DFB-Torwartzank Abmahnung auch an Hildebrand

Im Torwart-Streit der Nationalmannschaft hat nun auch Timo Hildebrand die konsequente Linie der Verantwortlichen zu spüren bekommen. Der Keeper vom VfB Stuttgart wird wegen kritischer Bemerkungen gegen Oliver Kahn eine mündliche Abmahnung erhalten.


Nationalkeeper Timo Hildebrand: "Keine versteckte Kritik gegen Mitspieler"
DDP

Nationalkeeper Timo Hildebrand: "Keine versteckte Kritik gegen Mitspieler"

Hamburg - Es sei nicht in Ordnung gewesen, dass die Nummer drei "einen Bezug zu Oliver Kahn hergestellt hat. Wir wollen den Spielern zwar nicht den Mund verbieten, aber eins muss klar sein: In den Äußerungen darf es keine versteckte Kritik gegen Mitspieler geben", betonte Bierhoff in der "Bild"-Zeitung. Hildebrand hatte in einem "Zeit"-Interview erklärt, dass die meisten Nationalspieler denken würden, dass Kahn durch die Attacke gegen Miroslav Klose "viele Sympathien verloren hat".

Die Strafankündigung in der "Bild"-Zeitung relativierte Bierhoff am Donnerstag nach einem Gespräch mit Hildebrand. "Das ist keine Abmahnung, wie sie sich der normale Arbeitnehmer vorstellt", sagte Bierhoff, "wer Timo kennt, weiß, dass seine Aussagen nicht böse gemeint waren. Ich habe ihn darauf hingewiesen, dass er bei dem Thema sensibler sein muss. Das ist ein Lernprozess für die Spieler."

Kopfschütteln bei Sammer

Mit Unverständnis reagierte dagegen der Stuttgarter Trainer Matthias Sammer auf den Rüffel für Hildebrand. Die Äußerungen seines Torwartes seien "völlig harmlos" gewesen, betonte Sammer, "es ist problematisch, wenn man sich so nicht mehr äußern darf." Der VfB-Coach bewertete Hildebrands Verhalten dagegen als richtig und positiv: "Ich freue mich, dass Timo was gesagt hat. Er ist auf dem Weg, eine Persönlichkeit zu werden."

Bierhoff machte noch einmal deutlich, dass der Verhaltenskodex für alle Spieler gelten würde. Vor dem nächsten Länderspiel am 17. November in Leipzig gegen Kamerun werde man deshalb "mit den Herren ausführlich reden. Jetzt muss endlich Ruhe sein". Laut Bundestrainer Jürgen Klinsmann werde man "einfache Grundregeln" ausgeben: "Achtung, Respekt, positives Auftreten, Pünktlichkeit."

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Die Torwartfrage

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In der Torwartfrage hat Klinsmann selbst im "Kicker" alle Spekulationen bezüglich der Länderspiel-Einsätze in diesem Jahr beseitigt. "Mit den drei Keepern ist langfristig abgesprochen, dass Jens Lehmann gegen Kamerun eine weitere Chance erhält. Oliver Kahn wird im Dezember in Japan und Korea spielen, Timo Hildebrand in Thailand", erklärte der Bundestrainer.

Alles klar mit Köpke

Die Entscheidung im Fall von Sepp Maier hat Klinsmann noch einmal verteidigt. "Es ist doch etwas Selbstverständliches, dass sich ein Cheftrainer einen Stab aufbaut. Ich stehe in der Verantwortung, wenn es nicht gut geht, schießen sie mich auf den Mond", sagte der 40-Jährige, der fest davon ausgeht, dass künftig Andreas Köpke seinem Trainerstab angehören wird: "Der Stab steht jetzt. Mit einem Mental- und Schnelligkeitstrainer lassen wir uns Zeit."

Bis zum Wochenende soll die Verpflichtung Köpkes, der bereits sein Interesse bekundet hat, abgeschlossen sein. Die Verhandlungen zwischen dem früheren Nationalkeeper mit DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder und Generalsekretär Horst R. Schmidt gelten nur noch als Formsache. Köpke soll im Gegensatz zu seinem Vorgänger Maier aber nicht auf Honorarbasis arbeiten, sondern ein fixes Gehalt beziehen. Laut Bierhoff soll er "die dritte Säule im Trainerstab werden, fast ein Assistenztrainer".



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