Angeklagter Ex-DFB-Chef zur WM-Affäre Zwanziger will Schweizer Ermittler anzeigen

Theo Zwanziger wehrt sich gegen Betrugsermittlungen. Der Ex-DFB-Präsident findet die Vorwürfe gegen ihn wegen der WM-Vergabe 2006 "empörend" - und will nun selbst strafrechtlich gegen die Ermittler vorgehen.
Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger attackiert die Ermittlungsbehörden scharf

Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger attackiert die Ermittlungsbehörden scharf

Foto: Boris Roessler/DPA

Der von der Schweizer Bundesanwaltschaft angeklagte Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger hat die Ermittler und Fifa-Chef Gianni Infantino scharf angegriffen. "Die Strafverfolgungsbehörden haben versagt. Sowohl die deutschen als auch die in der Schweiz", sagte Zwanziger bei einem Pressegespräch in Diez. "Es ist ein Skandal."

In der Vorwoche hatte die Schweizer Bundesanwaltschaft gegen Zwanziger, die ehemaligen DFB-Funktionäre Horst R. Schmidt und Wolfgang Niersbach sowie den früheren Fifa-Generalsekretär Urs Linsi Anklage wegen Betruges erhoben. Zwanziger bestreitet die Vorwürfe: "Ich bin fest davon überzeugt, dass die Vorwürfe der Steuerhinterziehung und des Betruges absolut falsch sind und es nicht zu einer Bestrafung kommen wird", sagte der 74-Jährige. "Das Ganze steht auf rechtsstaatlich absolut wackligen Füßen."

Vorwurf der arglistigen Täuschung

Dem Quartett wird vorgeworfen, den Präsidialausschuss des WM-Organisationskomitees 2006 über den eigentlichen Zweck einer Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro im April 2005 vom Deutschen Fußball-Bund an den Weltverband Fifa arglistig getäuscht zu haben. Ebenfalls im Visier der Ermittler: der damalige OK-Chef Franz Beckenbauer, dessen Verfahren zuvor aus gesundheitlichen Gründen abgetrennt worden war.

"Ich wehre mich sehr energisch gegen den Vorwurf einer Täuschung. Ich habe niemanden getäuscht oder betrogen", sagte Zwanziger. Für ihn sei die Anklage nicht nachvollziehbar. Seiner Ansicht nach könne man die Rückzahlung des Geldes, das sich Beckenbauer 2002 vom Geschäftsmann Robert Louis-Dreyfus geliehen hatte und das später auf dem Konto des ehemaligen katarischen Fifa-Vizepräsidenten Mohammed Bin Hammam gelandet war, rechtlich nicht bewerten, solange der Verwendungszweck nicht geklärt sei.

Zwanziger greift auch Infantino an

Die Ermittler stellten lediglich Spekulationen an. "Darauf kann man keine Anklage stützen", sagte Zwanziger. Er werde deshalb eine Strafanzeige wegen "bewusst falscher Interpretation von Beweismitteln" gegen den Leitenden Ermittler der Schweizer Bundesanwaltschaft und dessen Assistentin stellen.

Auch Fifa-Präsident Infantino wurde von Zwanziger attackiert: Der Weltverband habe nichts zur Aufklärung des Verwendungszweckes der Millionenzahlung beigetragen. "Infantino schweigt und die Staatsanwaltschaft kungelt mit ihm", sagte Zwanziger. "Das ist Kumpanei auf höchster Ebene und wird auf dem Rücken von Schmidt, Niersbach und mir ausgetragen. Der Vorwurf, wir hätten betrogen, ist beschämend."

SPIEGEL TV: Theo Zwanziger über die schwarze Kasse (25.10.2015)

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mfu/dpa