Sonderflug zum WM-Finale nach Rio Neue Reiseaffäre beim DFB

Per Sonderflug zum WM-Finale in Rio - und das kostenfrei: Vorstands- und Ehrenmitglieder des Deutschen Fußball-Bunds durften 2014 auf Verbandskosten reisen. Für den DFB kann das gefährlich werden.

Deutsche Fans bei der WM 2014
FRANCOIS XAVIER MARIT/ POOL/ AFP

Deutsche Fans bei der WM 2014


Mitglieder des Vorstands und Ehrenmitglieder des DFB sind 2014 mit einem Lufthansa-Sonderflug in der Businessclass gratis zum WM-Finale nach Brasilien gereist. Auch Angestellte des DFB durften mitfliegen. Im Gegensatz zu den Spitzenfunktionären mussten sie ihre Tickets in der Economy Class jedoch selbst bezahlen. Hier lesen Sie die ganze Geschichte.

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Heft 19/2019
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Das DFB-Reisebüro hatte kurzfristig die Reise nach Brasilien organisiert. Am 7. Juli 2014, einen Tag vor dem Halbfinale der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien, hatte der damalige Generalsekretär Helmut Sandrock an die Mitglieder des DFB-Vorstands und alle DFB-Ehrenmitglieder geschrieben: Sollte Deutschland das Finale erreichen, "möchten wir Sie mit heutigem Schreiben einladen, das Endspiel im Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro live zu erleben". Neben den Kosten für den Flug bezahlte der Verband seinen Spitzenfunktionären das Finalticket, Kategorie 1, Preis: 750 Euro.

Auch in Rio war für Businessclass-Service gesorgt. "Nach der Landung erfolgt der Transfer zur Get-together-Location Terraço Lagoa mit Blick auf den Corcovado, unweit vom Strand Ipanema", heißt es in den Reiseunterlagen. Dort konnten sich die DFB-Funktionäre dann ein wenig frisch machen und ausruhen. "Nach der langen Anreise stehen Ihnen Duschen und Sonnenliegen ganztägig zur Verfügung."

Im Gegensatz zu den Ehrenamtlichen mussten die Angestellten des DFB rund 2000 Euro für die Reise aus eigener Tasche bezahlen.

Die Spontan-Sause der Spitzenfunktionäre gefährdet die Gemeinnützigkeit des Verbands, und sie kann für den DFB aus steuerrechtlichen Gründen noch gefährlicher werden als die Reiseaffäre des Präsidiums zu WM- und EM-Turnieren, wegen derer die Staatsanwaltschaft Frankfurt ein Vorermittlungsverfahren eingeleitet hat. Denn um die Präsidiumsreisen als dienstlich notwendig zu tarnen, hatte die DFB-Spitze an den jeweiligen Reisezielen offizielle Sitzungen anberaumt und abgehalten. Auch eine Fan-Reise der Vorstandsmitglieder zur EM 2016 in Frankreich war mit einer "außerordentlichen Sitzung des DFB-Vorstands" im Pariser Luxushotel Hilton Opera camoufliert worden. Beim Kurztrip an die Copacabana aber gab es Vergnügen pur.

Zu den Einzelheiten der Reise, insbesondere zu den steuerlichen Aspekten, blieb der Verband Antworten schuldig, obwohl der SPIEGEL danach ebenso detailliert gefragt hatte wie nach der Höhe der Kosten der Reise für Vorstands- und Ehrenmitglieder. "Das WM-Finale 2014 in Rio war das größte sportliche Ereignis für den deutschen Fußball in den vergangenen Jahrzehnten", so das DFB-Presseteam. "Gerade bei einem außergewöhnlichen Ereignis wie einem WM-Finale mit deutscher Beteiligung gehört die Anwesenheit der höchsten Repräsentanten des DFB wie den Mitgliedern des DFB-Vorstandes zu deren satzungsgemäßen Aufgaben."

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amp/gla/js



insgesamt 58 Beiträge
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blaacki 03.05.2019
1. und?
ich finde es ok, dass der dfb das bezahlt. man kann es auch übertreiben.
ollimorp 03.05.2019
2.
"Gerade bei einem außergewöhnlichen Ereignis wie einem WM-Finale mit deutscher Beteiligung gehört die Anwesenheit der höchsten Repräsentanten des DFB wie den Mitgliedern des DFB-Vorstandes zu deren satzungsgemäßen Aufgaben." Eine Notwendigkeit von Luxus bei Reise und Unterkunft zweifle ich mal stark an, die Notwendigkeit der Anwesenheit steht, in meinen Augen, allerdings außer Frage
axel.hag 03.05.2019
3. DFB Standard
In Zeiten der Vorbereitung der WM in Japan flog ich Bretterklasse, Fußballprominenz nahm die Treppe nach oben zur First Class der LH 747. Außer mir nahm offensichtlich keiner Anstoß daran- damals.
schallmauer 03.05.2019
4. So kann das mit dem Profifußball nicht mehr weiter gehen
Der DFB muss in ein Profilager und ein gemeinnütziges Amateurlager gesplittet werden. Das Profilager sollte dann 80 % der Erlöse an die Amateure überweisen. Die restlichen 20% verbleiben im Profiberich. Dieser wird als normale, regelgebundene GmbH geführt. Dann kommt wieder Anordnung in diesen Selbstbedienungsladen.
LuPy2 03.05.2019
5. Oh, oh,
da werden demnächst wohl einige Frankfurter Finanzbeamte per Dienstanweisung zur betrieblich-psychologischen Untersuchung beordert, um ihnen Dienstunfähigkeit zu bescheinigen. Haben wir alles so schon in Frankfurt gehabt. Kann ja nicht sein, dass der epische Triumph von 2014 irgendwelche Makel bekommt! Immer diese Nestbeschmutzer! (Sommermächen 2006 für Kinder, die an Märchen glauben)
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