DFB-Kader für die EM Wer muss nach Hause fahren?

Heute muss Joachim Löw entscheiden, welche vier Spieler aus dem vorläufigen EM-Kader die Heimreise anzutreten haben. Ein Unauffälliger, zwei Junge und ein Offensivspieler - so könnte das Streichquartett aussehen.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft
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Aus Ascona berichten und


Der DFB pflegt bei der Nationalmannschaft seit Längerem einen SMS-Service für die Journalisten vor Ort. Darin teilt der Verband am Abend mit, welche Spieler am kommenden Tag bei der Pressekonferenz auf dem Podium sitzen werden. Für den Dienstag wurden Sami Khedira und Benedikt Höwedes angekündigt, diesmal allerdings mit einem besonderen Zusatz: "Sollten sich im Zusammenhang mit der Nominierung Änderungen ergeben, teilen wir diese mit", hieß es dort.

Nun dürften Juve-Profi Sami Khedira, am Sonntag gegen die Slowakei noch Kapitän der DFB-Auswahl, und Höwedes, der bei der WM vor zwei Jahren alle sieben Partien vom Anfang bis zum Ende bestritt, sich wenig Sorgen machen, zum endgültigen 23er-EM-Kader zu zählen, den Bundestrainer Joachim Löw bis Mitternacht der Uefa offiziell zu melden hat.

Im Trainingslager am verregneten Lago Maggiore hat Löw derzeit 27 Profis um sich geschart. Von vier Spielern wird er sich verabschieden, vor Höwedes und Khedira wird deshalb Löw vor den Medienvertretern sprechen. Und seit Tagen wird in Ascona wüst spekuliert, wen es dabei treffen könnte.

Rudy hat wohl schlechte Karten

Am häufigsten fällt dabei der Name Sebastian Rudy. Der Hoffenheimer, der am Sonntag immerhin bereits sein elftes Länderspiel bestritt, ist der Allerunauffälligste im Aufgebot. Gegen die Slowaken konnte er nicht viel tun, diesen Eindruck zu korrigieren. Er lief zwar viel, aber flankte unglücklich. Dass böse Menschen behaupten, Rudy sei nur nominiert worden, um ihn dann wieder streichen zu können, ist nicht belegt.

Naturgemäß haben es neben ihm die Debütanten am schwierigsten, den Cut zum endgültigen Kader zu überstehen. Löw hatte vier von ihnen berufen, Julian Weigl, Julian Brandt, Joshua Kimmich und Leroy Sané. Zusammen haben sie bisher fünf Länderspieleinsätze, und damit weniger als halb so viel wie Rudy.

Einer, wohl eher zwei von ihnen werden dennoch zur EM fahren dürfen. Wobei dem Schalker Sané dazu allgemein die besten Aussichten prognostiziert werden. Er konnte zwar am Sonntag nicht wirklich überzeugen, aber das ging ihm ähnlich wie den meisten seiner Nebenleute. Löw schätzt Sané. Gelobt wird vor allem sein Überraschungsmoment, dass er manches anders mache als die anderen. Was allerdings nicht unbedingt immer positiv sein muss. Sanés Nominierung wäre dann wohl gleichzeitig der Ausschluss von Außenbahn-Rivale Brandt.

Die Torleute können sich sicher sein

Kimmich hat zwei Vorteile gegenüber Konkurrent Weigl. Er ist flexibler einsetzbar, und er hat den Bayern-Bonus. Was gegen ihn spricht: Er hat noch nicht bewiesen, wie er großem Druck standhalten kann. In der Champions League gegen Juventus Turin machte er Fehler, als Juve aufs Tempo drückte. Und im Pokalfinale vergab er seinen Elfmeter kläglich. Am Sonntag sah er zudem bei zwei slowakischen Gegentreffern unglücklich aus. Joachim Löw wird das gesehen haben. Weigl hat bisher bei Borussia Dortmund im defensiven Mittelfeld gespielt, dort macht er einen sehr zuverlässigen Eindruck.

Zittern muss auch Brandts Leverkusener Teamkollege Karim Bellarabi. Der Bayer-Angreifer ist extrem schnell, tritt damit allerdings in direkte Konkurrenz zu Spielern wie André Schürrle, Marco Reus und Julian Draxler. Und dieses Trio bringt wichtige Turniererfahrung ein. Was für Löw immer ein gutes Argument für eine Nominierung war.

Reus hat zwar schon stärkere Spielzeiten gehabt, die beiden Wolfsburger Draxler und Schürrle litten auch unter der Schwäche ihres Teams, dennoch kann man sich nicht vorstellen, dass Löw einen der drei für den unerfahreneren Bellarabi opfert.

Andere Wackelkandidaten fänden sich eher in der Defensive. Antonio Rüdiger und Shkodran Mustafi dürften aber davon profitieren, dass Mats Hummels verletzt ins Turnier geht und damit eine Innenverteidiger-Option nötig werden könnte. Und der Liverpooler Emre Can, am Sonntag von Löw gar nicht eingesetzt, profitiert von der schon traditionellen Außenverteidiger-Schwäche der Nationalmannschaft.

Am Sonntag geschwächelt und dennoch sicher in Frankreich - diese Luxusposition konnten sich nur die beiden Torleute erlauben. Bernd Leno und Marc-André ter Stegen agierten gegen die Slowaken brüderlich unglücklich. Da aber schon im vorläufigen Kader die drei definitiven Torwartplätze vergeben worden sind, bleiben ihre Patzer in jedem Fall folgenlos.



insgesamt 67 Beiträge
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Seite 1
Freifrau von Hase 31.05.2016
1.
Bin überrascht, dass Schweinsteiger nicht genannt wird. Was soll ein verletzter Spieler bei der EM? Möglich, dass Schweini & Hummels aufgrund ihrer Verletzungen rausfallen. Poldi wird wohl bleiben.
ich-geb-auf 31.05.2016
2.
Ter Stegen oder Leno zu hause lassen und Weidenfeller oder Zieler mitnehmen.
ackergold 31.05.2016
3.
Rudy, Podolski, Weigl und Brandt... das sind die Heimfahrer. Alles andere würde letztlich kaum Sinn machen.
hp22 31.05.2016
4. Vergleich Kimmich Weigl
Beim Vergliche von Kimmich und Weigl wird erwähnt, dass Kimmich noch nicht bewiesen hat, dass er großem Druck stand halten kann. Das Gleiche gilt aber auch für Weigl, der im Pokalfinale der schwächste Mann beim BVB war.
Freifrau von Hase 31.05.2016
5.
Zitat von ackergoldRudy, Podolski, Weigl und Brandt... das sind die Heimfahrer. Alles andere würde letztlich kaum Sinn machen.
Poldi hat keine soooo schlechte Saison hinter sich, ist erfahren und Jogis Liebling. Der wird bleiben.
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