Neuer DFB-Sportdirektor Flick Algerien-Spiel war "Schlüsselmoment" für WM-Titel

Zum Abschluss dieses Fußballjahres zieht der neue DFB-Sportdirektor Hansi Flick Bilanz: Das WM-Spiel gegen Algerien war ein Knackpunkt, Manuel Neuer ist ein Teufelskerl - und neue Außenverteidiger werden jetzt dringend gebraucht.

Ex-Co-Trainer Flick: "Tugenden wie Wille und Einsatz"
DPA

Ex-Co-Trainer Flick: "Tugenden wie Wille und Einsatz"


SPIEGEL ONLINE Fußball
Hamburg - Die Szene taucht in jedem sportlichen Jahresrückblick auf: Der mittlerweile zurückgetretene Fußballnationalspieler Per Mertesacker steht nach dem WM-Achtelfinale gegen Algerien bei ZDF-Reporter Boris Büchler und blafft ihn an: "Wat wolln se?" 2:1 (1:0, 0:0, 0:0) hatte die Elf von Bundestrainer Joachim Löw da gerade gewonnen - und ihre schlechteste Turnierleistung in Brasilien gezeigt.

Der heutige DFB-Sportdirektor Hansi Hansi Flick saß in Porto Alegre als Co-Trainer auf der Bank, im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" sagt er rückblickend auf diese Partie: "Es war sicher ein Schlüsselmoment. Alle haben gemerkt: Auch wenn's mal nicht so läuft, haben wir die Qualitäten, ein schwieriges Spiel für uns zu entscheiden, zur Not über Tugenden wie Wille und Einsatz und weniger spielerisch. Nach diesem Spiel waren die Spieler komplett aufs Gewinnen fokussiert." Zwei Wochen später gewann Deutschland den Titel.

Einen wichtigen Anteil daran habe auch Torwart Manuel Neuer gehabt, vor allem mit seiner Parade in der Nachspielzeit im Viertelfinale gegen Frankreich: "Dieses Spiel hat uns unglaublich Kraft gekostet, es war sehr heiß in Rio, schon in der Halbzeit haben ein paar Spieler geschnauft und gesagt: Wahnsinn! Wenn da kurz vor Schluss das 1:1 fällt, wer weiß, wie's dann ausgeht. Im entscheidenden Moment hatten wir halt den Teufelskerl hinten drin", sagt Flick.

Standard-Ideen von Freiburgs Co-Trainer Voßler

Ein weiteres Erfolgsgeheimnis der deutschen Mannschaft sei die Stärke bei Standardsituationen gewesen: "Gerade bei so einem extremen Turnier" in der Hitze Brasiliens habe man "den Wert der Standards wieder mehr betonen" wollen, sagt Flick. Anregungen habe sich das Trainer-Team dabei vom Freiburger Co-Trainer Lars Voßler geholt, "der sich mit Standards hervorragend auskennt". Flick habe "Voßlers Ideen dann aufgenommen und mir davon ausgehend weitere Gedanken gemacht, was das für unsere Mannschaft bedeuten könnte".

SC-Co-Trainer Voßler: Hilfe für den DFB
imago

SC-Co-Trainer Voßler: Hilfe für den DFB

Der WM-Sieg war Flicks vorerst letzter Erfolg als Trainer, nun widmet sich der 49-Jährige seinen Aufgaben als Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes. Eine hat dabei besondere Priorität: die Ausbildung guter Außenverteidiger. "Wichtig ist auch, dass die Position unter jungen Spielern wieder an Attraktivität gewinnt", sagt Flick. "Es gibt viele Spieler, die über Merkmale als Außenverteidiger verfügen, aber das nie gespielt haben. Solche Dinge sollen meine Juniorentrainer erkennen und diesen Spielern dann auch vermitteln, dass man auch auf der Außenposition viele Möglichkeiten hat."

psk

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.