DFB-Trainingslager Klinsmann schürt den Konkurrenzkampf

Schön war die Zeit auf Sardinien - am Genfer See haben die Tage der Leiden begonnen. Im Trainingslager in der Schweiz soll die deutsche Nationalmannschaft die körperliche Basis für die WM legen. Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat seinen Spielern bereits die Losung für die Vorbereitung mit auf den Weg gegeben.


Genf – Drei Wochen vor Beginn der WM (9. Juni bis 9. Juli) sagt der Bundestrainer, dass sich keiner sicher sein könne, ob er einen Stammplatz innehat. "Keiner darf sich ausruhen", warnt Klinsmann, jeder Einzelne habe seine Pflicht, "auf sein bestmögliches Niveau zu kommen. Auch wenn er nicht spielt, hat er die Aufgabe, auf seiner Position Druck auszuüben", gab der Bundestrainer nach dem Regenerationstrainingslager auf Sardinien den neuen Takt vor.

Als ob sie diese Ansage verstanden hätten, meldeten sich heute prompt einige Spieler gesund zurück und nahmen am Trainingsbetrieb im Stadion von Servette Genf teil. So war der Dortmunder Sebastian Kehl nach seiner Außenbanddehnung im Sprunggelenk wieder einsatzfähig. Auch Lukas Podolski hat seine Rückenprobleme überwunden und konnte das volle Pensum absolvieren. Am Mittwoch will zudem Christoph Metzelder nach seinem Muskelfaserriss in der Wade wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. "Es geht ganz gut. Ich denke, dass ich am Mittwoch wieder fit bin. Darauf konzentriere ich mich, über alles andere mache ich mir keine Gedanken", so der Abwehrspieler von Borussia Dortmund.

Auch der am vergangenen Mittwoch am linken Ellenbogen operierte Philipp Lahm war heute schon wieder am Ball. Der 22 Jahre alte Münchner Verteidiger trägt aber derzeit noch einen Gips und muss sich weitgehend auf Konditionsarbeit beschränken. Erst in gut einer Woche soll Lahm mit einer Gelenk-Schiene wieder voll trainieren und in Zweikämpfe gehen können. Eine Trainingspause mussten am Vormittag der Bremer Tim Borowski und der Wolfsburger Mike Hanke einlegen. Beide sind erkältet.

Während Borowski wenigstens im Fitnessraum des Servette-Stadions übte, blieb Hanke im Hotel "La Reserve". "Insgesamt sind wir sehr erfreut über den Zustand unserer angeschlagenen Spieler. Kehl ist früher eingestiegen als erwartet. Auch Metzelder macht sehr große Fortschritte, und bei Lahm sind wir zunächst doch gar nicht davon ausgegangen, dass er bis auf die Zweikämpfe alle Übungen mitmachen kann", sagte Assistenz-Trainer Joachim Löw.

Die gute Stimmung bei der sportlichen Leitung hat sich auch positiv auf den Tatendrang in der Mannschaft ausgewirkt. Vielleicht auch, weil das Team heute Besuch bekam vom siebenmaligen Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher, der sozusagen um die Ecke wohnt. Und der Ferrari-Pilot durfte eine engagierte deutsche Mannschaft beobachten. Obwohl heute nur ein ruhiges Training auf dem Plan stand, rannten, grätschten und kämpften die Spieler, als ob es schon um den Einzug ins WM-Finale gehen würde.

Kein Wunder, vor dem Auftaktspiel der Deutschen am 9. Juni in München gegen Costa Rica sind mindestens noch drei Positionen nicht vergeben – um diese Plätze streiten sieben Spieler:

In der Innenverteidigung ist Per Mertesacker gesetzt, um den zweiten Platz kämpfen Jens Nowotny, Metzelder und Robert Huth. Auf der linken Seite der Viererabwehrkette wäre Philipp Lahm gesetzt. Doch nach seiner Operation wird es bis zum WM-Start ein "kleiner Wettlauf mit der Zeit" (Lahm). Dies würde die Chance für Marcell Jansen bedeuten. Der Gladbacher betonte jedoch schon, ganz fairer Sportsmann, "dass ich eigentlich nicht von der Verletzung von Philipp profitieren möchte". Bleibt ein offener Platz im linken Mittelfeld, um den sich Borowski und der Münchner Bastian Schweinsteiger bewerben.

Seinen Platz sicher hat derzeit Torwart Jens Lehmann, der nach seiner Roten Karte im Champions-League-Finale sehr selbstbewusst auftritt und sagte: "Ich brauche keine Therapie". Auch gesetzt sind neben Mertesacker Arne Friedrich und in der Abwehr, Kapitän Michael Ballack, Bernd Schneider und Torsten Frings im Mittelfeld sowie Miroslav Klose und Podolski im Sturm.

Doch auch die gesetzten Spieler müssten sich laut Klinsmann beweisen, "sie müssen zeigen, dass sie besser sind". Um die Form seiner Spieler zu überprüfen, hat der Bundestrainer täglich zwei harte Trainingseinheiten in Genf angesetzt. Am Dienstagabend testet die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zudem gegen den Drittligisten Servette Genf, am Donnerstag steht ein weiterer Probelauf gegen die A-Junioren von Servette auf dem Programm. Beide Spiele finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. "Das sind reine Testläufe, um die Form zu finden und Spielzüge zu automatisieren", erläuterte Assistent Löw, "erst in den folgenden Länderspielen wollen wir unsere Formation einspielen".

Bis zum WM-Auftakt gegen Costa Rica stehen noch drei Spiele auf dem Programm: Am 27. Mai in Freiburg gegen Luxemburg, am 30. Mai in Leverkusen gegen Japan und am 2. Juni in Mönchengladbach gegen Kolumbien.

sge/sid



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.