DFB-Testspiel gegen Dänemark Brave Aushilfen liefern wackeren Auftritt ab

Immerhin fühlte sich Trainer Löw "gut unterhalten". Größere Erkenntnisse kann er nach dem Testspiel-Remis gegen Dänemark wohl kaum mitnehmen. Für eine bleibende Erinnerung an diesen Fußballabend sorgte etwas anderes - die peinliche Blamage des DFB-Nachwuchses in Island.

Von


Der Fußballer Mario Gomez hat zwei Gesichter - und beide waren am Mittwochabend beim 2:2-Unentschieden gegen Dänemark ausführlich zu beobachten. Wenn ein Stürmer nach fast einer Viertelstunde, genau nach 13 Minuten und 31 Sekunden, das allererste Mal an den Ball kommt, heißt es gewöhnlich: Das Spiel läuft an ihm vorbei. Wenn derselbe Spieler fünf Minuten später trifft, heißt es: ein echter Torjäger. Vorher nicht zu sehen, aber wenn es drauf ankommt, ist er da. Bei Mario Gomez war an diesem Abend alles dabei.

Die letzte Chance - so war der Auftritt des Bayern-Angreifers, der bislang ein so enttäuschendes Jahr 2010 hinter sich hat, vor dem Spiel tituliert worden. "Ich schmunzele mittlerweile über solche Dinge", sagte er zwar anschließend - aber vor allem die ersten Minuten des Spiels ließen ahnen, welchem Druck sich Gomez ausgesetzt fühlte. Ohne Bindung zum Team, verkrampft, mit der dürren Bilanz von zwei Querpässen als den einzigen Ballberührungen: Bis zur 19. Minute schien dieser Abend ein weiteres trauriges Kapitel in der Länderspielgeschichte des 25-Jährigen zu werden.

Dann rutschte ein Pass von Thomas Hitzlsperger irgendwie durch die dänische Abwehr in den Strafraum zu Gomez durch. Und der Torjäger tat das, was Bayern München im Vorjahr 30 Millionen Euro Ablösesumme wert war: Er drehte sich einmal kurz, gab dem Ball die entsprechende Wendung am dänischen Torwart Thomas Sörensen vorbei Richtung rechtes Toreck - und plötzlich stand es 1:0 im Duell der Aushilfsmannschaften Deutschlands und Dänemarks.

Urplötzlich ein anderes Spiel

Unvermittelt war es ein völlig neues Spiel für den Angreifer: Fortan bewegte sich Gomez ganz anders, flüssig, er ließ Bälle geschickt abtropfen, spielte Direktpässe in den freien Raum, war anspielbar - ein einziges Tor hatte bei ihm die Bremse gelöst. So simpel funktionieren Mittelstürmer nun einmal.

Fotostrecke

12  Bilder
Dänemark-Spiel: Das Duell der Aushilfen
Dass es am Ende dennoch nicht für einen Sieg der DFB-Auswahl reichte, obwohl der Leverkusener Patrick Helmes in der 71. Minute sogar auf 2:0 erhöhte, hatte allerdings auch mit Gomez zu tun. Als er kurz vor Schluss allein vor Sörensen auftauchte und das dann wohl entscheidende dritte deutsche Tor hätte machen müssen, verzagte der Bayern-Spieler. Gomez schob den Ball statt ins Tor direkt auf den Keeper, ein paar Minuten später trafen die Dänen mit gnädigster Hilfe von DFB-Torwart Tim Wiese - das Unentschieden war perfekt.

Im nächsten Spiel gegen Belgien (3. September 20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wird sein Mannschaftskollege vom FC Bayern, Miroslav Klose, wieder mit von der Partie sein, und dann "werde ich mich wieder hinten abstellen müssen", wie Gomez nach dem Spiel feststellte. Den früheren Stuttgarter zeichnet diese realistische Selbsteinschätzung aus. Er weiß um seinen gegenwärtigen Stellenwert - dieser ist seit Mittwoch zumindest nicht gesunken.

Eintagskapitän trug die Binde mit Würde

Auch andere nutzten diesen vermeintlich nutzlosen Länderspielabend, der durch das Fehlen fast aller Stammkräfte auf deutscher Seite geprägt war, für eine gewisse Eigenwerbung. Der Stuttgarter Christian Gentner im Mittelfeld verstand es ebenso auf sich aufmerksam zu machen wie Helmes im Sturm und der Bremer Aaron Hunt, der nach seiner Einwechslung einigen Wirbel veranstaltete. Und Torwart Tim Wiese, so wie er gestrickt ist, wird seinen spielentscheidenden Patzer ohnehin rasch vergessen haben und sich stattdessen nur noch an die starken Paraden erinnern, mit denen er die deutsche Führung bis zum Ausgleich festgehalten hatte.

Der Eintagskapitän Thomas Hitzlsperger trug die Spielführerbinde zumindest mit Würde und vermied es dankenswerterweise anschließend auch, zu betonen, dass ihm das Amt so viel Spaß gemacht habe, dass er es auch künftig gerne behalten wolle.

So blieb Löw immerhin ein dritter Anwärter im Kapitänszwist zwischen den zwei abwesenden Philipp Lahm und Michael Ballack erspart. Der Bundestrainer reagierte am Mittwoch genervt genug auf die dauernden Anfragen danach, wer künftig das DFB-Team aufs Feld führen werde. Fragen zu dem Thema halte er angesichts des Dänemark-Spiels für "deplatziert", befand er im Anschluss an die Partie. Den beiden Streithähnen empfahl er zudem, "sich künftig nicht mehr ständig über die Öffentlichkeit zu dem Thema zu äußern".

In der Kapitänsfrage hat der verregnete Länderspielabend von Kopenhagen also keine weiterführenden Aufschlüsse erbracht, und auch ansonsten dürfte der Erkenntnisgewinn für Löw begrenzt gewesen sein. Der Bundestrainer betonte zwar nach dem Spiel artig den Wert dieser Test-Begegnung mit den wackeren Dänen. "Gute Ansätze" habe er gesehen, schob aber gleich nach: "Mehr konnte man auch nicht erwarten." Immerhin fühlte sich Löw "gut unterhalten". Seine Miene bei so manchem Fehlpass in dem uneingespielten Ensemble hatte zuvor allerdings etwas anders ausgesehen. Wenn er will, kann Löw sehr grimmig dreinschauen.

Blamage von Hafnarfjördur bleibt haften

"In dieser Formation werden wir nie wieder zusammenspielen", fasste Gomez nach dem Abpfiff den Belang der Partie zusammen. Christian Schulz von Hannover 96 mit seinem ersten Länderspieleinsatz seit fünf Jahren, der kreuzbrave Sascha Riether aus Wolfsburg - was da gegen Dänemark auflief, ist nicht unbedingt der Hoffnungsfunke des deutschen Fußballs.

Dieses Spiel wird der DFB denn auch bald abgehakt und vergessen haben, diesen Fußballabend jedoch nicht. Fast zeitgleich mit der Partie in Kopenhagen verspielte die U-21-Nationalmannschaft mit einem peinlichen 1:4 auf Island die letzte Möglichkeit auf ihre EM-Teilnahme - und die damit verknüpfte Chance, ein Team bei den Olympischen Spielen 2012 in London zu stellen. Vor zwei Jahren hatte Deutschland die EM noch gewonnen, dabei waren Mesut Özil, Manuel Neuer, Sami Khedira. Die Heldengalerie der WM von Südafrika. Ihre Nachfolger sind nach der Pleite von Hafnarfjördur jetzt nicht einmal bei der EM-Endrunde dabei.

Und nur deswegen war dieser Mittwoch ein schlechter Abend für die Zukunft des deutschen Fußballs.

insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Plethon 12.08.2010
1. Befriedigend
Mir hat die Dänische Mannschaft eigentlich besser gefallen, vor allem in der 2.Halbzeit. Gute Fussballer und sehr gute Torchancen, gingen richitig in den Strafraum hinein und versuchten keine Weitschüsse. Die DE-Mannschaft war leicht angespannt,vor allem der Torwart, jeder wollte zeigen dass "er es kann", Teamplay stand ein wenig außen vor , aber im ganzen ein angenehmes Spiel ohne grobe Fouls.
665g, 12.08.2010
2. Adrion
Wer hat jetzt eigentlich den Trainer Adrion eingesetzt. Löw/Bierhoff oder Sammer. Mit der U21 kann er jedenfalls nicht. Muss es jetzt der Horst Hrubesch wieder richten?
deepocean 12.08.2010
3. stimmt
Zitat von 665gWer hat jetzt eigentlich den Trainer Adrion eingesetzt. Löw/Bierhoff oder Sammer. Mit der U21 kann er jedenfalls nicht. Muss es jetzt der Horst Hrubesch wieder richten?
war auch mein erster gedanke; dieser auftritt dürfte den trainer den kopf kosten... für ein 1:4 gegen island gibt es nunmal keine entschuldigung; auch wenn rudi das dazumal etwas anders bewertet hat ;-)
eknoes 12.08.2010
4. Der gute Adrion
Zitat von sysopImmerhin fühlte sich Trainer Löw "gut unterhalten". Größere Erkenntnisse kann er nach dem Testspiel-Remis gegen Dänemark wohl kaum mitnehmen. Für eine bleibenden Erinnerung an diesen Fußballabend sorgte etwas anderes - die peinliche Blamage des DFB-Nachwuchses in Island. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,711409,00.html
weiß garnicht was er mir angetan hat. Wie oft haben mir schon Taxifahrer in Wien im schönsten breiten wienerisch die deutsche "Schmach von Cordoba" genüsslich unter die Nase gerieben (davon werden die Ösis noch im Jahr 2460 reden). Aber wenn ich sie (die Taxifahrer) dann sofort fragte, ob sie mir sagen könnten, wo die Færøer-Inseln liegen, war sofort Totenstille. Wenn ich dann noch anfügte, dass dort mehr Schafe als Einwohner leben sollen, konnte ich von Glück reden, nicht sofort aus dem Taxi geworfen zu werden. Österreich A verlor dort 1990 1:0. Und nun? Nie wieder werde ich so auftrumpfen können. Mein Leben ist nicht mehr, was es mal war, seufz.. Nach dem 1:4 der deutschen U21-Weltmeister auf einer Nordatlantikinsel mit weniger als 300.000 Einwohnern werde ich mich niemals mehr in ein wiener Taxi setzen können. Dank, Herr Adrion, Dank und immer wieder Dank.....
Haio Forler 12.08.2010
5. .
So so, der Gomez. Jetzt haben wir den noch weitere 3 Jahre am Hals, weil er einmal getroffen hat. Oh Backe ...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.