Steuerrazzia beim Deutschen Fußball-Bund Die DFB-Spitze ignorierte alle Warnungen

Seit Jahren wiesen Experten auf juristische Probleme bei der Steuererklärung des Deutschen Fußball-Bunds hin. Doch die Funktionäre korrigierten sie nicht.
Am Mittwoch untersuchten Beamte auch die Verbandszentrale des DFB in Frankfurt

Am Mittwoch untersuchten Beamte auch die Verbandszentrale des DFB in Frankfurt

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Thomas Lohnes / Getty Images

Der Aufwand war immens, der Anlass überraschend. Rund zweihundert Beamte waren im Einsatz: Staatsanwälte, Steuerfahnder, Bundespolizisten und Ermittler des Bundeskriminalamts. So zieht der Staat gegen die Mafia zu Felde oder gegen Terroristen. Doch diesmal galt die Razzia einer Institution, die Millionen Fans und Sportlern als eine der Grundfesten der Nation gilt: dem Deutschen Fußball-Bund (DFB). 

Die Frankfurter Zentrale des Verbands war von den Durchsuchungen ebenso betroffen wie die Privatwohnungen des aktuellen DFB-Generalsekretärs Friedrich Curtius und des DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch. Auch Reinhard Grindel, ehemals Präsident und Schatzmeister des DFB, sowie Reinhard Rauball, ehemals Chef der Profi-Vereinigung DFL und für einige Zeit Interimsboss des DFB, hatten die Fahnder im Haus; betroffen waren zudem der aktuelle Schatzmeister des DFB, Stephan Osnabrügge, und der ehemalige Generalsekretär Helmut Sandrock.

Sie alle dürften ziemlich erstaunt gewesen sein, als die Ermittler ihnen die Durchsuchungsbeschlüsse des Amtsgerichts Frankfurt präsentierten. Denn die darin erhobenen Vorwürfe sind seit Jahren Gegenstand von Verhandlungen zwischen dem DFB und den zuständigen Finanzbehörden. Seit 2013 ringt der größte nationale Sportfachverband der Welt mit den Betriebsprüfern des Finanzamts Frankfurt III um die Frage, wie die Einnahmen aus der Bandenwerbung bei Fußball-Länderspielen zu bewerten und zu versteuern sind. Bewegt hat sich seitdem wenig. 

Die Frage, warum die Staatsmacht erst am Mittwoch zuschlug und nicht schon vor Jahren, drängt sich auf. Rätselhaft ist auch, warum die DFB-Führung so lange an einer Praxis festhielt, die intern längst als praktisch unhaltbar galt. Möglicherweise ist den Steuerleuten schlichtweg der Geduldsfaden gerissen.

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