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Präsentation der DFB-Trikots Timing ist alles

Adidas und der DFB haben die neuen Trikots der deutschen Nationalmannschaft vorgestellt - ausgerechnet an dem Abend, als der DFB-Boss über das Geld des früheren Adidas-Chefs Louis-Dreyfus stolperte. Die Stimmung war entsprechend.

Gutes Timing ist extrem wichtig, um im Fußball ganz vorne zu sein. Der richtige Moment für die richtige Aktion. Es gibt auch schlechtes Timing.

Am Abend des Rücktritts von Präsident Wolfgang Niersbach feiert Adidas in Berlin die Präsentation der neuen DFB-Trikots für die EM 2016. Normalerweise ist so etwas nicht nur ein Pflicht-, sondern auch ein Lusttermin für die DFB-Oberen. Aber nach dem Rücktritt bekommt die Veranstaltung den Charme einer FDP-Wahlparty aus dem Jahr 2013. Und statt in Berlin zu Rapper "Cro" mit den Fußspitzen zu wippen, müssen die Herren in Frankfurt derweil bedrückten Gesichtes Krisenbewältigung betreiben.

Der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus als der Geldgeber des Ganzen, der DFB als der Geldnehmer - der Sportartikelhersteller, der jede Verwicklung in die WM-Affäre von sich weist, und der Verband, der dies bis zuletzt ebenfalls tat. Dass sie zusammen an diesem Abend zu der Veranstaltung einladen, an dem Abend, an dem der DFB-Präsident über das Dreyfus-Geld zu Fall kommt, ist nur eine Fußnote, aber sie ist eine hübsche.

"Das war mit Abstand die schlimmste Woche, die ich in meinem Leben je hatte", rappt Cro in seinem Song "Whatever". Cro, der Soft-Rapper mit der Panda-Maske, ist der Hauptact des Abends. Cro ist kein klassischer Gangster-Rapper, und das ist an diesem Abend vielleicht ja auch ganz gut so. Er liefert auch so den Soundtrack zur WM-Affäre. "Baby, bitte mach dir nie mehr Sorgen ums Geld, gib mir deine Hand, ich kauf dir morgen die Welt." Die Leute von Adidas verziehen dabei nicht einmal das Gesicht.

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Neues DFB-Trikot: In klassischem Weiß nach Frankreich

Foto: Boris Streubel/ dpa

"Mein Kopf ist voller Wörter, doch es kommt nichts raus." Cro hat sogar schon die mittlerweile berühmte Niersbach-Pressekonferenz von vor zwei Wochen in einen Rap-Text umgewandelt. Und weiter geht's: "Vielleicht, vielleicht schafft es keiner wie wir, sich vielleicht, vielleicht so leicht zu verlieren." Im Fernsehen muss DFB-Vize Rainer Koch da gerade einräumen, dass es neue Belege beim DFB gebe, die den Verdacht von Unregelmäßigkeiten bei der WM-Vergabe stützen. "Vielleicht bin ich ja irgendwann mal reich, so mit 'nem Konto in der Schweiz."

Drei Songs live, dann fällt der Vorhang. Als er sich wieder hebt, stehen die drei Nationalspieler Lukas Podolski, Jonas Hector und Emre Can mit dem Rapper auf der Bühne, alle gekleidet in die neuen DFB-Trikots. Cro rappt dazu "Meine Gang ist voller Chicks oder Atzen, die bis Mitternacht ratzen." Can steht daneben und sieht so aus, als wünschte er sich jetzt dringend auch eine Panda-Maske auf dem Kopf. Podolski erhält seinen bei DFB-Auftritten mittlerweile üblichen Drei-Minuten-Einsatz auf der Bühne. Der gereckte Daumen leistet Schwerstarbeit.

"Our Pitch, our Rules" steht groß und englisch über der Veranstaltung. Selbst der Marketingsprech bekommt in diesen Wochen Doppelbedeutung. Wer einen Pitch gewinnt, der bekommt im Wettbewerb den Zuschlag, so wie Deutschland bei der WM-Vergabe 2000. Welche Rules, welche Regeln dabei verletzt wurden, das beginnt nach den SPIEGEL-Enthüllungen gerade erst, richtig aufgeklärt zu werden. Und Cro rappt: "Ich hebe mein Glas und schrei in den SPIEGEL, Mann, ich brauch nichts außer dich, wir beide packen das."

Adidas twittert am späten Abend zusammenfassend: "W.O.W: - was für ein fetter Abend." Hashtag: #bethedifference.

Das EM-Trikot des DFB ist übrigens fleckenlos weiß. Die Hose ist schwarz.

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Niersbach-Nachfolger: Vier Kandidaten stehen bereit

Foto: Bongarts/Getty Images
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