DFB Zwanziger buhlt um Bussis

Theo Zwanziger hat zum wiederholten Male Rücktrittsabsichten vom Amt des DFB-Präsidenten angedeutet. Dennoch spricht alles dafür, dass er sich noch einmal wählen lässt. Denn aus seiner Sicht kann nur einer das Amt optimal ausfüllen - er selbst.

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Erst fühlte sich der Bundestrainer nach der WM ausgebrannt, jetzt auch noch der Boss des Deutschen Fußball-Bundes: Amtsmüdigkeit empfinde er, hat Theo Zwanziger am Wochenende mitgeteilt, er spüre eine "tiefe Sehnsucht nach dem Privaten". Dass dem größten Fußballverband der Welt gleichzeitig Präsident und Cheftrainer abhanden kommen, kann man aber ausschließen. Der nächste DFB-Präsident, dessen Wahl für den 21./22. Oktober in Essen angesetzt ist, wird erneut Theo Zwanziger heißen.

Zwanziger und die Ankündigung des Rücktritts: Das ist eine sich wiederholende Geschichte.

Mehrfach hat der 65-Jährige seinen Verband und seine Mitarbeiter mit Rücktrittsankündigungen irritiert, zunächst im Zuge des Rechtsstreits mit dem freien Journalisten und preisgekrönten Blogger Jens Weinreich, zuletzt während der Schiedsrichteraffäre um den früheren DFB-Funktionär Manfred Amerell. Eine ernsthafte Absicht, sein Amt zur Verfügung zu stellen, war aber weder damals noch heute erkennbar.

Zwanziger hat sowohl beim Konflikt mit Weinreich, der auch für SPIEGEL ONLINE tätig ist, als auch im Fall Amerell mit dem Rücktritt kokettiert; es herrschte der Eindruck, er setze dies auch als taktisches Instrument ein, um Kritiker zu verschrecken und Verbündete hinter sich zu scharen. Diesmal mögen andere Motive im Spiel sein: Zwanziger fühlt sich nach wie vor durch die massive Kritik an seinem Krisenmanagement in der Schiedsrichteraffäre verletzt. "Da gab es Dinge, die man nicht so einfach wegsteckt", hat er im Juni gesagt, als sich die Unruhe wegen des Rücktritts Amerells und der Verwerfungen im DFB-Schiedsrichterwesen weitgehend gelegt hatte.

Geplatzte Vertragsverlängerung hängt nach

Noch mehr dürfte Zwanziger allerdings der wenig souveräne Umgang mit Bundestrainer Joachim Löw nachhängen.

Im Februar hatte der DFB auch auf Betreiben Zwanzigers die vorzeitige Vertragsverlängerung mit der sportlichen Leitung platzen lassen und auf die Zeit nach der WM verschoben. Beim DFB hatten wohl manche gehofft, nach dem Turnier die Vertragsdetails bestimmen zu können. Jetzt jedoch stellt sich die Lage komplett anders dar. Löw ist nach dem begeisternden Auftritt der deutschen Elf in Südafrika derjenige, der gänzlich frei über seine Zukunft und die seines Teams entscheiden kann.

Man kann davon ausgehen, dass der Bundestrainer seine Bedingungen diktiert - Bedingungen, die mindestens denen entsprechen dürften, die im Februar noch zum Krach geführt haben. Damals war dem Löw-Lager, dabei insbesondere Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff, Geldgier und Machthunger vorgeworfen worden. 'Die kriegen den Hals nicht voll', war zwischen den Zeilen zu lesen. Nun hat Zwanziger einen dicken Hals.

Dem obersten deutschen Fußballfunktionär wird es schon während der WM gedämmert haben, dass es vernünftiger gewesen wäre, noch vor dem Turnier zu verlängern. Während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Löw nach dem rauschhaften Auftaktspiel gegen Australien hat er devot um Löw geworben, eine Vertragsverlängerung erbetteln wollen. Löw saß direkt neben ihm und hat Zwanziger abblitzen lassen.

Zwanziger muss nun fürchten, auf der Vollversammlung des Verbandes die Quittung dafür zu bekommen, wenn es um seine Wiederwahl geht. Da schadet es nicht, frühzeitig Signale zu senden, notfalls auch auf das Amt verzichten zu können. Hier testet jemand seinen Marktwert, achtet ganz genau auf das Echo, das seine Äußerungen auslöst - und richtet sich entsprechend darauf ein.

Zwanziger bleibt Premiumkandidat

Das abgelaufene Jahr war das schwierigste, das Zwanziger als DFB-Chef bisher zu bewältigen hatte. Sollte die Vertragsverlängerung Löws jedoch erfolgreich abgewickelt werden - und noch spricht das meiste dafür - , wäre das schwerste Stück Arbeit getan. Die Nationalmannschaft gehört mit ihren Perspektiven ab sofort zu den Top-Favoriten für EM 2012 und die WM zwei Jahre später. Das Schiedsrichterwesen wird eingedenk der Amerell-Affäre neu geordnet. Im kommenden Jahr steht zudem die Frauen-Weltmeisterschaft im eigenen Land an. Zwanziger, der ein großer Förderer des Frauenfußballs ist, lässt sich dieses Event im Amt des Präsidenten kaum entgehen.

Dazu kommt: Zwanziger hält seine Mission für noch immer nicht beendet. Unlängst ließ er verlauten: "Ich habe noch eine Menge zu tun, und meine Aufgabe als DFB-Präsident macht mir weiter viel Spaß." Ein möglicher Nachfolger stünde mit dem ehrgeizigen DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach zwar bereit, aber Zwanziger hat noch am Wochenende klargemacht, was er vom dem Szenario eines eigenen Rücktritts hielte: "Dann entsteht für den DFB eine ganz schwierige Situation. Wer soll es dann machen?"

Da gibt es aus Sicht von Theo Zwanziger nur einen: Theo Zwanziger.

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Seite 1
derlabbecker 19.07.2010
1. also von mit aus..
... kann er zurücktreten. Ich kann den Kerl eh nimmer sehen... Frage mich ausserdem ob er einen Plan B in der Tasche hat, falls Löw doch nicht verlängert. Eigentlich müsste der Mann doch gerade rotieren ohne Ende, den Markt sondieren, schauen wer Bundestratiner werden möchte etc. Wundert mich dass er Zeit hat sich über seine Wiederwahl oder Rücktritt Gedanken zu machen. Was macht er wenn der Jogi am 5.8. sagt, ätsch, ich mach nicht weiter? Dann kann sich der Zwanziger am 11.8. in Kopenhagen auf die Bank setzen *ggg*
Björn Borg 19.07.2010
2. Moderne Zeiten
Zitat von sysopTheo Zwanziger hat zum wiederholten Male Rücktrittsabsichten vom Amt des DFB-Präsidenten angedeutet. Dennoch spricht alles dafür, dass er sich noch einmal wählen lässt. Denn aus seiner Sicht kann nur einer das Amt optimal ausfüllen - er selbst. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,707332,00.html
Der DFB krankt an Personen, die wie Zwanziger in erster Linie daran denken, wie sie selbst in der Öffentlichkeit dastehen und wie ihre damit verbundene Macht erhalten. Früher fand man solche Personen auch in der Nationalmannschaft - die hat Löw in den letzten Jahren konsequent aussortiert. Jetzt wäre es allerhöchste Zeit, sie auch auf der Funktionärsebene zu isolieren. Eine Abwahl Zanzigers wäre ein erster Schritt dazu. Sammer und Bierhoff sollten ihm folgen!
Bonafides 19.07.2010
3. Kalkul?
Liegt es nicht nahe, dass es sich um ein taktisches Manöver Zwanzigers handelt? Womöglich befürchtet Zwanziger, dass Löw eine Vertragsverlängerung quittiert. Indem Zwanziger von Rücktritt spricht, könnte dies für Löw insofern attraktiv wirken, als dass er mit einer Vertragsverlängerung einer Zukunft ohne Zwanziger entgegen blicke - augenscheinlich Löws Wunsch. Nachdem die Vertrag in trockenen Tücher ist, könnte Zwanziger sich wider der Intention des Interviews zur Wahl stellen - und wahrscheinlich wählen lassen. Letztlich hängt Zwanzigers Zukunft davon ab, ob Löw verlängert oder nicht. Verlängert er nicht, wird man es Zwanziger zu schreiben. Das wäre das Ende einer Ära Zwanzigers.
wolfman11 19.07.2010
4. Na das ist doch wieder einmal ....
Zitat von sysopTheo Zwanziger hat zum wiederholten Male Rücktrittsabsichten vom Amt des DFB-Präsidenten angedeutet. Dennoch spricht alles dafür, dass er sich noch einmal wählen lässt. Denn aus seiner Sicht kann nur einer das Amt optimal ausfüllen - er selbst. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,707332,00.html
... eine höchst "objektive" Headline von SPON zum Start dieses Themas. Schwer für ein Medium, das sich gegen jemanden eingeschossen hat, auch mal über den eigenen Schatten zu springen. Kein Wort über die Verdienste Zwanzigers bei den Aufräumenarbeiten der unsäglichen Hinterlassenschaft seines selbstverliebten Vorgängers Mayer-Vorfelder. Kein positives Wort dazu, dass er halt ein anderer Typus des Präsidenten war, als der Machtmensch M-V oder der ähnlich machthungrige und durchtriebene Neuberger. Kein Wort darüber, wie durchaus mutig es war, sich eben nicht vor der WM von Bierhoff über den Tisch ziehen zu lassen. Auch wenn es ihn das gute Verhältnis zu Löw gekostet hat. Solche Statements würden ja auch nicht in den Mainstream passen, jetzt wo Jogi fast schon den Olymp der Zauber-Trainer erklommen hat. Wenn Zwanziger, der großen Anteil an den Erfolgen der DFB-Teams und dem positiven Auftritt des Verbandes der letzten Jahre hat, jetzt geht, dann aufgrund der Tatsache, dass er sich nicht von den Trainern der A-Nationalmannschaft an der Nase durch den Ring führen lassen möchte. Und wenn dem so ist, ist ein Rücktritt, der ihn seine Selbstachtung behalten lässt durchaus angesagt. Ich fand, er war ein sehr guter Präsident und würde ihm diesen würdigen Abgang allemal wünschen. Allein wenn dies dazu beitrüge, sich diesem Raubtierjournalismus nicht mehr aussetzen zu müssen hätte Herr Zwanziger schon etwas gewonnen.
nyota 19.07.2010
5. Noch ein Rücktritt!
Zeit wär's, denn gute Gründe gibt's genug. Wie der Mann sich in Südafrika bei jeder sich bietenden Gelegenheit bei Joachim Löw angebiedert hat, war OBERPEINLICH und wirklich abstoßend.
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