Fifa-Skandal DFB-Präsident Niersbach lehnt WM-Boykott ab

"Mit einem Boykott erreichen wir nichts": DFB-Präsident Wolfgang Niersbach will nicht, dass Deutschland einer Fußball-Weltmeisterschaft fernbleibt. Diese Forderung hatten Fifa-Kritiker aus England erhoben.

Blatter, Niersbach: "Das funktioniert nicht"
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Blatter, Niersbach: "Das funktioniert nicht"


Seit vier Tagen gehört Wolfgang Niersbach dem Fifa-Exekutivkomitee an, dem mächtigsten Organ der Fußballwelt. Obwohl der DFB-Chef sich vor dem Kongress in Zürich kritisch über den Weltverband und dessen Chef Joseph Blatter geäußert hatte, scheut er nun die Konfrontation. "Wir streben keinen Boykott einer Weltmeisterschaft an", sagte Niersbach der Nachrichtenagentur Reuters. "Damit erreichen wir nichts."

Die Forderungen nach einem WM-Boykott oder gar dem Austritt europäischer Verbände aus der Fifa waren in den vergangenen Tagen laut geworden. Vor allem englische Funktionäre hatten sie erhoben und dies mit ihrem Rückzug aus den Fifa-Gremien bekräftigt. So verzichtete der frühere Direktor von Manchester United, David Gill, auf seinen Posten im Exekutivkomitee, FA-Direktorin Heather Rabbatts trat aus der Anti-Diskriminierungs-Kommission zurück.

Niersbach, der Theo Zwanziger im Exekutivkomitee beerbt, sagte, er wolle keine Situation wie im Boxen, wo mehrere internationale Verbände nebeneinander existieren: "Das funktioniert nicht."

Trotz des größten Skandals der Fifa-Geschichte war Blatter am Freitag als Fifa-Präsident wiedergewählt worden. In Interviews drohte er danach seinen Gegner von der Uefa und verspottete sie.

Eine Mehrheit der Deutschen befürwortet im Gegensatz zu Niersbach einen WM-Boykott - falls es keine Reformen innerhalb der Fifa geben sollte. 53 Prozent der Bevölkerung sind laut einer Yougov-Umfrage unter 1006 Teilnehmern für einen WM-Verzicht des europäischen Verbandes Uefa. 50 Prozent halten einen Boykott nur durch Weltmeister Deutschland für richtig.

Eine deutliche Mehrheit der Befragten hat kein Vertrauen mehr in die Fifa. 88 Prozent halten Korruption im Fußball-Weltverband für "wahrscheinlich". 81 Prozent davon sind überzeugt, dass Blatter persönlich verwickelt ist oder war.

cte/Reuters

insgesamt 76 Beiträge
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mattoregiert 02.06.2015
1. Will man den Sumpf austrocknen ,
darf man die Frösche nicht fragen....
quittenmarmelade 02.06.2015
2. Keine Courage!
Niersbach ist ein Fähnchen im Wind ohne jegliche Kompetenz. Ein farbloser Fußballfunktionär der auf seine alten Tage noch seine Schäfchen ins trockene bringen will. Einfach nur traurig!
ackergold 02.06.2015
3.
Wenn er alle Maßnahmen ablehnt, dann muss er halt mit Blatter und der Korruption leben. Niersbach wird auch immer nur seine Pfründe verteidigen und nie wirklich eine Änderung wollen. Also, wer keinen Boykott will, der soll in Sachen Blatter dann auch den Mund halten.
Lankoron 02.06.2015
4. Natürlich will
Herr Niersbach keinen Boykott. Der DFB lebt doch ganz gut mit dem derzeitigen System, und im Hinblick auf die Zukunft will man es sich doch mit keinem der kleinen Stimmen verscherzen. Vllt. gibts ja irgendwann nochmal die Chance auf Grossereignisse, oder einen einträglichen Posten. Meckern am System ist einfach, aber selber etwas tun ist den Leuten doch fremd, und erst recht etwas tun, das konsequenzen für einen selbst hat.
sabbajohne 02.06.2015
5. Herr Niersbach sollte auch die Nähe....
zu Herrn Platini meiden, der auch eine nicht sonderlich rühmliche Rolle im FIFA/UEFA-Drama spielt. Eine Vasallentreue ist jetzt ziemlich fehl am Platze. Lasst doch ruhig mal ne WM ausfallen und konzentriert euch auf die Kontrollgremien (so vorhanden)......
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