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DFB-Test gegen Bosnien Löws Offensivkicker präsentieren sich in WM-Form

Generalprobe geglückt: Die deutsche Nationalmannschaft hat im letzten Testspiel vor der WM in Südafrika einen verdienten Sieg gefeiert. Gegen Bosnien-Herzegowina überzeugte das Team von Bundestrainer Löw vor allem in der Offensive - vergab dabei aber reihenweise gute Chancen.

Hamburg - Die Spielfreude ist schon da, der Killerinstinkt fehlt hingegen noch: Dank eines herrlichen Treffers von Kapitän Philipp Lahm und zweier verwandelter Foulelfmeter von Bastian Schweinsteiger besiegte die deutsche Nationalmannschaft Bosnien-Herzegowina 3:1 (0:1). Zehn Tage vor dem ersten WM-Gruppenspiel gegen Australien (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) begann die DFB-Elf vor 48.000 Zuschauern in Frankfurt nervös, steigerte sich im Laufe der ersten Halbzeit und zeigte im zweiten Durchgang bereits WM-Form. Allein ein Torjäger fehlt dem Team.

Wer spielt linker Verteidiger, wer im rechten Mittelfeld, wer im Sturmzentrum? Es sind diese drei Positionen, die im deutschen Team noch nicht abschließend vergeben sind und auf denen Bundestrainer Joachim Löw experimentierte. Hinten links durfte erstmals Bayerns Holger Badstuber von Beginn an ran. Der 20-Jährige zeigte eine insgesamt ordentliche Leistung, klärte einmal in höchster Not vor Edin Dzeko (12. Minute) und war beim Gegentor des Bundesliga-Profis vom VfL Wolfsburg machtlos. Beim Versuch, den Ball aus dem Strafraum zu befördern, schoss Lahm in Minute 15 Dzekos Brust an. Von dort prallte der Ball ab und senkte sich über Keeper Manuel Neuer hinweg ins Tor.

Nach dem 0:1 spielte aber nur noch eine Mannschaft - und das war Deutschland. Mit Ausnahme von Piotr Trochowski, der sich im rechten Mittelfeld nicht gerade um einen WM-Stammplatz bewarb und zur Halbzeit folgerichtig durch Thomas Müller ersetzt wurde, zeigte sich das deutsche Mittelfeld spielfreudig und entschlossen. Angetrieben vom starken Sami Khedira, der gut mit Bastian Schweinsteiger auf der sogenannten Doppel-Sechs-Position harmonierte, spielte sich die Löw-Elf etliche Chancen heraus.

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DFB-Test gegen Bosnien: Lahm trifft einfach, Schweinsteiger doppelt

Foto: ddp

Noch vor dem 0:1-Rückstand traf Lukas Podolski mit einem Schuss aus halblinker Position von der Strafraumgrenze nur die Unterkante der Latte, von wo der Ball zurück ins Feld sprang (9.). Doppelchance für das deutsche Team dann kurz nach Dzekos Treffer: Zunächst versuchte Mesut Özil alleinstehend vor Kenan Hasagic den bosnischen Keeper auszuspielen, anstatt zu schießen (22.); nur zwei Minuten später verzog Khedira nach Podolski-Vorlage knapp. Schweinsteigers Schuss parierte Hasagic (42.).

Nur acht Ballkontakte von Miroslav Klose

Kurz vor der Halbzeitpause war es erneut Khedira, der nach Vorlage von Bayerns Miroslav Klose einen Tick zu spät kam (43.). Es war die einzige gute Szene, die der Münchner Stürmer hatte. Klose wurde nach 45 Minuten und nur acht Ballkontakten ausgewechselt und durch Cacau ersetzt. Und weil der Stuttgarter eine Belebung für die Offensive und stets gefährlich war, dürfte die Diskussion um das deutsche Sturmzentrum nach dieser Partie wieder neu entfacht werden.

"Wir haben es in der ersten Halbzeit verpasst, Tore zu machen. Aber zum Glück hat das ja dann noch geklappt. Ich freue mich auf die WM. Wir sind gut drauf, haben gut trainiert und sind fit", sagte Lahm.

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DFB-Team in der Einzelkritik: Dominanter Schweinsteiger, kultverdächtiger Cacau

Foto: Petr David Josek/ AP

Zu Beginn der zweiten Halbzeit war es der Kapitän höchstpersönlich, der das DFB-Schiff endgültig wieder auf Kurs brachte. Rechtsverteidiger Lahm schaltete sich fünf Minuten nach Wiederanpfiff mit in den Angriff ein und traf nach Vorarbeit von Podolski und Cacau aus rund 20 Metern ins linke obere Toreck. Bosnien zeigte in der Folge kaum noch Gegenwehr, eine Chance spielte sich die Elf um Bundesliga-Torschützenkönig Dzeko nicht mehr heraus. Im Gegensatz zur deutschen Mannschaft: Özil traf aus 16 Metern nur die Latte (52.) und scheiterte mit zwei Versuchen aus der Distanz (55./69.), zudem strich Cacaus Schuss knapp über das Tor (70.).

Zwei Foulelfmeter binnen vier Minuten

Letztlich waren es zwei Foulelfmeter, die zum Sieg der DFB-Elf führten. Zunächst grätschte Sanel Jahic den eingewechselten und stark aufspielenden Marko Marin um (73.), vier Minuten später wurde Thomas Müller gefoult. Beide Male zeigte der italienische Schiedsrichter Nicola Rizzoli auf den Elfmeterpunkt, und beide Strafstöße verwandelte Schweinsteiger sicher. "Wir haben nicht nur 3:1 gewonnen, sondern auch teilweise guten Fußball gespielt. Aber gegen Australien müssen wir besser spielen", so der Doppeltorschütze.

Löw sagte: "Es war klasse, wie wir in der zweiten Halbzeit das Tempo verschärft haben. Wir haben eine gute Mannschaft, eine gute Stimmung und wir können ein gutes Turnier spielen. Ich habe absolutes Vertrauen. Aber wir haben noch eine Woche harte Arbeit vor uns."

Ob der Bundestrainer die Elf, die gegen Bosnien begann, auch gegen Australien auflaufen lässt, scheint trotz der guten Leistung jedoch fraglich: Während Badstuber zumindest nicht negativ auf sich aufmerksam machte, sind die formschwachen Trochowski und Klose die größten Wackelkandidaten mit Blick auf den WM-Start. Und im linken Mittelfeld zeigte Marin nach seiner Einwechslung für Podolski eine gute Leistung.

Deutschland - Bosnien-Herzegowina 3:1 (0:1)
0:1 Dzeko (15.)
1:1 Lahm (50.)
2:1 Schweinsteiger (73., Foulelfmeter)
3:1 Schweinsteiger (77., Foulelfmeter)
Deutschland: Neuer - Lahm, Mertesacker, Friedrich (87. Tasci ), Badstuber - Khedira , Schweinsteiger (87. Kroos) - Trochowski (46. Müller), Özil (80. Gomez), Podolski (71. Marin) - Klose (46. Cacau)
Bosnien-Herzegowina: Hasagic - Jahic , Spahic, Nadarevic, Rahimic - Salihovic (78. Berberovic ), Mravac (45.+1 Ibricic ), Pjanic, Misimovic (80. Muslimovic) - Ibisevic (74. Zec), Dzeko
Schiedsrichter: Nicola Rizzoli (Italien)
Zuschauer: 48.000 (ausverkauft)
Gelbe Karte: Spahic