß werden, er wird ganz normal mitteleuropäisch kühl verlaufen. Mit dem hochverdienten 3:1-Erfolg über den bisherigen Gruppenersten Polen hat die DFB-Elf jegliche Zweifel an einer erfolgreichen EM-Qualifikation zerstreut. Die Dominanz ist zurück, der Weltmeister hat sein sportliches Sabbatical aus den Vormonaten beendet.

"Es gab von Anfang an nur ein Ziel: dieses Spiel zu gewinnen und die Tabellenführung zu erobern", sagte Löw, und die Entschlossenheit, die aus diesem Satz klingt, hat er an sein Team weitergeben können. Von der ersten Minute an war klar: Diese Mannschaft kennt kein Zaudern, kennt keine Zweifel. Und auch wenn die Polen weit offensiver und selbstbewusster auftraten, als viele erwartet hatten, machten Thomas Müller (12.) und Mario Götze (19.) mit ihren Treffern schon ganz früh klar, wer Herr im Haus ist.

Über Götze, der mit seinem zweiten Tor zum 3:1 in der 82. Minute den Deckel auf der Partie schloss, sprachen nach dem Spiel alle. Tatsächlich hatte der Münchner mit einem starken Auftritt Antwort auf die vielen Fragen um seine gegenwärtige Verfassung gegeben. Aber es waren dennoch andere, die diesem Spiel Schwung verliehen. Und genau den brauchte die DFB-Elf, um nach etwas mehr als einem Jahr sportlichen Mittelmaßes wieder den Glanz von Rio zu verbreiten.

Hector spielt sich auf der linken Abwehrseite fest

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Deutschland gegen Polen: Mario im Glück

Foto: Dennis Grombkowski/ Bongarts/Getty Images

Der Kölner Jonas Hector zum Beispiel, der die leidige Diskussion um die Position des linken Außenverteidigers zumindest vorläufig beenden könnte. Hector hatte starke Szenen in der Offensive, war an der Vorbereitung beider früher Tore beteiligt und hatte sich das Lob des Bundestrainers redlich erworben: Der 23-Jährige besteche durch "sein klares, einfaches Spiel", sagte Löw anschließend. Noch ein paar Länderspiele dieser Qualität - und die Kölner dürfen sich durchaus Sorgen machen, wie lange ihr Nationalspieler noch beim FC verbleiben wird.

Oder Toni Kroos, der die Bälle so elegant und umsichtig verteilte, wie man das zuletzt von ihm in Brasilien gesehen hatte. "Wir hätten noch ein paar Tore mehr schießen können, aber wir haben das schon ganz gut gemacht", blieb der Real-Spieler, der sonst die Gabe des Selbstlobs durchaus beherrscht, betont zurückhaltend.

Schließlich gab es bei aller Souveränität, bei aller Kombinationsfreude auch Dinge, die Löw nicht so gut gefallen haben. Nachdem die Polen durch Robert Lewandowski, wen sonst, auf 1:2 herangekommen waren, hatte der Sieg durchaus eine Zeit lang auf der Kippe gestanden. Lewandowski hatte noch zwei weitere Großchancen in der ersten Hälfte, nach der Pause vergab Kamil Grosicki eine klare Torgelegenheit zum möglichen 2:2. "Da haben wir uns durch eigene Fehler selbst in Schwierigkeiten gebracht", befand Löw, die polnischen Chancen seien allein durch Fahrlässigkeit seiner Elf beim Abspiel ermöglicht worden.

Debütant Can wirkte etwas übereifrig

Tatsächlich hatte vor allem Debütant Emre Can noch mit seinem Übereifer zu kämpfen gehabt, und auch Mats Hummels hatte man schon erheblich abgeklärter erlebt als am Freitag.

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Einzelkritik Polen: Lewandowski. Und sonst?

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Angesichts des Sieges konnte Löw dies alles mehr oder weniger locker abhaken. Viel wichtiger war für ihn die Erkenntnis, dass seine Weltmeister-Spieler zur Stelle sein können, wenn sie wirklich gefordert sind. Ab sofort kann der Bundestrainer alle Planungen für die EM ernsthaft und ohne schlechtes Gewissen vorantreiben. Die kommenden Gegner Schottland (am Montag um 20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), das sich am Freitag eine peinliche Niederlage in Georgien leistete, und Irland, vor dem Polenspiel noch gefährliche Konkurrenz, schrumpfen plötzlich wieder aufs Normalmaß zurück.

So erlebten Trainer, Mannschaft und Publikum nach langer Zeit mal wieder einen nahezu ungetrübten Abend, an dem die ausgelassene Stimmung auf den Rängen auch ohne jedes angestrengte Marketing-Bemühen des DFB aufkommen konnte. Und spätestens als in der 90. Minute Lukas Podolski gegen seinen Gegner des Herzens auch noch für eine Minute zu seinem mittlerweile 126. Einsatz kommen durfte, war der Abend rund.

Nach der bevorstehenden Aufgabe in Glasgow gegen die Schotten befragt sagte der Bundestrainer den selbstgewissen Satz: "Wir werden dieses Spiel gewinnen." Einen Satz, den man von ihm ein Jahr lang nicht gehört hatte.

Deutschland - Polen 3:1 (2:1)
1:0 Müller (12.)
2:0 Götze (19.)
2:1 Lewandowski (36.)
3:1 Götze (82.)
Deutschland: Neuer - Can, Boateng, Hummels, Hector - Schweinsteiger, Kroos - Müller, Özil, Bellarabi (ab 53. Gündogan - Götze (ab 90.+1 Podolski)
Polen: Fabianski - Piszczek (ab 43. Olkowski), Szukala, Glik, Rybus - Jodlowiec, Krychowiak - Maczynski (ab 63. Blaszczykowski), Grosicki (ab 83. Peszko) - Lewandowski, Milik
Schiedsrichter: Nicola Rizzoli (Italien)
Zuschauer: 48.500 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Kroos, Schweinsteiger - Rybus, Grosicki

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