DFB-Stellungnahme nach Schmähungen gegen Hopp Antworten rufen noch mehr Fragen hervor

Nach den Beleidigungen gegen Dietmar Hopp hat der DFB eine Stellungnahme veröffentlicht. Wichtige Fragen bleiben ungeklärt. "Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen", hieß es in einer Reaktion von Fanvertretern.
Ein Plakat im Spiel zwischen Union Berlin und dem VfL Wolfsburg, das der DFB selbstverständlich aushalten müsse

Ein Plakat im Spiel zwischen Union Berlin und dem VfL Wolfsburg, das der DFB selbstverständlich aushalten müsse

Foto: Andreas Gora/ dpa

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat nach den Vorfällen um Beleidigungen gegen Dietmar Hopp einen runden Tisch mit Fanvertretern angekündigt, das teilte der Verband auf seiner Website mit . In dem "FAQ zur Anwendung des Drei-Stufen-Plans" räumte der DFB auch ein, dass bei einzelnen Partien zu sensibel reagiert worden sei.

Verschiedene Fragen zur Umsetzung des Drei-Stufen-Plans blieben dagegen offen. Zwar schreibt der DFB, dass Diskriminierung und "personifizierte Gewaltandrohungen" nicht toleriert werden können. Was der DFB darunter alles versteht, ist jedoch nicht genau beschrieben.

So heißt es in dem Schriftstück, dass es unerträglich sei, Banner zu sehen, auf dem ein Mensch im Fadenkreuz steht. Beleidigungen wie "Hurensohn", die beim Spiel zwischen Hoffenheim und Bayern München am Samstag für eine Spielunterbrechung gesorgt hatten, wurden dagegen nicht benannt. Warum die Partie in Sinsheim dennoch unterbrochen wurde, geht nicht aus dem Schreiben hervor.

Sprechchöre und Plakate gegen Dietmar Hopp

In den vergangenen Tagen hatte es in verschiedenen Stadien beleidigende Sprechchöre und Plakate gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp und den DFB gegeben, mit denen Anhänger gegen Kollektivstrafen protestierten. Die Begegnungen Union Berlin gegen VfL Wolfsburg und TSG Hoffenheim gegen FC Bayern München standen nach Spielunterbrechungen kurz vor dem Abbruch.

Bezogen auf andere Partien räumte der DFB ein, dass zu sensibel reagiert worden sei. "Wenn in Berlin Fangruppen ihren Unmut gegenüber Entscheidungen des DFB mit einer harten Wortwahl zum Ausdruck bringen, muss das der DFB selbstverständlich aushalten", heißt es. Damit bezieht sich der Verband auf ein Transparent, das von Union-Berlin-Fans am Sonntag enthüllt worden war, auf dem unter anderem die Beleidigung "Fick dich, DFB" zu lesen war.

Hintergrund der koordinierten Ultra-Aktion war ein Urteil des DFB-Sportgerichts, das Anhänger von Borussia Dortmund wegen Bannern mit Hopp im Fadenkreuz zu einer Stadionsperre für zwei Jahre in Sinsheim verurteilt hatte. Damit wurde die eigentlich ausgesetzte Kollektivstrafe angewendet, so die Argumentation der Fans.

Runder Tisch soll Annäherung bringen

Durch einen "konstruktiven Dialog" mit der AG Fankulturen wolle der DFB nun klären, "welche Formen - auch der überspitzten - Kritik gangbar sind und wo eine rote Linie verläuft". In der AG Fankulturen sitzen Vertreter des DFB und der Deutschen Fußball Liga sowie von verschiedenen Fan-Organisationen. Dies soll im Streit zwischen dem DFB und den Ultra-Szenen eine erste Annäherung bringen.

Kollektivstrafen sollen auch zukünftig nur das letzte Mittel sein, teilte der DFB mit. Es sei noch immer die gültige Linie, bei Zuschauerfehlverhalten im Stadion primär gegen die Täter vorgehen zu wollen", heißt es in dem Schreiben des DFB. "Das unabhängige Sportgericht und der Kontrollausschuss können die Täter aber oft nicht selbst ermitteln und fast nie auf direktem Wege gegen Zuschauer vorgehen."

Auch DFB-Vizepräsident Rainer Koch meldete sich zu Wort. Kurz nach seiner Wahl ins Exekutivkomitee der Uefa sagte er, dass durch die Banner gegen Hopp eine rote Linie überschritten worden sei. "Und wenn alle anderen Mittel nicht ausreichen, wir nicht zu anderen Lösungen kommen, (...) dann muss solch ein Block auch mal gänzlich geräumt werden", sagte er.

Fanvertreter sehen sich getäuscht

Fanverbände sehen sich vom DFB erneut getäuscht. "Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen", hieß es in einer Erklärung, die am Abend von der Organisation "Unsere Kurve" als Reaktion veröffentlicht wurde. Das Bündnis erklärte zudem, der Vorstoß zu einem Treffen sei von den Fanorganisationen gekommen, nicht von den Fußballverbänden: "Wir haben den Dialog eingefordert, um auszuloten, ob und wie die Situation deeskaliert werden kann." Das Treffen diene nicht der Befriedung der Proteste.

Irritiert zeigten sich die Fans, dass der DFB keine Veröffentlichung des Termins gewünscht habe, dies dann am Dienstag aber doch selbst tat. "Damit vereinnahmt er bereits vor der Sitzung die Deutungshoheit. Über den Dialog und über die Inhalte. Das ist keine gute Grundlage für eine Deeskalation."

Auch die Münchner Ultra-Gruppe "Schickeria" warnte den DFB vor einem weiteren verschärften Vorgehen gegen die Fans. "Wenn der DFB sich nun zum Ziel setzt, dass Kurven sauber sein müssen und vom DFB reguliert werden können, dann wird das Widerstand hervorrufen", schrieb die Vereinigung, die mit Bannern gegen Milliardär Hopp den Eklat beim Bayern-Spiel in Sinsheim ausgelöst hatte. Zudem zeigte sich die "Schickeria" erbost darüber, dass ihre Schmähungen in Zusammenhang mit dem rassistischen Anschlag von Hanau gestellt wurden. Dies mache "sprachlos".

hba/dpa/sid
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