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Mesut Özil: Vom Pott über Werder zu Real

Foto: Martin Meissner/ AP

DFB-Spieler Özil "Ich habe einfach auf Durchzug geschaltet"

Durch die WM ist Mesut Özil zu einem Schlüsselspieler der Fußball-Nationalmannschaft aufgestiegen. Im Interview spricht der Mittelfeldstar mit türkischen Wurzeln über Sport als Integrationshilfe, Anfeindungen auf dem Platz - und seine Entscheidung, für Deutschland zu spielen.

Frage: Sie sind in Gelsenkirchen geboren und aufgewachsen. Wie haben Sie Ihre Jugend in der recht rauen Ruhrpott-Stadt erlebt?

Özil: Wir hatten eine sehr nette und lustige Zeit. Das Ruhrgebiet hat ja auch einige grüne Flecken und als Jugendlicher ist man viel mit seinen Freunden unterwegs.

Frage: Gab es aufgrund Ihrer türkischen Herkunft Anfeindungen von Mitschülern?

Özil: Definitiv nicht. So etwas ist mir zum Glück erspart geblieben.

Frage: Wurden Sie als Jugendlicher aufgrund Ihrer Herkunft beim Fußball beleidigt?

Özil: Das war glücklicherweise nur sehr selten im Spiel der Fall. Wenn, dann waren es ein paar dumme Sprüche. Ich hab dann einfach auf Durchzug geschaltet.

Frage: Inwieweit hat der Fußball zur Integration bei Ihnen persönlich und bei anderen ausländischen Mitspielern beigetragen, mit denen Sie im Laufe Ihrer Karriere gespielt haben?

Özil: Ich glaube, dass der Fußball eine sehr große Rolle in der Gesellschaft spielt. Der hohe Unterhaltungswert, die große Medienaufmerksamkeit, die vielen Zuschauer - all das führt automatisch zu einer besseren Integration.

Frage: Haben Sie in der Bundesliga rassistische Äußerungen von den Rängen abbekommen?

Özil: Noch nie.

Frage: Was kann der DFB tun, um das Thema Rassismus in und um die Stadien noch nachhaltiger zu bekämpfen?

Özil: Ich denke, dass es weltweit einzigartig ist, was der DFB bisher getan hat. Die vielen Aktionen gegen Rassismus haben gezeigt, dass der DFB hier auf dem richtigen Weg ist. Diesen sollte der Verband konsequent weitergehen.

Frage: Wie sollte die Fifa auf rassistische Äußerungen beim Fußball reagieren? Mit Spielabbrüchen? Geldstrafen? Platzsperren?

Özil: Die Fifa hat da bisher gut reagiert und es gut gelöst. Ich denke, es macht die Mischung. Grundsätzlich ist Prävention aber sicher sinnvoller als Bestrafung.

Frage: Sie haben sich gegen eine Karriere in der türkischen Nationalmannschaft entschieden. Wie ist die Entscheidung in der Türkei aufgenommen worden?

Özil: Die türkischen Fans sind extrem fußballverrückt - im positiven Sinne. Am Anfang haben natürlich einige überreagiert, aber das hat sich schnell gelegt. Sie respektieren meine Entscheidung und unterstützen mich weiterhin.

Frage: Warum haben Sie sich für die deutsche Nationalmannschaft entschieden?

Özil: Ich lebe in der dritten Generation in Deutschland und habe meine ersten Länderspiele in den U-Nationalmannschaften von Deutschland absolviert und daher war es für mich immer klar, dass ich für Deutschland spiele.

Frage: Was gefällt Ihnen besonders an der Türkei, was mögen Sie an Deutschland?

Özil: Die deutsche Disziplin in der Verbindung mit den positiven südländischen Charakterzügen ergibt meiner Meinung nach eine ideale Mischung (lacht).

Frage: Würden Sie der These zustimmen, dass Fußball eine der effektivsten Integrationsmöglichkeiten ist?

Özil: Auf jeden Fall.

Frage: Sollte im Schulsport der Schwerpunkt nicht noch weiter auf Fußball gelegt werden?

Özil: Da müssen Sie den Sportminister fragen und nicht mich. Das liegt wohl nicht in meinem Einflussbereich (lacht).

Frage: Haben Sie in Zukunft vor, sich in irgendeiner Weise sozial zu engagieren? Beispielsweise als Verbindungsmann bei Konflikten zwischen Deutschen und Türken?

Özil: Ich habe mich schon in der Vergangenheit an mehreren sozialen Projekten beteiligt. Außerdem sind wir dabei, mit meinem Berater und einigen Freunden eine Stiftung zu gründen.

Frage: Wieso gibt es Ihrer Meinung nach immer noch so viele Vorurteile gegen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland? Besonders gegen Menschen mit islamischen Glauben?

Özil: Ich habe mit keiner Religion ein Problem. Da müssen Sie die Menschen befragen, die dieses Problem haben. Ich finde so etwas einfach nur traurig.

Die Fragen stellte Mike Glindmeier
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