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DFB-Sieg gegen Armenien: Sechs Tore und ein Schock

Foto: Martin Rose/ Bongarts/Getty Images

6:1 bei WM-Generalprobe Reus-Verletzung überschattet klaren DFB-Sieg

Die deutsche Nationalmannschaft hat sich für die WM warmgeschossen. Gegen Armenien gewann das Team durch fünf Tore in den letzten 20 Minuten 6:1. Doch der Sieg wurde von einer Verletzung von Marco Reus überschattet.

Hamburg - Die deutsche Nationalmannschaft bangt um Marco Reus. Sechs Tage vor Beginn der Weltmeisterschaft in Brasilien und zehn Tage vor dem ersten Gruppenspiel gegen Portugal verletzte sich der Offensivspieler von Borussia Dortmund beim abschließenden Test gegen Armenien am linken Sprunggelenk. Reus wurde ausgewechselt und umgehend ins Krankenhaus gebracht.

Eine Kernspinuntersuchung soll Aufschluss über die Schwere der Verletzung geben. Eine Diagnose steht noch aus. "Wir müssen abwarten, was dabei rauskommt", sagte Bundestrainer Joachim Löw. "Ich habe in der Halbzeit gesehen, dass es schon geschwollen war, und hoffe, dass er nichts an den Bändern hat." Sollte Reus bei der WM ausfallen, sei es möglich, einen Spieler nachträglich zu nominieren.

Die Sorgen um Reus überschatteten den 6:1 (0:0)-Erfolg, bei dem die Deutschen eine mäßige erste und eine gute zweite Hälfte zeigten. Die Tore für Löws Mannschaft schossen André Schürrle (52. Minute), Lukas Podolski (72.), Benedikt Höwedes (73.), Miroslav Klose (77.) und Mario Götze (82. und 89.). Klose stellte mit seinem 69. Länderspieltor einen Rekord auf: Er übertraf Gerd Müller und ist jetzt bester Torschütze in der Geschichte der deutschen Nationalelf. Für Armenien hatte der Dortmunder Henrich Mchitarjan per Foulelfmeter zwischenzeitlich ausgeglichen (69.).

Löw überraschte beim letzten Test vor der WM mit seiner Startelf. Mesut Özil? Nicht dabei. Götze? Ebenfalls erstmal auf der Bank. Bastian Schweinsteiger? Wohl doch noch nicht so fit wie gedacht. Und Klose, der einzige echte Stürmer im deutschen WM-Aufgebot? Sah auch erstmal von draußen zu.

In der Schlussphase ist jeder Schuss ein Tor

Philipp Lahm spielte bei seiner Rückkehr ins Team mit Sami Khedira auf dem Sechser-Posten, und das soll wohl auch in Brasilien die Aufgabe des deutschen Kapitäns sein: "Wir wollen gucken, was er für uns auf dieser Position auf den Platz bringen kann", sagte Kotrainer Hans-Dieter Flick vor Anpfiff der Partie im ausverkauften Mainzer Stadion. Vor Lahm bearbeitete Toni Kroos das zentrale offensive Mittelfeld, als einzige Spitze lief Thomas Müller auf.

Die deutsche Aufstellung war erst mal das Interessanteste an der Partie. Falls die Zuschauer in Mainz ein Feuerwerk erwartet hatten, wurden sie enttäuscht. Das deutsche Team hatte zwar ein klares Übergewicht beim Ballbesitz, doch der Spielaufbau ging zu Beginn zögerlich vonstatten und am gegnerischen Strafraum fehlte den DFB-Profis oftmals die Kreativität.

Eine Flanke von Müller leitete die erste Chance ein. André Schürrle bekam mit dem Kopf aber keine Wucht hinter den Ball und verfehlte das Tor (13.). Kurz danach überwand Marco Reus nach Müllers Zuspiel Armeniens Torhüter Roman Beresowski, Hrayr Mkoja klärte vor der Linie (15.). In der 22. Minute flog ein Kroos-Fernschuss knapp übers Tor. Zehn Minuten später scheiterte Reus erneut freistehend an Beresowski. In der 34. Minute bekam Schürrle den Ball in aussichtsreicher Position, trat aber ein Luftloch - nicht das erste an diesem Abend.

Kurz vor der Halbzeitpause hielten die Zuschauer den Atem an: Reus bekam im Zweikampf mit Artur Jedigarjan einen Schlag gegen den Knöchel und blieb auf dem Rasen liegen. Nach minutenlanger Behandlung verließ er humpelnd den Platz und wurde dabei gestützt. Lukas Podolski kam für den Dortmunder. Nach der Pause machte auch Özil für Lahm mit. Es war aber Podolski, der Schürrles 1:0 vorbereitete: Der Profi des FC Arsenal aus London brachte den Ball von links, Schürrle - beim Stadtrivalen FC Chelsea aktiv - vollendete mit der Hacke.

Löw wechselte danach durch, und nach dem zwischenzeitlichen 1:1 der Armenier durch den Elfmeter von Mchitarjan drehten die Deutschen auf. Podolski, Höwedes und der eingewechselte Klose erhöhten auf 4:1 gegen die Armenier, denen zusehends die Kraft ausging. So gelang doch noch ein standesgemäßes Ergebnis. Die Deutschen nutzten in der Schlussphase jede Chance, der eingewechselte Götze stellte mit seinen beiden Treffern den 6:1-Endstand her. Doch die Sorge um Reus trübte die Stimmung.

Deutschland - Armenien 6:1 (0:0)
1:0 Schürrle (52.)
1:1 Mchitarjan (69., Foulelfmeter)
2:1 Podolski (71.)
3:1 Höwedes (73.)
4:1 Klose (76.)
5:1 Götze (82.)
6:1 Götze (89.)
Deutschland: Weidenfeller - Boateng (67. Großkreutz), Mertesacker, Hummels, Höwedes - Lahm (46. Özil), Khedira (59. Schweinsteiger) - Schürrle (75. Götze), Kroos, Reus (45.+1 Podolski) - Müller (67. Klose)
Armenien: Beresowski - Mkojan, Harojan, Arsumanjan, Hayrapetjan - Jedigarjan, Howsepjan - Manutscharjan (77. Tumasyan), Mchitarjan, Ghasarjan - Mowsisjan
Schiedsrichter: Lechner (Österreich)
Zuschauer: 27.000