DFB-Vizepräsident Koch "Ich sorge dafür, dass du dieses Amt nicht ausführen wirst"

Finanzielle Konsequenzen oder gleich Amtsverlust: Wenn es um die Durchsetzung seiner Interessen geht, drohte DFB-Vizepräsident Rainer Koch nach SPIEGEL-Informationen in der Vergangenheit mehrmals seinen Gegnern.
DFB-Vizepräsident Rainer Koch

DFB-Vizepräsident Rainer Koch

Foto: Simon Hofmann/Getty Images

Rainer Koch, Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Präsident der Fußballverbände Bayerns und Süddeutschlands, gerät in der Affäre um angebliche Einflussnahmen auf Wahlen im DFB weiter in die Defensive. Zwei langjährige Funktionäre des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) stützen Anschuldigungen gegen Koch, die der ehemalige Vorsitzende des DFB-Jugendausschusses, Christian Pothe, bei der Ethikkommission des Verbands angezeigt hat. Koch soll mit massiven Drohungen dafür gesorgt haben, dass ein ihm genehmer Kandidat 2016 in den DFB-Jugendausschuss gewählt wurde.

Pothe, Rechtsanwalt und Ex-Vizepräsident des FC St. Pauli, hatte gegenüber der Ethikkommission angegeben, Koch habe ihm mit dem Verlust des Ausschuss-Vorsitzes gedroht, falls er nicht helfe, einen Süddeutschen Verbandskandidaten Kochs durchzudrücken. Regional- und Landesverbände soll Koch mit einer möglichen "Neuverteilung der Finanzmittel" eingeschüchtert haben. Koch hat die Vorwürfe als "nicht korrekt wiedergegeben" zurückgewiesen.

Dem widerspricht nun Karl-Heinz Wilhelm, bis 2018 Jugendausschuss-Vorsitzender des BFV: Der DFB-Vize habe den Regional- und Landesverbänden seinerzeit sehr wohl mit negativen finanziellen Konsequenzen gedroht. Dies habe Koch ihm nach der Wahl seines Kandidaten selbst erzählt. Auf Wilhelms Frage, wie es ihm gelungen sei, seinen Mann zu installieren, habe Koch von einem Treffen der Landesverbandsgeschäftsführer in der Sportschule Oberhaching berichtet. Dort hätte er deutlich gemacht, dass man die Verteilung finanzieller Mittel des DFB an die Landesverbände auch anders als bisher regeln könnte, sollten die Wahlen nicht in seinem Sinne verlaufen.

"Eine faire Zusammenarbeit ist nach dieser Geschichte nicht mehr möglich"

Mitte dieser Woche hat Wilhelm nun seine Vorwürfe in einem Schreiben an die DFB-Ethikkommission wiederholt. Darin zitiert er Kochs Aussage aus dem Gespräch mit ihm über das Oberhachinger Treffen mit den Worten: "Ich habe klargemacht, dass wir uns über die Verteilung der DFB Gelder neue Gedanken machen müssen, wenn diese so nicht kommt." Gemeint war die Wahl von Kochs Kandidat. Der DFB-Vize bleibt dennoch bei seiner Aussage: Die geschilderten Abläufe seien "nicht korrekt wiedergegeben worden".

Wie Koch vorzugehen scheint, um seine Interessen durchzusetzen, zeigt eine Szene von 2014. Damals, beim Kreistag Donau des Bayerischen Fußball-Verbands vor fünf Jahren, weigerte sich der amtierende Frauen- und Mädchenbeauftragte Markus Heumader, seine erneute Kandidatur zugunsten einer von Koch gewünschten Kandidatin zurückzuziehen. Daraufhin sagte ihm Koch laut einer dem SPIEGEL vorliegenden Aussage vor Zeugen: "Du kannst die Wahl gewinnen, aber ich sorge dafür, dass du dieses Amt nicht ausführen wirst."

Heumader wurde zwar gewählt, verzichtete aber anschließend darauf, sein Amt anzutreten, weil "eine faire Zusammenarbeit nach dieser Geschichte nicht mehr möglich" sei. Wenig später wurde Kochs Kandidatin per BFV-Präsidiumsbeschluss berufen.

Heute antwortet Koch auf den Vorwurf damit, dass er sich generell dafür einsetze, dass Frauen "vermehrt Verantwortung und Führungsaufgaben übernehmen und deshalb besonders gefördert werden". Im konkreten Fall habe er sich "gemeinsam mit der schwäbischen BFV-Führung" für eine "damals 23 Jahre junge und als frühere Junioren-Nationalspielerin sehr qualifizierte Frau" stark gemacht. Seine Haltung habe seinerzeit "überhaupt nichts mit der Person von Herrn Heumader" zu tun gehabt.

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