Ausschreitung bei Relegation DFB-Gericht verschiebt Urteil zu Düsseldorfer Chaosspiel

Rund sieben Stunden lang wurde verhandelt, etliche Zeugen kamen zu Wort. Dennoch hat das DFB-Sportgericht kein Urteil über den Berliner Protest gegen das Skandalspiel von Düsseldorf gefällt. Ausgiebig schilderte Schiedsrichter Stark, wie er von Hertha-Spielern attackiert wurde.
Schiedsrichter Stark: Behauptung der Todesangst zurückgewiesen

Schiedsrichter Stark: Behauptung der Todesangst zurückgewiesen

Foto: Arne Dedert/ dpa

Hamburg - In Frankfurt am Main wurde am Freitag über den Protest von Hertha BSC gegen die Wertung des Relegationsrückspiels gegen Fortuna Düsseldorf (2:2) verhandelt. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes hat die Beweisaufnahme zwar abgeschlossen, das Urteil wird aber erst am Montag gesprochen.

Rund sechseinhalb Stunden lang tagte das Gericht. Allein die Beweisaufnahme dauerte fünfeinhalb Stunden. Als erster Zeuge wurde Wolfgang Stark gehört. Der Schiedsrichter erhob gegen mehrere Hertha-Spieler massive Vorwürfe. Demnach sei er von Lewan Kobiaschwili an den Hinterkopf geschlagen worden. Dabei habe er ein Hämatom erlitten.

Außerdem hätten ihn Kapitän Andre Mijatovic, Christian Lell und Torwart Thomas Kraft schwer beleidigt. Sein Assistent Mike Pickel und der vierte Offizielle, Markus Wingenbach, bestätigten den Vorfall. Die Profis haben sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Stark hatte bereits einen noch unbekannten Hertha-Spieler angezeigt.

Fotostrecke

Eklat in Düsseldorf: Starks schwere Vorwürfe

Foto: Arne Dedert/ dpa

Gegen Kobiaschwili, Lell, Mijatovic und Kraft sowie Fortuna-Profi Andreas Lambertz hatte der DFB-Kontrollausschuss Ermittlungen eingeleitet. Darüber wurde bei der Sitzung am Freitag nicht verhandelt. Dies geschieht separat in der kommenden Woche. Das stellte der Vorsitzende Richter Hans E. Lorenz zu Beginn der Verhandlung klar. Dabei müssen Fortuna und Hertha wegen Zuschauerausschreitungen mit empfindlichen Strafen rechnen.

"Das kann nur die Polizei"

Stark schilderte zudem detailliert, was in der 21-minütigen Unterbrechung in der Nachspielzeit passierte: In der Kabine nahm er telefonisch Kontakt zur Einsatzleitung der Polizei auf. Nach etwa zehn Minuten habe er die Information erhalten, die Situation draußen sei absolut unter Kontrolle. Auf die Frage von Michael Preetz, ob er die Sicherheit der Spieler garantieren könne, habe er dem Hertha-Sportdirektor geantwortet: "Das kann ich nicht, das ist nicht Aufgabe des Schiedsrichters, das kann nur die Polizei." Er sei von niemandem gezwungen worden, das Spiel fortzusetzen, sagte Stark. Hertha-Anwalt Christoph Schickhardt hatte nach dem Skandalspiel gesagt, die Partie sei auf Anraten der Polizei fortgesetzt worden, um "ein Blutbad" zu verhindern.

Stark wies zudem die Behauptung der Berliner zurück, die Spieler hätten bei dem Platzsturm Todesangst gehabt. "Wenn man unmittelbar nach dem Schlusspfiff so massiv und gezielt auf das Schiedsrichter-Team losgehen kann, stellt sich die Frage nicht, ob die Spieler Todesängste ausgestanden haben", sagte er.

Dem widersprachen in der Folge die Hertha-Profis Kraft, Mijatovic, Christoph Janker, Peter Niemeyer sowie Co-Trainer Ante Covic. Ihre Aussagen ähnelten sich im Wesentlichen. "Als wir in die Kabine kamen, war keiner in der Lage, an Fußball zu denken", sagte Covic zur 21-minütigen Unterbrechung: "Wir fühlten uns nicht sicher." Kraft befürchtete, die Begegnung "nicht mehr verletzungsfrei" beenden zu können. Er habe viele Fans gesehen, "die eine gewisse Aggressivität" ausstrahlten.

Auch ein Mitarbeiter der DFL sowie ein Sicherheitsbeauftragter sagten aus. Das Verfahren könnte sich noch die ganze kommende Woche hinziehen: Beide Clubs können nach einem Urteil in erster Instanz noch vor das DFB-Bundesgericht ziehen. Auch der Gang vor das Ständige Schiedsgericht des DFB wäre danach noch möglich.

max/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.