Nach Korruptionsvorwürfen DFB trennt sich von Infront

Der DFB soll den Schweizer Sportvermarkter Infront Jahre lang bevorzugt haben. Die Agentur soll sich dafür mit Geschenken und Einladungen erkenntlich gezeigt haben, wie der SPIEGEL enthüllte. Das hat Konsequenzen.
DFB-Chef Fritz Keller reagiert auf die SPIEGEL-Enthüllungen

DFB-Chef Fritz Keller reagiert auf die SPIEGEL-Enthüllungen

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Patrick Seeger/DPA

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) beendet die langjährige Zusammenarbeit mit dem Vermarkter Infront. Das teilte der Verband am Mittwoch mit. Der DFB reagierte damit auf Erkenntnisse einer internen Untersuchung, nach der Infront in der Vergangenheit seine Geschäftsposition beim DFB durch Einladungen und Geschenke verbessert hatte. Der SPIEGEL hatte in der Vorwoche bereits darüber berichtet.

Nach Untersuchungen der vom DFB beauftragten Berliner Beratungsfirma Esecon habe der Verband nun einen Überblick über die Aktivitäten von Infront in den vergangenen Jahren erhalten, verkündete der DFB: "Daraus ergeben sich innerhalb der vergangenen Jahre verschiedene Handlungen, die sich für den DFB als klare Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit dem Zustandekommen und der Erbringung von Vertragsleistungen von Infront sowie unrechtmäßige Einflussnahmen auf DFB-Vertreter darstellen", heißt es in einer DFB-Erklärung.

Infront selbst will die Kündigung der bestehenden Verträge allerdings nicht anerkennen. "Infront bestreitet die Wirksamkeit dieser Kündigung und hält an der vollständigen Erfüllung der laufenden Verträge mit dem DFB fest", hieß es auf Anfrage der Deutschen Presseagentur dpa.

Wie der SPIEGEL berichtet hatte, hatte Infront unter anderem eine Einladung für eine Urlaubsreise an den früheren DFB-Chef Wolfgang Niersbach ausgesprochen. Dabei soll der frühere Nationalspieler Günter Netzer, damals Executive Director bei Infront, eine zentrale Rolle gespielt haben. Netzer und Infront haben die Vorwürfe abgestritten, der DFB reagierte nun dennoch.

Infront hatte bis 2018 den Auftrag, Bandenwerbepartner für Spiele der Nationalelf zu beschaffen. Laut dem Ermittlungsbericht habe die Firma 2013 vom DFB den Zuschlag für das Geschäft erhalten, obwohl ein Konkurrent bis zu 18 Millionen Euro mehr geboten habe. Auch der bis heute laufende Bandenwerbevertrag für die DFB-Pokalspiele soll 2015 unter fragwürdigen Umständen an Infront gegangen sein.

aha/dpa
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